Archiv: Texte

In unserem Textarchiv finden Sie alle Artikel aus der deutschen Ausgabe seit 1995. Ausgenommen sind die Artikel der letzten drei Ausgaben.
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Ausgabe vom 14.01.2005


  • Der Anstieg des Ölpreises rührt zwar von aktuellen politischen Krisen, aber er signalisiert auch die absehbare Erschöpfung der Vorkommen nicht erneuerbarer Energie. Die Experten der Branche versuchen, das Dilemma mit fragwürdigen Prognosen zu verschleiern. Oder sie versprechen neue wissenschaftlich-technologische Lösungen wie die legendäre „Wasserstoffzivilisation“, die mehr ökologische Probleme schaffen, als sie lösen. Ein seriöses Energiemanagement muss zum einen auf den Ausbau alternativer Energiequellen setzen, zum andern die Einsparpotenziale ausschöpfen. Damit ist vor allem die reiche Welt aufgefordert, ihre Lebens- und Konsumweise zu ändern.
  • VON IGNACIO RAMONET
  • Von THIERRY PAQUOT *
  • Hinter den Attentaten im Irak sieht das Verteidigungsministerium in Bagdad die Regierungen der Nachbarstaaten Iran und Syrien. Solche Anschuldigungen fügen sich in die Pläne, die in der Bush-Administration gegen den „Schurkenstaat“ Iran entwickelt wurden. Die neokonservativen Strategen im Pentagon wollen nicht nur – wie die meisten EU-Staaten – die atomare Aufrüstung Teherans stoppen. Langfristig verfolgen sie immer noch den Plan, das Regime dort zu Fall zu bringen.
  • DER Sieg der Regenbogenkoalition (National Rainbow Coalition/Narc) bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Kenia wurde im Oktober 2002 als „Morgenröte des Neuanfangs“ euphorisch begrüßt. Erstmals in der Geschichte des unabhängigen Kenia wurde die Kanu (Kenya African National Union) abgelöst. Korruptionsabbau, Aufarbeitung der vergangenen Verbrechen in der Ära von Präsident Daniel arap Moi (1978–2002) und wirtschaftlicher Aufschwung zum Wohle aller waren die erklärten Ziele des Wahlsiegers Mwai Kibaki. Heute sind die Menschen in Kenia enttäuscht. Und nicht nur hinter vorgehaltener Hand interpretiert man das Kürzel Narc als den Slogan: „Nothing ’as really changed.“
  • Salman Schocken ist in Deutschland nahezu vergessen, dabei war er in der Weimarer Zeit eine allseits bekannte Größe. Hannah Arendt bezeichnete ihn als „jüdischen Bismarck“ – er selbst sah sich eher als Kulturpapst. Das Geld, das er mit den Schocken-Kaufhäusern verdiente, investierte er in Kultur: Er sammelte jüdische Texte, betätigte sich als Forschungsmäzen und Verleger. 1938 wurde der Berliner Schocken-Verlag geschlossen. Schocken emigrierte nach Israel. Nun ist in den USA eine Biografie dieser schillernden Persönlichkeit erschienen.
  • Die „Bewegung in Orange“ hat auf den Straßen von Kiew dieselben Methoden praktiziert, mit denen sich die demokratische Opposition schon in Belgrad und Tbilissi durchgesetzt hatte. Das ist kein Zufall, denn diese Bewegungen haben nicht nur voneinander gelernt, sie wurden auch von denselben Kräften im Westen unterstützt. Diese Hilfe war in allen drei Fällen wichtig, aber entscheidend waren zwei andere Faktoren: die Verbrechen der Regime und das Engagement der Menschen, die sich dergleichen nicht mehr bieten lassen.
  • DER Wahlsieg von Wiktor Juschtschenko vom 26. Dezember hat die „Revolution in Orange“ vorläufig zum Abschluss gebracht. Die verstärkte Westorientierung der Ukraine wird in Moskau mit Misstrauen verfolgt, weil sie zu einer nachhaltigen Schwächung Russlands beitragen könnte. Doch die Ukraine hat viele Gründe, sich nicht frontal gegen Moskau zu stellen, vor allem auch wegen der energiewirtschaftlichen Verflechtungen. In Kiew hofft man zudem, dass der demokratische Impuls auf Russland überspringen könnte.
  • Im Jahr 1863 entwarf Jules Verne (1828–1905) ein Bild der Welt „in hundert Jahren“: voller technischer Wunderwerke, doch ohne Kultur und Moral. Das Manuskript wollte seinerzeit niemand drucken und galt dann lange als verschollen. Erst 1994 wurde „Paris um 20.Jahrhundert“ veröffentlicht.
  • In unserer Gesellschaft wird zu viel transportiert. Menschen fahren vom Wohnort zur Arbeitsstelle, in den Urlaub, zum Einkaufen und zurück, Güter werden von einer Fertigungsstätte zur anderen gebracht, bis sie endlich beim Verbraucher landen.
  • Für Optimisten sind die Erdölvorräte der Welt noch längst nicht erschöpft, Pessimisten sehen die Krise etwa für das Jahr 2020. Die Experten zwischen den Extremen schauen auf die Zeit kurz nach 2030. Aber niemand hat einen Plan, was dann zu tun ist.
  • Weltweit steigt die Nachfrage nach Solarzellen. Vor allem in Asien ist Strom aus Sonnenenergie sehr gefragt. Aber selbst die vermeintlich unerschöpfliche Energieleistung unserer Sonne ist endlich.
  • In aller Welt schrumpfen die Auflagen der Printmedien. Das liegt einesteils an der neuen digitalen Konkurrenz, aber auch daran, dass viele Zeitungen nicht mehr auf seriösen Journalismus setzen.
  • Von PHILIPPE BAQUÉ *
  • Zwei Jahre nach dem Amtsantritt von Präsident da Silva erfreut sich Brasilien einer stabilen Währung und steigender Investitionen. Doch noch immer leben etwa 58 Millionen Brasilianer von weniger als einem Dollar am Tag.