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Ausgabe vom 12. Januar 2017

Balkanstaaten in der Warteschleife

Mit ihrer jahrelangen Hinhaltepolitik fördert die EU autokratische Tendenzen in den Balkanstaaten. Aus kurzsichtigen Interessen richten sich beide Seiten in einem gefährlichen Schwebezustand ein.

von Norbert Mappes-Niediek

Es war ein wolkenverhangener Frühlingstag. George W. Bush war zum letzten Nato-Gipfel seiner Amtszeit nach Bukarest gereist. Gleich am Morgen nach seiner Ankunft trat der sichtlich aufgeräumte US-Präsident vor die Mikrofone und gab bekannt, dass das transatlantische Bündnis grünes Licht für den Beitritt dreier Staaten geben und „den Kreis der Freiheit“ um Albanien, Kroatien und Mazedonien erweitern werde. Vor einem Jahrzehnt sei der Balkan eine Region von „Krieg, Fanatismus und ethnischer Säuberung“ gewesen. Jetzt aber, im Frühling 2008, würden hier „Freiheit und Toleranz und Friede“ erblühen.

Damals glaubten fast alle Teilnehmer, der Beschluss sei nur noch eine Formalität. Aber als am nächsten Tag der Tagungspräsident über Mazedonien abstimmen ließ und nach dem überwältigenden Ja die Nein-Stimmen aufrief, ging eine Hand in die Höhe: die der griechischen Außenministerin Dora Bakogianni.

Die Geste war gleichbedeutend mit einem Veto, denn Beschlüsse werden in der Nato einstimmig gefasst. Die mazedonische Delegation mit dem Staatspräsidenten an der Spitze zog aus. Als Erster fing sich der Regierungschef: Sein Land brauche nun einen „Plan B“, sagte Premier Nikola Gruevski.
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Inhalt

  • Balkanstaaten in der Warteschleife
    Mit ihrer jahrelangen Hinhaltepolitik fördert die EU autokratische Tendenzen in den Balkanstaaten. Aus kurzsichtigen Interessen richten sich beide Seiten in einem gefährlichen Schwebezustand ein. von Norbert Mappes-Niediek
  • Blauhelme
    Kleine Geschichte der UN-Friedensmissionen von Sandra Szurek
  • In den grauen Zonen Kalabriens
    von Ambros Waibel
  • Eisenoxid und ein Hauch Türkis
    Kerry James Marshall malt das schwarze Amerika von Chase Madar
  • Der Russe und der Ami
  • Die idiotische Wette des Matteo Renzi
    Italien braucht Reformen und keine Machtspiele von Raffaele Laudani
  • Zehn Vorurteile
    von Norbert Mappes-Niediek
  • Die Wallonie gegen Ceta
    Was ein kleines Nationalparlament erreichen kann von Raoul Marc Jennar
  • Mein Nachbar wählt Front National
    Ein linker Aktivist und die Realität der französischen Provinz von Willy Pelletier
  • Die Jesiden von Sindschar
    Als die IS-Miliz im August 2014 das nordirakische Sindschar angriff, flohen 80 000 Jesiden in die Berge. Tausende wurden getötet oder entführt und versklavt. Die Terroristen sindweg, doch die Lage bleibtunsicher. Viele Jesiden trauensich nicht zurückzukehren. von Vicken Cheterian
  • Das geteilte Dorf
    Die große Politik führt in einem kleinen Land oft zu seltsamen Auswüchsen: Das palästinensische Dorf Barta’a wurde 1949 in Ost und West geteilt. Deswegen hat die eine Hälfte des Kabha-Klans einen grünen Ausweis, die andere einen blauen. Was nach Identitätskrise aussieht, hat im Alltag manchmal überraschende Vorzüge – und zeigt, was mehr zählt als Israels Gesetze, Fatah oder Hamas: Familienbande. von Agnes Fazekas
  • Historikerstreit um Ruanda
    von Dominic Johnson
  • Politische Intrige und Völkermord
    von Alex de Waal
  • Das brasilianische Desaster
    Eine korrupte Regierung beschließtden Rückzug des Staates von Guilherme Boulos
  • So viel Öl und nichts zu essen
    Das Wirtschaftschaos in Venezuela und seine Gründe von Renaud Lambert
  • Der Sumpf von Seoul
    In Südkorea hat Korruption an der Staatsspitze Tradition von Sung Ilkwon
  • Fahnder im Dienst des Imperiums
    Im Namen der Korruptionsbekämpfung zwingen die USA der Welt ihr Rechtssystem auf von Jean-Michel Quatrepoint
  • Comic - Jack Teagle
  • Kunst - Kerry James Marshall

Die nächste Ausgabe erscheint am 9. Februar 2017

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Comic | Jack Teagle

Kunst | Kerry James Marshall