Archiv: Texte

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Ausgabe vom 11.04.1997


  • Nachdem 50000 Thyssen-Stahlarbeiter in Frankfurt auf die Straße gegangen waren, verzichtete Krupp auf die öffentlich angekündigte feindliche Übernahme des Konkurrenten Thyssen. Im Gegenzug verkündeteten die beiden Konzerne die Gründung einer gemeinsamen Stahlgesellschaft, was den Abbau Tausender Arbeitsplätze nach sich ziehen wird. Auch die beabsichtigte Schließung des Renault-Werks in Vilvoorde (Belgien) hat die Geringschätzung gegenüber den Lohnabhängigen demonstriert. Beide Beispiele erhellen nict nure enorme wirtschaftliche Dominanz der transnationalen Konzerne, sondern auch die Alleinherrschaft der jeweiligen Konzerninteressen, so daß jegliches Allgemeininteresse zunehmend bedeutungslos wird. Die Expansion der „Zweihundert Größten“ (transnationalen Konzerne) seit Beginn der achtziger Jahre mittels Fusionen und Übernahmen hat dazu geführt, daß sie heute eine quasi umfassende Herrschaft nicht allein über die Wirtschaft, sondern auch über die Medien und das Geistesleben ausüben.
  • Von IGNACIO RAMONET
  • Von FRANÇOIS BRUNE *
  • Mit großem Gepränge hält die Geschichte derzeit wieder Einzug in die Museen. Während das Pariser Centre Georges Pompidou in einer allzu ambitionierten Mammut-Ausstellung den Umgang der Künstler mit der jüngeren Geschichte von 1933 bis heute thematisierte („Face à l'histoire“, siehe auch Le Monde diplomatique, Dezember 1996), hat das Musée d'art moderne de la ville de Paris es sich zur Aufgabe gemacht, das Kunstschaffen einer Epoche („Die Kunst der dreißiger Jahre“) vorzustellen. „Eine bedrohliche Zeit“ – wie der Untertitel der Ausstellung in Anlehnung an ein Bild René Magrittes lautet, das die Ausstellung eröffnet. Ging es den Ausstellungsmachern um die Aktualität der Bedrohung? Selten haben Kunstwerke es in vergleichbarem Ausmaße vermocht, in uns ein Gefühl – ja ein Vorgefühl – für die damals bevorstehende Tragödie wachzurufen ...
  • DIE weißen südafrikanischen Farmer, die vom Rad der Geschichte ins politische Abseits gestellt wurden, haben in der letzten Zeit in Mosambik und Angola ein neues Betätigungsfeld entdeckt. Mit Unterstützung internationaler Organisationen bewirtschaften sie große Ländereien und gefährden so das Überleben der regionalen Gemeinschaften.
  • Von AUGUSTA CONCHIGLIA *
  • AM 2. September 1996 unterzeichneten Staatspräsident Fidel Ramos und Nur Misuari, Führer der Moro National Liberation Front, einen Vertrag, der als entscheidende Etappe zur Herstellung des Frieden auf den Philippinen begrüßt wurde. Die Gewalt allerdings hat damit kein Ende gefunden. Am 4. Februar wurde der Bischof von Mindanao, Benjamin de Jesus, vor der Kathedrale von Jolo ermordet. Die Christen, im Süden der Philippinen bei weitem die Mehrheit der Bevölkerung, haben seither noch größere Vorbehalte gegenüber diesem Prozeß, zu dem sie im übrigen nie um ihre Meinung gefragt wurden. Die verschiedenen Gruppierungen muslimischer Fundamentalisten, die sich dem Friedensvertrag offen widersetzen, reagieren zudem immer häufiger mit Entführungen und Übergriffen gegen die Armee.
  • BEI den für den 27. April angesetzten Wahlen im Jemen stehen sich zwei politische Kräfte gegenüber, die gemeinsam die Regierung bilden: der Allgemeine Volkskongreß von Präsident Ali Abdallah Saleh und die islamische Al-Islah. Nach längerer Auseinandersetzung hat sich die Sozialistische Partei zu einem Wahlboykott entschlossen. Auch wenn die Macht erodiert und der Bürgerkrieg von 1994 zur Desillusionierung beigetragen hat, sind hier und da neue Freiheiten aufgetaucht, die die Ölscheichs, allen voran diejenigen Saudi-Arabiens, in Unruhe versetzt haben.
