Dossiers / Klimawandel

Die Sonne geht unter, die Fabrikschornsteine blasen weiter CO2 in die Atmosphäre. © AP/Ajit Solanki
 

Klimawandel ist nur Wetter

Donald Trump und andere Republikaner würden das Rad gern zurückdrehen. Doch der Umbau des Energiesystems hat auch in den USA längst begonnen.

von Charles Hawley

Es gibt in der amerikanischen Politik das Konzept der Hundepfeife. Gemeint ist jene Trillerpfeife, die für menschliche Ohren unhörbar ist, für Hunde aber umso besser wirkt. Die Strategie ist wie gemacht für Kandidaten, die mit Wählern jenseits des politischen Mainstreams kommunizieren wollen. Donald Trump, auch wenn er immer wieder bewiesen hat, dass lautstarke Beleidigungen und haarsträubende Politikvorschläge wesentliche Bestandteile seiner politischen Sprachlehre sind, ist ein Meister der Hundepfeife, ein Meister des stillen Radikalismus. weiter »

Grüner Himmel

Die Illusion vom ökologischen Fliegen

von Manfred Kriener

Es war eine lautlose Weltumrundung. Monatelang glitt das Solarflugzeug SI2 über die Erde, man konnte es auf dem Bildschirm verfolgen. Es hat die Ausmaße einer Boeing 747, doch es ist nur 1,6 Tonnen schwer. Auf der Oberseite der riesigen Tragflächen funkeln blaue Solarzellen, die für den elektrischen Antrieb sorgen. Mitte Juli war SI2 in Kairo angekommen, Ende Juli knallten die Sektkorken, als die letzte Etappe nach Abu Dhabi absolviert war. weiter »

Dunkle Sonne

Im Erdzeitalter des Kapitals

von Elmar Altvater

Seit dem Ende der bipolaren Welt verweisen Geowissenschaftler und Klimaforscher – anders als politische Ökonomen – nicht nur auf „Grenzen der Globalisierung“, sondern auf „planetary boundaries“. Grenzen werden definiert, um überwacht und geschützt zu werden. Dazu dienen der globalisierte Datenklau durch die NSA, aber auch „Dienste“ oder Killerdrohnen und andere Waffen für globale „Hightech-Kriege“. Dazu passt, dass Geopolitik – seit der „Volk ohne Raum“-Rhetorik der Nazis komplett desavouiert – längst wieder eine weltweit anerkannte Disziplin geworden ist. weiter »

Straftatbestand Ökozid

Warum es höchste Zeit ist für ein internationales Klimatribunal

von Agnès Sinai

Auf einer künstlichen Insel in der Lagune von Lagos in Nigeria entsteht derzeit Eko Atlantic City. Die „nachhaltigste Stadt Afrikas“, in der bald 250 000 Menschen leben sollen, könnte Ende des Jahrhunderts schon wieder verschwunden sein. Denn mit einem durch den Klimawandel ansteigenden Meeresspiegel könnte Nigerias Küstenregion bis zu 90 Kilometer ins Landesinnere überspült werden. Eko Atlantic City würde dann zu einer Ruine, die künftigen Geologen Auskunft über die Erdgeschichte geben kann. weiter »

Die Erde im Kapitalozän

von Christophe Bonneuil

Anthropozän – der Begriff bezeichnet ein neues Erdzeitalter, geprägt durch eine menschliche Gattung, die zur weltbewegenden Kraft geworden ist. Wann diese neue Epoche der Erdgeschichte begonnen hat, ist umstritten. Mit der Eroberung Amerikas und dem Ethnozid der Ureinwohner? Mit dem Aufstieg des Industriekapitalismus, der auf fossilen Energieträgern beruht? Oder mit der Atombombe und der „großen Beschleunigung“ seit 1945? weiter »

Die Rettung der Ozonschicht

von Ferdinand Moeck

Massenhaft Hautkrebserkrankungen, Zusammenbruch der Ökosysteme: So sähe die Wirklichkeit heute aus, hätte man nicht in den 1980er Jahren Chlorfluorkohlenstoffe (CFCs) weitgehend verboten. Britische Forscher haben vor Kurzem gezeigt, was geschehen wäre, wenn der von Wissenschaftlern ausgelöste Alarm folgenlos geblieben wäre: Die Ozonschicht, die unseren Planeten umgibt, wäre am Südpol bereits mehr als 40 Prozent dünner, und über dem Nordpol wäre ein weiteres Ozonloch entstanden. weiter »

Verwüstung

Wie der Klimawandel Konflikte anheizt

von Agnès Sinai

Zwischen 2006 und 2011 verzeichnete Syrien die längste Dürreperiode und die größten Ernteverluste seit den frühesten Zivilisationen im Fruchtbaren Halbmond, jenem Winterregengebiet, das sich von Israel bis in den Südwesten des Iran erstreckt und in dem die Menschen vor mehreren Tausend Jahren damit anfingen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. weiter »

Geopolitik mit Eisbär

Tierschutz und arktische Bodenschätze in Zeiten des Klimawandels

von Farid Benhammou und Rémy Marion

Es war im April 2010, als sich Wladimir Putin auf dem Archipel Franz-Joseph-Land im äußersten Norden der Arktis mit einem Eisbären fotografieren ließ. Das Tier, ein Weibchen, hatte man vorsorglich betäubt. Anschließend ließ sich Putin ausführlich über den Tier- und Umweltschutz in der Arktis aus. Doch der russische Präsident ist kein guter Schauspieler. Seine wahren Interessen (ich will hier Bodenschätze heben!) konnte er nur schwer verbergen. weiter »

In Zeiten des Ernstfalls

Warum wir Ölkonzernen und anderen Klimakillern den Geldhahn zudrehen müssen

von Rebecca Solnit

Als die Bürokraten der Stadtverwaltung von San Francisco auf dem Podium stammelnd darlegten, warum sie den Wünschen, die wir im Auditorium so leidenschaftlich zum Ausdruck brachten, in keiner Weise entsprechen könnten, begannen meine Gedanken abzuschweifen. Unwillkürlich kam mir jener sonnige Septembertag vor dreizehn Jahren in den Sinn, als sich am anderen Ende der USA das Unvorhersehbare ereignete. Und ich musste an die Geschichte denken, die mir ein Überlebender jenes Tages erzählt hat. weiter »

 

Die Grafik stammt aus der Novemberausgabe 2015 von Le Monde diplomatique.