Archiv: Texte

In unserem Textarchiv finden Sie alle Artikel aus der deutschen Ausgabe seit 1995. Ausgenommen sind die Artikel der letzten drei Ausgaben.
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Ausgabe vom 12.07.2002


  • Seit Beginn dieses Jahres sind in Algerien bei Anschlägen von islamistischen Gruppen oder staatlichen Militärkommandos über 700 Menschen umgekommen. Während das Land am 5. Juli 2002 den 40. Jahrestag seiner Unabhängigkeit gefeiert hat, geht der blutige algerische Bürgerkrieg in sein zehntes Jahr. In der Bilanz dieser vierzig Jahre sind die Massaker des letzten Jahrzehnts nicht der einzige dunkle Punkt. Eine Funktionärskaste hat sich die Errungenschaften der algerischen Revolution wie auch die Reichtümer des Landes angeeignet. Dagegen ist die politische und soziale Situation für die breite Masse fast ausweglos geworden. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Staatseinnahmen sinken rapide, die Armut grassiert, die öffentlichen Dienste versagen. Solche Verhältnisse produzieren Gewalt, deren Wurzeln allerdings bis in die Kolonialzeit zurückreichen.
  • Von IGNACIO RAMONET
  • Von SERGE HALIMI 
  • Von MARIE LUISE KNOTT 
  • PORTUGAL hat sich zu einem Rangierbahnhof der Migration entwickelt. Fremde kommen, Einheimische gehen. Früher waren es die Bewohner der ehemaligen Kolonien, die in Portugal zu lächerlich niedrigen Löhnen Arbeit fanden. Heute kommen die billigen Arbeitskräfte aus Osteuropa, etwa aus der Ukraine. Viele von ihnen sind hoch qualifiziert, finden aber nur illegale Arbeit. Zugleich arbeiten immer noch vier Millionen Portugiesen in den reicheren EU-Ländern, wo sie weit mehr Geld verdienen als zu Hause. Doch hier sind sie die Ukrainer, denn ihre Löhne liegen deutlich unter denen ihrer einheimischen Kollegen.
  • WENN in Frankreich über innere Sicherheit diskutiert wird, wie aus Anlass der letzten Präsidentschaftswahlen, geht es explizit oder implizit vor allem um die Einwanderer und die Bewohner der Trabantenstädte. Die Banlieues gelten als Sicherheitsrisiko und Unruheherde ersten Ranges. Die Wahlbeteiligung in diesen Bezirken ist extrem niedrig. Für Franzosen maghrebinischer Herkunft ist die Teilhabe an der politischen und gesellschaftlichen Macht, in welcher Form auch immer, noch lange keine Selbstverständlichkeit. Im Parlament wie in den Medien ist diese sowohl ethnisch als auch sozial definierte Gruppe stark unterrepräsentiert.
  • Von NASSER NEGROUCHE *
  • DIE Zeiten, als der Maghreb und der Nahe Osten von den Reden des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser widerhallten, sind lange vorbei. Damals blickte die arabische Welt gebannt nach Kairo. Spätestens nach der Suezkrise schien die Führungsrolle Ägyptens gefestigt und eine große gemeinsame Zukunft möglich. Heute wird das Erbe des Nasserismus auf seine Brauchbarkeit überprüft und von Nostalgikern wie von Demokraten beansprucht. Das Regime Mubarak lässt diese Rückbesinnung in Grenzen zu, dient sie doch als Ventil für die durch den Abbau sozialer Errungenschaften ausgelöste Unzufriedenheit.
  • Von SANOU M‘BAYE *
  • AUF dem 37. Gipfel der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) in Lusaka wurde vor einem Jahr die Afrikanische Union (AU) gegründet. Mit diesem Schritt, der seit den Anfängen der OAU beschworen wurde, vollendet sich die Geschichte der panafrikanischen Idee, jedenfalls auf dem Papier. Der erste AU-Gipfel im südafrikanischen Durban (8. bis 10. Juli) muss zeigen, ob sich die neue Union in Zeiten der Marginalisierung Afrikas zu einer echten übernationalen Organisation entwickeln kann.