  • ANGESICHTS der Stürme, die über den Balkan fegen, erscheint Slowenien wie ein Hafen des Friedens – im Vergleich zur ausweglosen Situation in Bosnien, den Erschütterungen in Serbien und Bulgarien oder der Auflösung der staatlichen Ordnung in Albanien. Das Land verdankt es zweifellos seiner „ethnischen“ Homogenität, daß es von der Zerrissenheit der Nachbarländer verschont geblieben ist, und seinem relativen Wohlstand, daß es die Wirren des Übergangs besser überstanden hat. Dennoch entsprechen die gegenwärtigen Erfahrungen in Ljubljana keineswegs dem perfekten Modell, das der Westen ständig angepriesen hat. Angesichts der zunehmenden Abhängigkeit beunruhigt die Perspektive des Beitritts zur Europäischen Union vor allem jene Menschen, die schon heute Opfer der Ungleichheit sind.
  • Auch wenn sich im Laufe des April die Lage in Albanien stabilisieren sollte, werden die Folgen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs noch jahrelang zu spüren sein. Im ärmsten Land Europas wußten die Pyramidenspieler, daß sie Hunderttausende von Gutgläubigen finden würden, und konnten auf das Einverständnis der Regierung Berisha rechnen. Das erklärt die Wut dieser Opfer des wilden Kapitalismus und der irreführenden Maxime „Bereichert euch!“.
  • AM 13. März dieses Jahres verlangte der US-amerikanische Kongreß Sanktionen gegen Mexiko, weil dem Land vorgeworfen wurde, im Kampf gegen den Drogenhandel zu lax vorzugehen. Die Resolution löste in Mexiko-Stadt heftige Reaktionen aus, wo (wie überall in Lateinamerika) Repressionen seitens der Vereinigten Staaten – dem größten Kokainkonsumenten der Welt – einen unmittelbaren Angriff auf die nationale Souveränität bedeuten. Der Krieg gegen den Drogenhandel scheint die während der achtziger Jahre von Washington angewandte Counter-Insurgency-Doktrin abgelöst zu haben. Dadurch wird der Weg frei für einen neuen, vor allem militärischen Interventionismus der USA.
  • Von MAURICE LEMOINE
  • Von ANDRÉ LINARD *
  • Von FRANÇOIS CHESNAIS
  • WENIGE Wochen vor ihrem voraussichtlichen Ende hat die Regierung von John Major soeben die totale Privatisierung der Rentensysteme für britische Beamte vorgeschlagen. Soweit ist man in Frankreich noch nicht, aber das Gesetz zur Schaffung von renditeorientierten Pensionskassen tut einen Schritt in diese Richtung. Was den Bürgern bislang tunlichst verschwiegen wurde ist die Tatsache, daß diese Kassen keineswegs die Stabilität und das Niveau der Pensionen sicherstellen, da sie im wesentlichen von einer günstigen Marktsituation, der maximalen Ausbeutung der Erwerbstätigen und von erschlichenen Wertschöpfungen in den sogenannten Schwellenländern abhängen. Auf diese Weise nimmt das internationale Kapital seine eigenen Arbeitnehmer als Geiseln.
  • Seit 1984 hat Neuseeland einen radikalen Kurswechsel vollzogen: Vom Paradebeispiel des Sozialstaats ist das Land zum Modellversuch der Konkurrenzgesellschaft geworden. Die globalen „Entscheidungsträger“ haben das Land mittlerweile zum Musterschüler ausgerufen und fordern die „rückständigen“ europäischen Länder auf, sich an den wegweisenden Schritten dieses Landes ein Beispiel zu nehmen. Es war eine kleine Gruppe hoher Regierungsbeamter, die dem Land diese dramatische Umwälzung verpaßt hat: Ihr ist es gelungen, eine Partei der Linken auf wirtschaftsliberale Vorstellungen zu verpflichten.
  • Welchen Ursprung hat das Christentum? Wie lassen sich historische Wirklichkeit und Legende auseinanderhalten? Mit dieser doppelten Fragestellung beschäftigte sich in der Osterwoche eine fünfteilige Fernsehserie bei Arte, die Ergebnisse einer außergewöhnlichen Untersuchung über die Schriften des Evangeliums vorstellte. Mit diesem Programm hat Arte zugleich den Mut zu einer anderen – und demokratischen – Fernsehkultur bewiesen.
  • KRIMINELLE Finanzgeschäfte gibt es nicht nur auf dem Weltwirtschaftsmarkt, sie breiten sich auch in Staaten aus, in denen die Korruption alle Bereiche durchdrungen hat. Von Politikern und Parteien gedeckt, haben diese Praktiken in Frankreich längst auf den öffentlichen Sektor übergegriffen, ein gefundenes Fressen für die rechtsextreme Propaganda. Solange ihnen nicht eine unabhängige Justiz mit unnachsichtiger Strafverfolgung auch über die Grenzen des eigenen Landes hinaus entgegentritt, wird der entfesselte Wirtschaftsliberalismus weiterhin die Fundamente der Republik unterhöhlen.
  • Von SOPHIE BOUTILLIERBLANDINE LAPERCHEDIMITRI UZUNIDIS *
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