Archiv: Texte

In unserem Textarchiv finden Sie alle Artikel aus der deutschen Ausgabe seit 1995. Ausgenommen sind die Artikel der letzten drei Ausgaben.
Aktuelle Ausgaben
Befristetes Kurzabo


Ausgabe vom 17.01.1997


  • DER hauchdünne Sieg der Neinstimmen beim Referendum im Oktober 1995 hat die Debatte um die Souveränität Quebecs nicht beendet, sondern die Positionen nur noch weiter zugespitzt. Die Regierung unter Jean Chrétien in Ottawa verweist auf die schlechte Wirtschaftslage und dramatisiert die Konsequenzen, sollte die Provinz ihre Unabhängigkeit erlangen. Angesichts dieser Strategie der Bundesregierung versucht der Regierungschef von Quebec, Lucien Bouchard vom Parti québécois, die Quadratur des Kreises: Er will die englischsprachige Bevölkerung für sich gewinnen, ohne das Ziel der Souveränität innerhalb eines losen Staatenbundes preiszugeben; und er versucht, sich neoliberalen Positionen anzunähern, ohne zugleich sein sozialdemokratisches Bekenntnis zu verraten. Dabei läuft er Gefahr, eine Basis zu verlieren, für die nationale Selbstbehauptung und das Projekt einer solidarischen Gesellschaft miteinander verknüpft sind.Von unserem Korrespondenten
    BERNARD CASSEN
  • Von
    JEAN PICHETTE
    *
  • DER angestrebte Übergang zu einer Berufsarmee, die den Pflichtdienst durch einen freiwilligen Dienst ersetzt und lediglich ein „staatsbürgerliches Rendez-vous mit der Nation“ obligatorisch macht, vollzieht sich unter umstrittenen Zielsetzungen: Werden die gegenwärtigen Reformen des französischen Verteidigungssystems den Herausforderungen gerecht, die eine Welt im Umbruch für die Gestaltung staatsbürgerlicher Partizipation heute mit sich bringt? Statt aus budgetären und strategischen Gründen die seit langem bestehende Kluft zwischen Volk und Armee abzusegnen, wäre es an der Zeit, die Staatsbürger zum tragenden Pfeiler einer – mit den Worten des amerikanischen Wissenschaftlers Gene Sharp – „demokratischen Verteidigung der Demokratie“ zu machen.Von
    CHRISTIAN ROBINEAU
    *
  • ■ SCHLAGWORT-REGISTER – Teil 1
  • ■ SCHLAGWORT-REGISTER – Teil 2
  • Ist die Guerilla in Lateinamerika tot oder lebendig? Der Überfall eines Kommandos der Túpac Amaru (MRTA) auf die Residenz des japanischen Botschafters in Lima (Peru) am 18. Dezember 1996 fällt zeitlich mit dem erneuten Ausbruch bewaffneter Kämpfe in Kolumbien zusammen. Offenbar haben die Desaster des Wirtschaftsliberalismus zur neuerlichen Ausbreitung von gewaltsamen Auseinandersetzungen geführt. Gleichzeitig haben in Guatemala Regierung und Guerilla ein Abkommen zur Beendigung des dreißigjährigen Bürgerkriegs unterzeichnet. Die zapatistische Armee im mexikanischen Chiapas ist ein Sonderfall. Ihr Vorgehen unterscheidet sich von allen bisherigen militärischen Strategien in Lateinamerika.Von
    MAURICE NAJMAN
    *
  • Von
    IGNACIO RAMONET
  • Im koreanischen Film haben sich zwei Gruppen von Filmemachern herausgebildet: Eine neorealistische nouvelle vague, die die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft aufzeigt, und die postmoderne Generation, die die Desillusionierung einer Generation auf die Leinwand bringen und sich gleichzeitig auf dem internationalen Markt einen Platz erkämpfen will.Von
    GÖNUL DÖNMEZ-COLIN
    *
  • Von
    FRANÇOISE ESCARPIT
    *
  • DEZEMBER 1996. Während Tausende Ruander nach ihrer Vertreibung aus den tansanischen Flüchtlingslagern nach Kenia zu fliehen versuchten, fand in Nairobi zum zweiten Mal eine afrikanische Gipfelkonferenz statt, die sich mit der Krise im Gebiet der Großen Seen befaßte. Weder das Scheitern von Präsident Daniel Arap Mois Vermittlungsversuchen noch die brutale Niederschlagung von Studentendemonstrationen im vergangenen Monat, die drei Todesopfer forderte, stellt den Fortbestand des despotischen und unpopulären Regimes jedoch ernstlich in Frage.Von
