Kunst

In jeder Ausgabe präsentiert die deutschsprachige LE MONDE diplomatique eine/n (zumeist zeitgenössische/n) KünstlerIn mit ausgewählten Werken. So erhalten unsere LeserInnen kleine Einblicke in außersprachliche Darstellungen und Verarbeitungen individueller wie gesellschaftlicher Prozesse. Neben einem kurzen einführenden Text gibt es Hinweise auf aktuelle Ausstellungen und Kataloge zum Weitersehen.

Driss Ouadahi, 1959 in Casablanca geboren, ist ein algerisch-deutscher Künstler. Er studierte zunächst Architektur, dann Kunst in Algier und Düsseldorf. Heute lebt und arbeitet er in Düsseldorf.
Seine Hochhausbilder – er begann mit Sozialwohnungskomplexen in Algier – zeugen vom nicht eingelösten Versprechen modernistischer Architektur, das Leben der Menschen zu verbessern. Es sind Darstellungen unüberwindbarer gesellschaftlicher Grenzen aus Stahl, Glas und Beton. Gleichzeitig aber interessiert sich Ouadahi für die „seltsame Poesie“ solcher Stadtviertel. Ähnlich bedrückend ist seine Serie von Maschendrahtzäunen. Minimalistisch abstrakt einerseits, sind sie auch ein sehr konkretes Zeichen von Trennung und Abschottung. Inspiriert haben ihn Kontakte zu Menschen, die aus Syrien und dem Irak nach Deutschland geflohen sind. Auch in seinen Darstellungen von gekachelten Unterführungen könnte hinter jeder Ecke Gefahr drohen. „Es sind Orte, die einerseits verbinden, andererseits Orte der Angst, der Klaustrophobie“, erklärt der Künstler.
Driss Ouadahi ist Teilnehmer der 12. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, die vom 12. Juni bis 18. September stattfindet. Für das Bildmaterial, dessen Copyright bei der VG Bild-Kunst Bonn liegt, danken wir dem Künstler. www.berlinbiennale.de, www.driss­oua­dahi.com

Wilhelm Werthern