Archiv: Texte

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Ausgabe vom 14.11.2003


  • Rezession, anhaltende Unsicherheit und diplomatische Isolierung – diese Bilanz macht die Regierung Scharon nicht irre. Außer den USA und Israel haben in der UN-Vollversammlung nur zwei Ministaaten gegen eine Verurteilung des israelischen Mauerbaus gestimmt, der einer weiteren Landnahme und der Absicherung der israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten dient. Während Scharon die Genfer Vereinbarung zwischen der israelischen Opposition und gemäßigten Palästinensern als „Verrat“ denunziert, schafft seine Hardliner-Politik unter den Palästinensern ständig neue Feinde. Seit Beginn der zweiten Intifada sind die Gefängnisse überfüllt. Und jetzt ist die Nachricht durchgesickert, dass Israel mindestens ein Geheimgefängnis unterhält.
  • Der mexikanische Autor und Diplomat stellt grundsätzliche Überlegungen zu einem wünschenswerten europäisch-lateinamerikanischen Verhältnis an und entwickelt eine neue Sichtweise auf die spanische Conquista.
  • DER französische Soziologe und Technikphilosoph Jacques Ellul war Optimist: „Es wird eine große Befriedigung sein“, sagte er in einem Interview, „wenn wir gesunde Lebensmittel essen, weniger Lärm zu ertragen haben, in einer ausgeglichenen Umwelt leben und nicht mehr all den Straßen- und Güterverkehr aushalten müssen.“ Eine erste Voraussetzung für eine solche Umorientierung wäre allerdings die allgemeine Einsicht, dass kein Weg an einer Politik der Wachstumsrücknahme vorbeiführt. Denn noch immer herrscht bei der Rechten wie bei der Linken, bei Neoliberalen wie Sozialdemokraten der fatale Glaube vor, dass ohne Wachstum gar nichts geht.
  • WARUM jemand wie Arnold Schwarzenegger Gouverneur eines amerikanischen Bundesstaates von 35 Millionen Einwohnern werden kann, ist vielen Menschen ein Rätsel. Der Mann hat politisch weder eine Botschaft noch viel Ahnung. Sein Wahlkampf kostete schlappe 80 Millionen Dollar. Das Geheimnis seines Erfolgs besteht genau darin: ein politisch desinteressierter Politiker für ein politisch desillusioniertes und desinteressiertes Volk, für den eines sprach: die Aufmerksamkeit der Medien für eine Hollywood-Berühmtheit.
  • DER Populismus hat Konjunktur. „Wer verführen will, muss vereinfachen“, lautet eine seiner Maximen. Doch was wird vereinfacht? Und in welchen Zeiten werden Vereinfachungen benötigt? Dass Krisen den Populismus befördern, ist bekannt, genauso wie bekannt ist, dass er die Krisen nur selten löst. Er wird gern mit reaktionären, demagogischen oder faschistischen Bewegungen gleichgesetzt, weil er die „Sprache des Volkes“ spricht, doch eine Untersuchung der verschiedenen Analysen und Theorien liefert weitaus vielfältigere Erkenntnisse.
  • ÜBER die Geschicke der Welt bestimmen die wenigen Menschen, die an Schlüsselpositionen in den entscheidenden Institutionen sitzen. Seit den Protesten in Seattle wächst die Bewegung für eine andere Globalisierung. Sie versammelt unterschiedlich radikale Bewegungen und Gruppierungen aus ganz verschiedenen Bereichen, die sich gegen die durchgreifenden neoliberalen Umwälzungen zur Wehr setzen. Sie tun dies mittels lokaler Initiativen, die sich auf konkrete Themen wie etwa die Gesundheitspolitik beziehen, aber auch durch große überregionale oder globale Sozialforen.
