Archiv: Texte

In unserem Textarchiv finden Sie alle Artikel aus der deutschen Ausgabe seit 1995. Ausgenommen sind die Artikel der letzten drei Ausgaben.
Aktuelle Ausgaben
Befristetes Kurzabo


Ausgabe vom 13.08.2004


  • Im Westen debattiert man gerne, ob es notwendig und möglich sei, den Islam zu modernisieren. Ist ein Hocharabisch, das aus der Zeit der Niederschrift des Korans stammt, noch zeitgemäß? Muss man es nicht reformieren? Oder wäre es nicht gar an der Zeit, das Hocharabische durch das umgangssprachliche Arabisch abzulösen? Der in Jerusalem als arabischer Christ geborene Edward Said, der bis zu seinem Tod im September 2003 in Amerika als Literaturwissenschaftler lehrte, beschreibt, wie lebendig das Hocharabische im Alltag der arabischen Länder ist. Man ist, so sein Fazit, immer auf der Suche nach dem Glück des richtigen Worts.
  • Von IGNACIO RAMONET
  • In ihrer Blütezeit zeichnete sich die alte, sagenumwobene Stadt Timbuktu am Südrand der Sahara nicht nur durch den Wohlstand aus, den die Handelskarawanen brachten, sondern auch durch ihr reges kulturelles Leben. Die unzähligen Handschriften, die dieses goldene Zeitalter dokumentieren, zeigen ein faszinierendes und bislang ungekanntes Bild Afrikas im Mittelalter.
  • Zu den Olympischen Spielen 2004 sollten die Elgin Marbles nach Athen zurückkehren, aber das Britische Museum spielt nicht mit. Damit ist die Debatte über Beutekunst jedoch nicht beendet. Die Formel „Zurück an den Ursprungsort“ ist freilich zu pauschal, um die Besitzansprüche auf archäologische Funde zu regeln.
  • In seinem Buch „Nationen und Nationalismus“ hat Eric J. Hobsbawm 1990 ein Porträt der nationalstaatlich gegliederten Welt gezeichnet. Heute fragt er sich, ob der Nationalstaat angesichts von Globalisierung und massenhafter Migration noch ausreichend Integrationskraft aufbringt.
  • Trotz der hohen Fehleranfälligkeit setzen Regierungen und Unternehmen auf die Weiterentwicklung der Instrumente zur Personenkontrolle – und die Personen kooperieren viel zu bereitwillig.
  • Patagonien, das weite, malerische Land am Ende der Welt, ist ein Fluchtpunkt der Phantasie – nicht nur für Butch Cassidy, der einst vor den schnellen Pferden der US-Sheriffs hierher floh. Die Luft riecht nach Dung, Kräutern, Holz und ein wenig nach Colt, und fast alle Geschichten, die man hier hört oder erlebt, sind legendär.
  • AM 25. August 1944 um 14 Uhr ergab sich der deutsche Gouverneur von Paris, General Dietrich von Choltitz, dem spanischen Soldaten Antonio Gonzalez. Um 16 Uhr unterzeichnete er die Übergabe von Paris in Anwesenheit der Franzosen General Leclerc und Oberst Rol-Tanguy. Paris war befreit. Nur zu oft wird in Frankreich immer noch darüber hinweggegangen, dass spanische Republikaner im Widerstandskampf einen besonderen Beitrag geliefert haben.
  • DAS letzte Tabu, an dem die westliche Welt festhält, ist das der demokratischen Herrschaftsform. Die Parole von 1989, „Wir sind das Volk“, Schlachtruf der demokratischen Wende, beinhaltet den urdemokratischen Anspruch, als Volk tatsächlich Souveränität auszuüben. Der Nobelpreisträger und Kommunist José Saramago fordert nun, die real existierenden Demokratien im Hinblick auf ihre Echtheit, ihre Tauglichkeit und ihren wirklichen Demokratiegehalt zu prüfen. Das Delegieren von Macht im Akt des Wählens ist, so seine These, im Grunde ein Akt des Machtverzichts. Die politische Demokratie, ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Komponente beraubt, sei nichts als eine leere Schale.
  • VON ELIAS KHOURY *
  • Wer sein Häuschen in England verkauft, bekommt dafür, wenn er Glück hat, ein altes Landhaus in der Dordogne und trifft dort auf erstaunlich viele Landsleute. Die Engländer genießen „the good life“ – und manche machen sogar bei Attac mit.
  • DIE Vogelgrippe breitet sich in Thailand immer noch weiter aus. Zwar verspricht die Regierung, in Zukunft jeden Verdachtsfall sofort zu veröffentlichen, doch angesichts der Informationspolitik Bangkoks ist Misstrauen angebracht. Zu lange hatte es gedauert, bis die verantwortlichen Behörden reagierten. Denn schon Monate vor Ausbruch der Epidemie hatte man an Hühnerkadavern den Virustyp diagnostiziert, der dann die gefürchtete Geflügelpest verursacht hat.
  • MIT ihren etwa 1.000 Filmproduktionen jährlich gilt die indische Filmindustrie mit Zentrum Bombay als die größte der Welt. Die Inder sind begeisterte Kinogänger, leben mit ihren Filmhelden, wollen sich von Pathos und Schrecken mitreißen und von Gesangs- und Tanzeinlagen aufmuntern lassen – und legen keinen großen Wert auf filmischen Realismus. Im Gegenteil: Ausgesprochen unwahrscheinliche Wunder sowie Deus-ex-Machina-Eingriffe sind erwünscht, nicht zuletzt weil sie die gesellschaftliche Hierarchie nicht antasten.
  • Für die einen sind Tiere bloß das Material, das sie für ihre – oft grausamen und immer lukrativen – Laborversuche brauchen. Die anderen kämpfen für die Freiheit und Unversehrtheit der geschundenen Kreatur, und dabei ist ihnen fast jedes Mittel recht. Eine Reportage von der Front zwischen militanten Tierversuchsgegnern und denen, die solche Versuche durchführen.