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Ausgabe vom 8. August 2019

Balkan: Grenzen als Geschichte und Illusion

Um Belgrad die Anerkennung des Kosovo zu ermöglichen, diskutieren Diplomaten und Experten neuerdings über eine Verschiebung der Grenze zwischen der jungen Republik und Serbien. Doch das könnte eine Kettenreaktion auslösen und die gesamte Region erneut in Unruhe stürzen.

von Jean-Arnault Dérens und Laurent Geslin

Als 2007 auf internationaler Ebene verstärkt über den Status des Kosovo diskutiert wurde, war häufig das Argument zu hören: Die Anerkennung der ehemaligen serbischen Provinz als unabhängiger Staat sei "das letzte noch fehlende Teil des Balkanpuzzles". Damals stand das Territorium noch unter provisorischer UN-Verwaltung. Die Ausrufung der Unabhängigkeit durch das kosovarische Parlament erfolgte am 17. Februar 2008, aber bis heute erkennen nur 104 der 193 UN-Mitgliedstaaten die Republik Kosovo an.

Seit Sommer 2018 wird von Diplomaten und Balkanexperten eine andere hypothetische Lösung erörtert: Serbien könnte die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz anerkennen, wenn im Gegenzug die Grenzen neu festgelegt werden. Das überwiegend von Serben bewohnte Nordkosovo könnte an Serbien fallen, dafür würde Belgrad einen Teil des südserbischen Pre¨evo-Tals mit seiner vorwiegend albanischen Bevölkerung an Prishtina abtreten.
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Inhalt

  • Balkan: Grenzen als Geschichte und Illusion
    Um Belgrad die Anerkennung des Kosovo zu ermöglichen, diskutieren Diplomaten und Experten neuerdings über eine Verschiebung der Grenze zwischen der jungen Republik und Serbien. Doch das könnte eine Kettenreaktion auslösen und die gesamte Region erneut in Unruhe stürzen. von Jean-Arnault Dérens, Laurent Geslin
  • Es werde Nacht
    Wider die Lichtverschmutzung von Razmig Keucheyan
  • Gestern in LMd, heute in den Nachrichten
  • Brief aus Bagdad
    von Meret Michel
  • Susan Weil
    von Wilhelm Werthern
  • Asymmetrische Berichterstattung
    von Serge Halimi, Pierre Rimbert
  • Avantgarde der Tugend
    von Serge Halimi
  • Orientalismus gestern und heute
    von Adam Shatz
  • Was erbt eine Frau?
    In Tunesien scheitert ein bahnbrechendes Gesetzesvorhaben von Akram Belkaïd
  • Russische Sommerfrische
    Eine kleine Geschichte der Datscha seit Peter dem Großen von Christophe Trontin
  • Schwarzer Schlamm in Bela Woda
    Die EU-Klimapläne erfordern ein Ende der Kohle. Doch vor allem in Bulgarien fehlen die Mittel, den Ausstieg gerecht zu gestalten. Die betroffenen Regionen kämpfen mit Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Ein Besuch in den Kohlerevieren von Pernik und Bobow Dol. von Bernhard Pötter
  • In der roten Zone
    In Kolumbien trat 2016 das Friedens­abkommen mit der Farc-Guerilla in Kraft. Seitdem wurden landesweit hunderte Aktivisten und frühere Kämpfer ermordet. Und im ehemaligen Farc-Gebiet Catatumbo kämpfen Guerillagruppen, Drogenkartelle und Armee um die Vorherrschaft. von Loïc Ramirez
  • Schwarz und Weiß in Nouakchott
    In Mauretanien regieren religiöser Konservatismus und Rassismus von Pierre Daum
  • Wir alle sind Michelle
    Wie die ehemalige First Lady ihre Weisheiten vermarktet von Mona Chollet
  • Meldungen des Monats
  • Comic - Maria Medem
  • Kunst - Susan Weil

Die nächste Ausgabe erscheint am 12. September 2019

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