  • Als US-Präsident George W. Bush in seiner ersten sicherheitspolitischen Rede am 1. Mai 2001 die Kündigung des ABM-Vertrages ansagte, prophezeiten Sicherheitsexperten eine gravierende Bedrohung für das weltweite nukleare Gleichgewicht des Schreckens, das durch die Raketenabwehrpläne bereits nachhaltig untergraben war. Die ABM-Kündigung war aber nur ein erster Schritt. Die Strategen im Weißen Haus sind dabei, ein sicherheitsstrategisches Konzept zu entwerfen, das die Vereinigten Staaten zur alleinigen und unumstrittenen Supermacht macht. Damit sind auch alle internationalen Abkommen, die in den 1990er-Jahren die Abrüstungsbemühungen kennzeichneten, für Washington zu Ballast geworden.
  • Von ANY BOURRIER *
  • DIE Menschenrechte haben es heutzutage nicht leicht. In den Jahren des Kalten Krieges sind sie vom subversiven Glaubensbekenntnis von Dissidenten und Aktivisten zu einer Art herrschende Ideologie westlicher Regierungen aufgestiegen. Doch wie jede offizielle Weltanschauung standen auch die Menschenrechte immer dann höher im Kurs, wenn ihnen zuwider als wenn ihnen gemäß gehandelt wurde. Insbesondere als Legitimation der humanitären Interventionen der Neunzigerjahre in Somalia, Bosnien, Osttimor und im Kosovo spielten sie spürbar eine Rolle. Seit dem 11. September aber sind sie besonders in den USA in Bedrängnis.
  • NIMMT die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Aufgaben noch wahr? Ist die Parole des Aufbruchs, „Gesundheit für alle“, überhaupt noch ein Ziel? Die Gier der großen Pharmakonzerne, eines der ersten Hindernisse auf dem Weg dahin, ist in der WHO jedenfalls auf keinen Widerstand gestoßen. Deren Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland hat fünf Monate vor dem Prozess um die Einfuhr von Generika im südafrikanischen Pretoria der pharmazeutischen Industrie ganz im Gegenteil die Türen weit geöffnet – und die Privatisierung eines weltweiten Gesundheitssystems beschleunigt, das am Rande das Bankrotts steht.
  • Die algerische Führung erhofft sich nach dem 11. September ein besseres Verhältnis zu den USA. Aber zuvor sind noch viele Steine aus dem Weg zu räumen.
  • Von GHANIA MOUFFOK *
  • ALS einen „Sieg für Scharon“ bezeichnete ein israelischer Kommentator die Nahostrede von Präsident Busch vom 24. Juni 2002. Während die israelische Regierung derzeit die letzten Reste des Oslo-Abkommens zunichte macht, fordern die Vereinigten Staaten einen Führungswechsel in der Autonomiebehörde als Voraussetzung für alle weiteren diplomatischen Schritte. Ein Krieg ohne Ende zeichnet sich ab. Dabei schienen Israelis und Palästinenser im Juni 2000 in Camp David einem Abkommen so nahe wie nie.
  • SEIT einigen Jahren experimentieren Wissenschaftler und Ingenieure in den Vereinigten Staaten und Europa mit neuen Technologien, um das Problem der Treibhausgase in den Griff zu bekommen. Als viel versprechender Ansatz gilt die Stimulierung der Planktonproduktion, da Plankton ein großer Kohlendioxidverbraucher ist. Andere Projekte arbeiten daran, die schädlichen Gase in der Tiefsee zu versenken oder in alten Bergwerken einzulagern. Entsorgung entwickelt sich zum gewinnträchtigen Zukunftsmarkt.
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