  • Von LEILA FARSAKH *
  • IN den letzten Wochen haben sich in Genf Vertreter der israelischen Linken und verschiedener palästinensischer Organisationen – mit Ausnahme der Islamisten – getroffen, um die offenen Fragen auf dem Weg zum Frieden zu regeln: Auf dem Territorium der besetzten Gebiete soll es einen palästinensischen Staat geben, dessen Hauptstadt Ostjerusalem wird, die Klagemauer bleibt unter israelischer Kontrolle, Flüchtlinge können nur in den künftigen Staat Palästina zurückkehren. Dies ist ein großer Schritt. Doch viele befürchten, dass es angesichts der Polarisierung der letzten Jahren für die Zweistaaten-Lösung zu spät sein könnte.
  • IM Mai 2004 werden acht Länder Osteuropas der Europäischen Gemeinschaft beitreten. Doch nur 50 Prozent der Wähler sind bei den Volksabstimmungen zu den Urnen gegangen. Dass von diesen 80 Prozent zugestimmt haben, hat vielerlei Gründe. Dieses äußerliche Bild des „neuen Europa“, dessen politische Klasse sich wie das Trojanische Pferd der Amerikaner verhält, macht allerdings noch gar nicht sichtbar, dass sich im Gefolge des Irakkriegs die Menschen in Ost und West in ihrer politischen Einschätzung sehr stark angenähert haben.
  • Von MARIE LUISE KNOTT 
  • Von J. M. COETZEE
  • Die fleischartigen Substanzen, die man in Fastfood-Restaurants vorgesetzt bekommt, sind nur eine Travestie des Lebensmittels Fleisch, zu dem Schlachten und Tod gehört. Der Umgang damit verrät einiges über das Verhältnis des westlichen Menschen zu seinen tierischen Mitgeschöpfen.
  • DER Aufstand der Quechua und Aymará in Bolivien, dem sich nach und nach die Arbeiterschaft und die Mittelschicht angeschlossen haben, endete – fürs Erste – mit dem Rücktritt und der Flucht des unpopulären Präsidenten Gonzalo Sánchez de Lozada. In vielen lateinamerikanischen Gesellschaften sind seit einiger Zeit heftige Abwehrkämpfe gegen den Neoliberalismus im Gange. Aber in Bolivien geschah es das erste Mal, dass Organisationen der indigenen Bevölkerung die führende Rolle in einem breiten Bündnis mit einem eindeutigen, wenn auch kurzfristigen politischen Ziel übernommen haben.
  • ALS die Kapverdischen Inseln im Juli 1975 unabhängig wurden, waren die Hoffnungen groß und schienen gar nicht so unrealistisch. Die sozialen Fortschritte der Anfangsjahre sind bis heute unübersehbar. Doch die enthusiastischen Revolutionäre gerieten bald in Streit um die richtige politische Richtung und um lukrative Pfründen. Heute hat der Inselstaat neben der wirtschaftlichen Misere hauptsächlich mit der Korruption der einstigen Kämpfer zu kämpfen.
  • SEITDEM am 4. Oktober 2002 König Gyanendra den Premierminister Sher Bahadur Deuba entlassen und das Parlament aufgelöst hat, versinkt das Königreich Nepal im Chaos. Während die großen Parteien verlangen, man möge die politische Macht wieder in die Hände der gewählten Volksvertreter legen, fordern die maoistischen Rebellen die Abschaffung der Monarchie. Nepals Maoisten profitieren von der wirtschaftlichen Misere und Korruption in ihrem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört. Nachdem das labile Waffenstillstandsabkommen am 27. August diesen Jahres gescheitert ist, wurden die Kämpfe wieder aufgenommen.
  • SCHON unter Präsident Reagan erfuhr der soziale Wohnungsbau drastische Einschnitte – eine Politik, die von den Regierungen Clinton und Bush fortgesetzt wurde. Im Department of Housing and Urban Development entließ man Personal, und der Bau von Sozialwohnungen wurde eingestellt. Zudem verschärfte sich die soziale Lage in den Großstädten, nachdem die Industrie ins Um- oder Ausland abgewandert war. Aber die Bürgermeister der Millionengemeinden ließen sich etwas einfallen, was zu einem grundlegenden Wandel der Städte führte.
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