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Ausgabe vom 8. September 2022
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Wer sind die Oligarchen?

Viele der russischen Superreichen erlangten ihr Vermögen durch die Privatisierungen der 1990er Jahre. Heute sollen die Sanktionen gegen diese Oligarchen dazu dienen, Putin unter Druck zu setzen. Dabei steht nur ein Viertel der russischen Milliardäre auf Sanktionslisten; und ihr Einfluss auf den Kreml wird überschätzt.

von Ibrahim Warde

Laut der alljährlich vom US-Magazin Forbes veröffentlichten Liste gibt es 2022 in Russland 83 Dollarmilliardäre. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als es noch 117 waren. Die Oligarchenkaste ist innerhalb eines Jahres also deutlich geschrumpft.1 Die drakonischen Sanktionen, die der Westen nach der russischen Invasion in der Ukraine verhängte, beginnen zu wirken, zusätzlich zu den aus dem Krieg und der Schwäche des Rubels entstehenden Verlusten. Allerdings sind laut Forbes nur 25 russische Mil­liar­däre durch die USA, Großbritannien und die EU mit Sanktionen belegt. Der Rest steht – zumindest bislang – noch nicht auf den Sanktionslisten des Westens.

In seiner Rede zur Lage der Nation am 1. März kündigte US-Präsident Joe Biden die Einrichtung einer dem Justizministerium unterstellten Arbeitsgruppe an, „speziell für die Verfolgung der Verbrechen russischer Oligarchen“. Unter dem Beifall der Kongressabgeordneten warnte Biden alle russischen Milliardäre, die Putin unterstützen: „Wir arbeiten mit unseren europäischen Verbündeten zusammen, um eure Jachten, eure Luxusapartments und Privatjets zu finden und zu beschlagnahmen. Wir werden eure unrechtmäßig erworbenen Reichtümer aufspüren.“ weiterlesen ...

Inhalt

  • Viele der russischen Superreichen erlangten ihr Vermögen durch die Privatisierungen der 1990er Jahre. Heute sollen die Sanktionen gegen diese Oligarchen dazu dienen, Putin unter Druck zu setzen. Dabei steht nur ein Viertel der russischen Milliardäre auf Sanktionslisten; und ihr Einfluss auf den Kreml wird überschätzt.
    von Ibrahim Warde
  • Lithiumhunger
    Streit um Ressourcen in Serbien
    von Saša Dragojlo, Ivica Mladenović
  • Gestern in LMd, heute in den Nachrichten
  • Mathieu Pernot
    von Wilhelm Werthern
  • Fehlprognose
    von Serge Halimi
  • Zerbrochener Spiegel
    von Katharina Döbler
  • Lulas Taktik vor der Wahl
    Im brasilianischen Wahlkampf geht die Arbeiterpartei ein Bündnis mit den Kräften der rechten Mitte ein. Denn Lulas Wunschgegner für die Stichwahl ist Bolsonaro.
    von Breno Altman
  • Für eine bessere Demokratie
    Die neue chilenische Verfassung, Ergebnis erbitterter Kämpfe gegen das Erbe der Diktatur, wurde am 4. September in einem Referendum abgelehnt.
    von Víctor de la Fuente, Libio Pérez
  • Politik der kleinen Gesten
    In den vergangenen Monaten hat Israel eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um das Leben der Palästinenser in den besetzten Gebieten zu verbessern, etwa die Einführung von 4G. Zugleich schreitet der Siedlungsbau voran und eine Lösung des Konflikts liegt in weiter Ferne.
    von Olivier Pironet
  • Fromm und radikal
    Wie der religiöse Zionismus zur Staatsdoktrin wurde
    von Charles Enderlin
  • Kurswechsel in der Taiwanfrage?
    Nach der Pelosi-Reise könnten die USA ihre strategische Zweideutigkeit aufgeben
    von Michael T. Klare, Martine Bulard
  • Wie werden sich die Philippinen unter ihrem neuen Präsidenten außenpolitisch positionieren?
    von François-Xavier Bonnet
  • Fake me
    Die Persönlichkeit im Zeitalter ihrer virtuellen Reproduzierbarkeit
    von Joe Dunthorne
  • Planwirtschaft fürs Klima
    Es lohnt ein Blick auf die britische Kriegsökonomie ab 1939
    von Ulrike Herrmann
  • Der geraubte Wald
    In Rumänien wollen alle am illegalen Holzschlag verdienen
    von Hervé Bossy, Hugo Nazarenko
  • Kein Frieden in Sicht
    Weder Wolodimir Selenski noch Wladimir Putin scheinen derzeit davon auszugehen, dass der Krieg in der Ukraine mit diplomatischen Mitteln beendet werden könnte. Gespräche über den Status der Krim, die Kiew im März sogar noch angeboten hatte, wird es wohl nicht mehr geben.
    von Igor Delanoë
  • Unterwegs im Donbass
    von Loïc Ramirez
  • Das biegsame Recht auf Unabhängigkeit
    Was der Donbass mit dem Kosovo und Katalonien zu tun hat
    von Jean-Arnault Dérens
  • Moderner Prometheus
    von Miguel Bonnefoy
  • Meldungen des Monats
  • Comic - Ana Galvañ
  • Kunst - Mathieu Pernot

Die nächste Ausgabe erscheint am 13. Oktober 2022

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Not so happy and glorious?
Jamie Maxwell über das Vereinigte Königreich nach dem Tod der Queen und dem Rücktritt Boris Johnsons

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Lou-Eve Popper über den Niedergang der schottischen Ölindustrie und die Herausforderungen der Energiewende

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Mit Kunst von Lunita-July Dorn und einem Comic von Xinmei Liu.

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