    GÉRARD PRUNIER
    *
  • IM Mai 1991 nahm die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) Asmara ein und beendete damit einen dreißigjährigen Krieg. Zwei Jahre später, am 25. April 1993, besiegelte das Land in einem Referendum seine mit Waffengewalt eroberte Unabhängigkeit. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Eritrea 95000 Kämpfer, davon ein Drittel Frauen. Durch ihre Rolle im nationalen Befreiungskampf und nun auch durch ihre Wiedereingliederung ins Zivilleben bringen sie die traditionelle Ordnung ins Wanken.Von
    SILVIA PEREZ-VITORIA
    *
  • FAST fünf Jahre sind seit dem Ende des Golfkriegs vergangen, aber die Demokratisierung der Gesellschaften in der Region ist noch immer nicht vorangeschritten. In Saudi-Arabien hat der Aufschwung einer islamistischen Opposition zu einer um so härteren Haltung des Regimes geführt. In Bahrain dauert die Intifada für die Wiedereinsetzung der Nationalversammlung bereits mehr als zwei Jahre an. Und die jüngsten Wahlen in Kuwait bekräftigen die paradoxe Situation in diesem Emirat: Es herrschen relativ demokratische Verhältnisse, allerdings nur für eine kleine Minderheit der Bevölkerung.Von
    YAHYA SADOWSKI
    *
  • WIE einst für den Schah ist sie auch für die iranischen Islamisten eine verfluchte Stadt – weil Mahabad sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zur autonomen kurdischen Republik erklärt hatte, steht der Marktflecken noch immer unter strenger militärischer Überwachung. Das Symbol des kurdischen Unabhängigkeitswillens ist heute der Verwaltung der Provinz Kurdistan entzogen, aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben ausgegrenzt und seiner Identität und Geschichte beraubt – ein weiteres trauriges Beispiel für die alltägliche Unterdrückung, der die Kurden im Iran und andernorts ausgesetzt sind.Von unserem Korrespondenten
    JAN PIRUZ
  • KABUL konnten die Taliban-Milizen zwar erobern, aber es ist ihnen nicht gelungen, sich endgültig gegen ihre Feinde durchzusetzen und Afghanistan zu einen. Die Ursprünge dieser „Koranschüler“ liegen noch immer teilweise im dunkeln, und ihre Bewegung ist offenbar viel uneinheitlicher als angenommen. Sicher ist jedoch, daß sie sich ohne die Unterstützung aus Islamabad nicht lange halten könnten. Unterdessen erlebt Pakistan eine schwere Staatskrise, deren jüngster Akt die Absetzung der Premierministerin Benazir Bhutto war; das Land ist gezeichnet von der Korruption seiner Führungsschichten, verstrickt in den Afghanistan-Konflikt und festgefahren in seiner ewigen Rivalität mit Indien. Am 3. Februar soll nun gewählt werden. Ganz gleich aber, wie diese Wahlen ausgehen, auch das nächste Parlament wird sich mit der bestimmenden Rolle und den Entscheidungen der Armee abfinden müssen, die angesichts der Unfähigkeit der Politiker in den Augen vieler Bürger das letzte Bollwerk zur Rettung der Nation darstellt.Von
    LUCILLE BEAUMONT
  • WÄHREND die Länder des Südens in einem immer härteren Wettbewerb um das Kapital aus dem Norden stehen, ist Indien im Bereich der computergestützten Dienstleistungen der Vorstoß in die Spitzentechnologie gelungen. Handelt es sich dabei um die neueste Phase im Siegeszug des Liberalismus durch die dritte Welt, oder öffnet sich hier, wie man in Indien meint, ein neuer Weg in den Beziehungen zwischen Nord und Süd?Von
    MICHEL RAFFOUL
    *
