Comics

Die Comic-Welt von LE MONDE diplomatique

Die letzte Seite gehört dem avantgardistischen, kritischen Comic: eigens für die Zeitung gezeichnet, werden hier Bildergeschichten erzählt, die Themen aus Politik und Alltag aufgreifen: meist frech, oft absurd, manchmal melancholisch. Unter anderen waren bisher vertreten: Elvis Studio, Anke Feuchtenberger, Holger Fickelscherer und ATAK.

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In seinem Werk mischen sich reale Figuren mit so genannten „characters“, das sind zum Leben erwachte Dinge, mal ein Apfel, eine Münze, eine Wolke oder eben die Weltkugel, wie in diesem Comic für die Juniausgabe von Le Monde diplomatique.
Avignons Charaktere sind wie die Protagonisten einer Soap. Jeder spielt seine Rolle. Einige haben seltenere Gastauftritte, aber die meisten tauchen immer wieder auf und erleben gemeinsam Abenteuer. Man sieht ihnen an, dass sie eine vom Schicksal zusammengewürfelte Zweckgemeinschaft sind, die sich bei der ersten Schwierigkeit wieder auflösen wird. Die Tropfen stehen für die »Jedermänner«, die sich gerne in der Menge verlieren; die Flammen sind ambivalent, voller kreativer, aber auch destruktiver Energie; die Häuser sind meistens auf der Wanderschaft und die Münzen repräsentieren materielle Instinkte; die Flaschen sind meist fast ausgetrunken; die Uhren erinnern daran, dass die Zeit auf keinen wartet, und gelegentlich winkt der Tod freundlich um die Ecke. In dem LMd-Comic ist der Weltkugelcharakter einem philosophischen Thema auf der Spur, dem er sich in Kinderreimen nähert. Er vergaloppiert sich und gibt es schließlich mit einem lakonischen Seufzer auf. 

Jim Avignon/neoangin ist Maler, Illustrator, Musiker und Konzeptkünstler und einer der  ungewöhnlicheren Charaktere in der aktuell eher karriereorientierten deutschen Kunstszene. Immer wieder sucht er die Konfrontation mit dem Establishment und legt sich dabei selten fest, ob er nun Pop-Art, Street-Art, ein Picasso on acid oder einfach nur der schnellste Maler der Welt sein will. Sein Markenzeichen sind leuchtende Farben, gelegentlich beißender Witz, unprätentiöses Material , und ein schwindelerregender Output. 
Glaubt man der Legende, strandete Jim Avignon irgendwann in den 80ern mit kaputter Karre in Avignon, schlug sich als Straßenkünstler durch, der Dalí-Motive auf das mittelalterliche Pflaster der Stadt pinselte und so nach und nach das Geld für die Autoreparatur zusammenkratzte. Die Bruchlandung bescherte ihm den Namen und eine Karriere, die ihn zum Maler der Technobewegung machte, der die Trucks der Loveparade gestaltete und sich irgendwann im Kommerz verlor, wie er selbst sagt.
Längst hat Jim Avignon wieder auf seinen Weg zurückgefunden und pfeffert der Welt der hochheiligen Kunst mit frischem Elan seine kunterbunten, ironisch-frechen und erschwinglichen Arbeiten entgegen. Avignon lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Berlin. In den 90ern war er vor allem durch seine zahlreichen Clubdekorationen bekannt. 2013 machte er von sich reden, als er in sein denkmalgeschütztes Bild an der East Side Gallery unerlaubt neubemalte. Seine Kunst funktioniert wie Popmusik im DIY-Modus - zur eigenen Unterhaltung produziert und im Guerilla-Verfahren unters (Club-)Volk gebracht. Seit vielen Jahren ist er außerdem als Ein-Mann-Band neoangin unterwegs. Seinen Sound beschrieb die New York Times mit “packed with Cartoonish characters and clever commentaries on Berlins gentrification”. Seltsame Titel, trotzige Beats, eine schnell ansteckende melancholische Fröhlichkeit und die extragrosse Portion DIY-Charme sind die Zutaten, aus denen Avignon seine Songs über Staub, Pappkartons und unbezahlte Praktika zimmert. Avignons Shows sind opulente Happenings. Demnächst tritt er in Beirut auf.

http://www.jimavignon.com/