Archiv: Texte

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Ausgabe vom 11.03.2005


  • Die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bush-Administration wird vom Rest der Welt finanziert. Zentralbanken und Privatanleger kaufen Dollar-Staatspapiere auf und stopfen damit die Löcher im US-Haushalt und in der Handelsbilanz. Lange haben Europa und Japan diese Rolle wahrgenommen, aber neuerdings ist Washington auch auf die Chinesen angewiesen. Dabei steht man gegenüber Peking vor einem Dilemma: Der Yuan wäre bei Aufgabe der Dollarbindung um etwa 40 Prozent teurer; ein „marktgerechter“ Yuankurs würde die Importe aus China verteuern und die US-Handelsbilanz entlasten. Doch Peking beharrt auf einem billigen Yuan, weil man keine Rezession riskieren und die eigenen Dollarguthaben nicht entwerten will. Und die Bush-Regierung weigert sich, ihren Haushalt zu sanieren.
  • Von IGNACIO RAMONET
  • Als der „Achse des Bösen“ zugehörig erklärt, ist der Iran zu einem der brisantesten internationalen Konfliktherde geworden. Die nuklearen Ambitionen des Regimes in Teheran sind zudem Anlass für neue Spannungen zwischen Europa und den USA. Das Land selbst steckt in einer tiefen Krise, die nicht nur an der ökonomischen Stagnation und an der Niederlage der Reformkräfte abzulesen ist. Die Gesellschaft ist wie gelähmt, das Streben nach Freiheit in die private Sphäre abgedriftet. Doch die Widersprüche, die diese Stagnation überdeckt, werden sich auf Dauer nicht austarieren lassen.
  • Vom Standpunkt der ehemaligen französischen Kolonien aus betrachtet, besitzen der Konflikt in der Elfenbeinküste und die Intervention Frankreichs höchste Brisanz. Denn die Zeiten, als die alte Kolonialmacht in ihrem Hinterhof „Françafrique“ ganz nach Belieben schalten und walten konnte, sind damit anscheinend vorbei. Die antifranzösischen Ausschreitungen von Abidjan kann man durchaus als Versuche einer postkolonialen Entkolonialisierung sehen.
  • Bei ihrem jüngsten Treffen in Bratislava kamen die Präsidenten Bush und Putin auch auf Kirgisien zu sprechen – als möglichen Standort für eine russisch-amerikanische Militärbasis im Kampf gegen die islamistische Gefahr. Dass diese Gefahr auch für Zentralasien akut werden könnte, hängt mit dem politischen Erbe der ehemaligen Sowjetrepubliken zusammen. Die Machtkonzentration bei den Clans der Autokraten ist mangels demokratischer Strukturen kaum aufzubrechen. Das zeigen auch die erheblichen Defizite, die derzeit von den europäischen Wahlbeobachtern in Kirgisien moniert werden.
  • Dies ist eine unheimliche Geschichte. Sie handelt von einem Privatflugzeug, das auf einem Flughafen in Deutschland stationiert ist, von Entführungen, die sich auf offener Straße in Europa abspielen, und von Folterpraktiken, die schlimmer sind als die in Guantánamo und Abu Ghraib. In dieser Geschichte treten ganz unterschiedliche Akteure auf: Rechtsanwälte, Spione und Agenten, vor allem aber Menschen, die als Terroristen verdächtigt werden. Und es gibt diese Geschichte nur, weil das Wort „Menschenrechte“ – wie ein ehemaliger CIA-Agent es ausdrückt – „ein sehr flexibler Begriff geworden ist“.
  • Im Dossier auf den folgenden Seiten geht es um die verschiedenen Aspekte der Ressource Wasser. Wasser wird immer knapper. Ursachen sind das weltweite Bevölkerungswachstum, aber auch wasserintensive industrielle Herstellungsverfahren, verschwenderische Wasserwirtschaft und eine kurzsichtige Ausbeutung von Grundwasserreserven. In vielen Regionen der Welt ist es deshalb schon zu Konflikten gekommen. Das folgende Kapitel aus dem aktuellen Bericht vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gibt eine Einführung in das Thema.