  • ■ Seit fünfzehn Jahren verabschiedet sich der Staat immer mehr von seiner Führungsrolle in der Welt der Arbeit. Verloren hat er seine Position als Arbeitgeber, seine Funktion bei der Regelung von Beschäftigung und Löhnen sowie seine rechtliche und ethische Legitimität. Kaum irgendwo schützt der Staat noch Arbeiter und Gewerkschaften. Einst hat er sie unterdrückt, aber nicht einmal das verlangt man heute noch von ihm.Ein zweiter Punkt: die“unendliche Geschichte“ von Arbeit und Arbeitern. Früher glaubte man insbesondere in der dritten Welt an bessere Lebensverhältnisse und eine bessere Zukunft. Heute ist die Utopie der Deregulierung gewichen. Es wird unablässig versucht, die Lohnkosten dem weltweit niedrigsten Niveau anzunähern. Während die Gewerkschaften für die uneingeschränkte Gültigkeit der Sozialklausel plädieren, spielt das Kapital den Wohltäter: Ein Recht auf Arbeit haben vor allem die Ärmsten. Und wenn die Länder auf der Südhalbkugel von ihren Gläubigern zum Export gezwungen werden, um ihre Schulden zahlen zu können, brauchen sie auch nicht auf diesen einzigen Wettbewerbsvorteil zu verzichten, es sei denn, sie befreiten sich aus den Klauen des Weltmarkts.Ein anderes Phänomen ist die Treibjagd auf angeblich privilegierte „Arbeiteraristokraten“, jene also, die einen Status beanspruchen, der ihnen von Geburts wegen nicht zusteht, die man aber glauben macht, sie könnten ihn erreichen. Der Anblick der Ärmsten der Armen dient dazu, die Abschaffung solcher „Privilegien“ zu rechtfertigen, vor allem das sichere Arbeitsplätze. Der Angestelltenstatus in der kapitalistischen Gesellschaft ist also längst die Ausnahme in einem System, das stets brutale Ausbeutung bevorzugt hat. Qualifizierung und Stabilität? Verwendbarkeit, Kommunikation und Flexibilität sind die Losungsworte der von den Finanzmärkten beherrschten „besten aller Welten“.Von
    ALAIN MORICE
    *
  • Von
    SERGE HALIMI
  • Von
    ROBERT CABANÉS
    *
  • DREI Modelle in weniger als einem Jahr: das deutsche, das amerikanische und das britische. Und schon werden Stimmen laut, die das Loblied Hollands und Neuseelands singen. Unermüdlich hämmern die Arbeitgeber auf jene Arbeitnehmer ein, die sich immer noch sträuben, bestimmte „Privilegien“ aufzugeben und zu mehr „Flexibilität“ bereit zu sein. Unter dem Strich gefällt ihnen jedoch das Beispiel der Vereinigten Staaten nach wie vor am besten. In diesem Wachstumsland vermehren sich die Arbeitsplätze angeblich ständig weiter. Die zunehmende Ungerechtigkeit und den immer stärkeren Druck auf Löhne und Gehälter möchte man darüber beinahe vergessen. Zwar macht das „Modell“ seinem Namen auch weiterhin Ehre, aber ist das reichste Land der Welt nicht auch eine riesige Werkstatt für die Globalisierung der Unsicherheit von Arbeitsplätzen?Von
    SERGE HALIMI
  • Von
    ADELINE TOULLIER
    *
  • Von
    JEAN COPANS
    *
  • DIE Verbrechen des Kinderschänders Marc Dutroux haben vergangenes Jahr die europäische Öffentlichkeit erschüttert und die Regierungen veranlaßt, mehr für den Schutz der Kinder zu tun. Diese Kampagne zugunsten „gefährdeter Kinder“ ist legitim. Sie berücksichtigt, wie es dem heutigen Rechtsempfinden entspricht, das besondere Leid von Opfern, die hilflos der Gewalt verrohter oder unmenschlicher Erwachsener ausgeliefert sind. Sie ist außerdem eine wichtige Etappe auf dem Weg zu einer weltweiten Ächtung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Doch das kollektive Beschützenwollen des Kindes hat auch seine dunklen Seiten, inbesondere wenn sich dahinter der Wille verbirgt, die neuen, noch wehrlosen Generationen einer sozialen Kontrolle zu unterwerfen.Von
    DENIS DUCLOS
    *
  • ■ GEOGRAPHISCHES REGISTER
  • Von
    CLAUDE JULIEN