Kunst

In jeder Ausgabe präsentiert die deutschsprachige LE MONDE diplomatique eine/n (zumeist zeitgenössische/n) KünstlerIn mit ausgewählten Werken. So erhalten unsere LeserInnen kleine Einblicke in außersprachliche Darstellungen und Verarbeitungen individueller wie gesellschaftlicher Prozesse. Neben einem kurzen einführenden Text gibt es Hinweise auf aktuelle Ausstellungen und Kataloge zum Weitersehen.

Leuchtendes Wasser in Schwimmbädern, idyllische Tennisplätze, viel sattes Grün: auf den ersten Blick genau das, was man sich für den Sommer wünscht. Die Motive basieren auf real existierenden Orten, als Vorlagen dienen Fotos oder auch Satellitenbilder, die Vogelperspektive spielt eine zentrale Rolle. Der Arbeitsprozess beginnt zumeist mit Skizzen und Collagen. Was auf den Bildern gänzlich fehlt, sind Menschen. Das verleiht ihnen eine unwirkliche, leicht unheimliche Qualität und stellt die vermeintliche Idylle infrage: Die Orte wirken verlassen und einsam. Häufig scheint es, als erobere sich die wuchernde Natur, die der Mensch doch zähmen will, den Raum zurück. So oder so: Die Atmosphäre dieser Arbeiten ist höchst ambivalent, auf der Kippe zwischen Utopie und Dystopie. 

Melanie Siegel, 1978 in Freiburg geboren, hat nach einer Ausbildung als Bühnenmalerin an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert, wo sie noch heute lebt. Wir danken der Künstlerin für das Bildmaterial (Copyright verwaltet von der VG Bild Kunst in Bonn). Arbeiten von ihr sind bis zum 5. September in der Gruppenausstellung „Summer: Sur Real Real“ in der Münchner Lohaus Gallery zu sehen. melanie-siegel.de, lohaus.gallery

Wilhelm Werthern