  • Auf ihrem globalen Siegeszug haben sich die Cola-Getränke auch in Indien durchgesetzt – mit fatalen Folgen ausgerechnet für den Wasserhaushalt. Da die Produktion von einem Liter Coca-Cola neun Liter Wasser verbraucht, trocknen in der Umgebung der Produktions- und Abfüllanlagen immer häufiger die Brunnen aus. Dagegen beginnen sich die Bauern zu wehren, und vor allem die Frauen, die das Trinkwasser oft über große Entfernungen heranschleppen müssen.
  • Um die Wasserkrise zu beherrschen und die Kriege zu vermeiden, die als Folge von Konflikten um die Wassenutzung drohen, favorisieren viele Experten rein technologische Lösungen. Die Idee, Wasser dort aufzufangen, wo es sich vorfindet, und dorthin zu transportieren, wo es gebraucht wird, hat für die Befürworter solcher Projekte – zumeist Ingenieure und Unternehmen, die von staatlichen Aufträgen leben – den Vorzug, dass sie furchtbar einfach aussehen. Doch die massiven Wassertransfers, die im 20. Jahrhundert in vielen Regionen als Patentlösung galten, sind nur selten verträglich. Das gilt nicht nur für Projekte, die zu internationalen Krisen führen, weil sie die Interessen mehrerer Länder betreffen. Auch wenn das Wasser im eigenen Lande verbleibt, können die Folgen für die Umwelt wie für die langfristige Wirtschaftsentwicklung verhängnisvoll sein.
  • Privatisierung gilt als Allheilmittel zur Modernisierung der Wasserversorgung. In Frankreich teilen sich drei Konzerne den größten Teil des Geschäftes. Ihr Vorgehen ist oft dubios, und international scheitern sie immer wieder.
  • Die bäuerliche und indigene Landbevölkerung Boliviens lebt am unteren Rand des Existenzminimums. Für sie sind die Folgen der Privatisierung der öffentlichen Infrastruktur besonders hart. Anfang des Jahres führten massive Proteste dazu, dass dem Wassermulti Suez Lyonnaise der Vertrag gekündigt wurde. Aber die Soziale Bewegung ist gespalten, und der politische Gegner im reichen Osten des Landes will mehr Autonomie.
  • Eine neue Verfassung hatte der Emir von Bahrain seinem Volk in Aussicht gestellt, demokratische Rechte und ein neues Parlament. Eine neue Verfassung gab es auch, aber die erließ der Emir per Dekret und machte sich nebenbei auch noch zum König. Der kleine Golfstaat ist zwar in die Demokratisierungspläne der USA für die Region eingeschlossen, aber die alte Garde dort will keine Veränderung.
  • Am 28. Januar endete das Weltwirtschaftsforum von Davos mit einem spektakulären Auftritt von Sharon Stone, die dem Präsidenten von Tansania 10 000 Dollar als Spende für den Kampf gegen die Malaria versprach. Innerhalb von fünf Minuten sagten weitere Zuhörer insgesamt eine Million Dollar zu.
  • Was geschah eigentlich genau mit den Besitztümern der Juden?, fragte sich der Zeithistoriker Götz Aly vor einigen Jahren. Am 10. März erscheint seine Studie „Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus“. Darin untersucht er, wie die Nazis in allen Ländern Europas den jüdischen Besitz „geräuschlos“ in die Staatskassen transferierten. Durch seine Archivrecherchen hat er neue Erkenntnisse über die Politik der „Regierung Hitler“ gewonnen. Wir drucken drei Auszüge.
  • Zwei Ereignisse aus dem vergangenen Jahr werden die Geschichte der Pressefotografie verändern: der Skandal von Abu Ghraib und die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Die Amateuraufnahmen davon bedeuten für die Pressefotografen heute eine ähnliche Herausforderung, wie es der Durchbruch der Fotografie für die Maler im 19. Jahrhundert war.