Blog Griechenland

Das Virus und die griechische Wirtschaft:
Die Kehrseite einer Erfolgsgeschichte (Corona III)

von Niels Kadritzke | 14. Mai 2020

Auf der epidemiologischen Ebene geht die griechische „Erfolgsgeschichte“ weiter. Die Ansteckungskurve hat sich weiter abgeflacht: Bis zum 14. Mai wurden insgesamt 2770 Corona-Infektionen und 156 Todesfälle registriert. Eine weiterer wichtiger Parameter: Die Zahl der belegten Betten auf den Intensivstationen ist auf 24 gesunken. Auch der erste größere Infektionsfall in einer Flüchtlingsunterkunft ist erfreulicherweise glimpflich verlaufen. Die Quarantäne für die 150 Bewohner eines von der UNHCR gemieteten Hotels in Kranidi wurde bis zum 18. Mai verlängert, die Beschränkungen für die umliegenden Dörfer wurden jedoch aufgehoben. Allerdings sind in Lesbos erstmals zwei neu angekommene Flüchtlinge positiv getestet worden. Die beiden befinden sich in obligatorischer Quarantäne, wo jetzt alle dort isolierten Menschen getestet werden.

Wegen Corona geschlossen: Ein Café im Athener Stadtteil Thissio nordwestlich der Akropolis. © Alkis Konstantinidis/reuters

Allerdings bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen die Strategie einer „Rückkehr zur (neuen) Normalität“ haben wird, die Mitsotakis und seine Regierung in drei Etappen umsetzen wollen. Die erste Etappe hat am 4. Mai begonnen; seitdem haben Friseursalons und einige Einzelhandelsgeschäfte wieder offen; zudem wurde für alle Bürgerinnen und Bürger die Bewegungsfreiheit erweitert, die davor auf die nötigsten Besorgungen beschränkt war. Damit entfällt auch die Anmeldung jedes Ausgangs an ein sms-gestütztes Kontrollsystem. Ab 11. Mai hat der Unterricht für die höheren Gymnasialklassen begonnen; ab dem 18. Mai kehren auch die unteren Gymnasialklassen zurück; eine Entscheidung über die Öffnung der Volksschulen soll nach dem 21. Mai fallen. Und ab dem 17. Mai dürfen auch wieder Gottesdienste stattfinden, wenn auch mit strikten Abstandsauflagen.

Probleme nach den ersten Öffnungsschritten

Ob diese Öffnungsschritte die bislang erzielten Erfolge gefährden, wird sich bald zeigen. Offene Bedenken gegen vorzeitige Schritte hat die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer (OLME) angemeldet, die am 6. Mai den online-Unterricht für drei Stunden bestreikt hat. Damit wollte sie ihre Forderung unterstreichen, dass die Schulen erst wieder öffnen sollen, wenn für Schüler und Lehrer ausreichendes Schutzmaterial zur Verfügung steht.

Mit großer Sorge wird auch beobachtet, dass es auf manchen öffentlichen Platzen zu „spontanen“ Parties von Jugendlichen kommt, bei denen alle Abstandsregeln verletzt werden. Die Polizei musste an am letzten und vorletzten Wochenende gegen solche spontanen Versammlungen in Athen (mit bis zu 400 Teilnehmern) und einigen Provinzstädten einschreiten. Ein anderer, weniger erwarteter Vorfall, wurde am Morgen des 11. Mai in Athen beobachtet. An einer Kassenstelle des Stromversorgers DEI drängten sich 200 vorwiegend ältere Leute, die ihre Rechnungen bezahlen wollten, mit und ohne Masken in einem engen Zugangsbereich. Erst die Polizei konnte die Leute überzeugen, dass auch hier die Abstandsregeln eingehalten werden müssen.

Die Mitglieder der Corona-Kommission sind über solche Vorfälle – nur wenige Tage nach dem ersten Öffnungsschritt - sehr besorgt. Deshalb haben sie umgehend den vorgeschriebenen Abstand von 1, 50 auf 2 Meter erweitert. Sie befürchten innerhalb der nächsten zehn Tage steigende Ansteckungszahlen. Damit könnte die ermutigende R-Zahl, die bis zum 10. Mai unter die 0,5-Grenze gesunken war, wieder deutlich ansteigen (so der Mikrobiologe Prof. Alkiviadis Vatopoulos gegenüber der Kathimerini vom 11. Mai). Beunruhigend ist auch das Ergebnis einer Umfrage, die zwischen dem 4. und 6. Mai gemacht wurde. Dabei wurde nach der Erwartung gefragt, wie sehr sich die Leute wohl an die neuen Schutzrichtlinien halten werden, die für die Öffnungsphase gelten. Nur 8 Prozent der Befragten meinten: „sehr“, 36 Prozent meinten: „weitgehend“; aber 34 meinten: „mittelmäßig“, 10 Prozent „wenig“ und 7 Prozent „sehr wenig oder gar nicht“. In der jüngsten Altersgruppe (17 bis 29 Jahre) gingen sogar 32 Prozent davon aus, dass sich ihre Landsleute wenig oder gar nicht an die Richtlinien halten werden. Diese Zahlen bilden ein verbreitetes Gefühl ab, das auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten ist: Da das Schlimmste überstanden scheint, muss man wohl die Regeln nicht mehr so ernst nehmen. Das ist genau die Entwicklung, die Sotiris Tsiódras befürchtet hat. Der „Hausarzt der Nation“ mahnt jetzt zu besonderer Vorsicht und betont, dass dem Land die eigentliche Bewährungsprobe erst noch bevorsteht.

Die Rezession und ihre strukturellen Gründe

Tsiódras meint dies in epidemiologischer Hinsicht, aber die Aussage gilt auch in einem weiteren Sinne: Die ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Pandemie könnten die bisherige Erfolgsgeschichte, zu der sich die Griechen zurecht gratulieren und gratulieren lassen, in eine langwierige Leidensgeschichte verwandeln. Schon heute ist absehbar, dass die weltwirtschaftliche Rezession, die unwiderruflich begonnen hat, das nach wie vor hoch verschuldete Griechenland besonders hart treffen wird. Deshalb sieht sich die Athener Regierung bei der Abwägung zwischen dem Schutz von Menschenleben und der Rettung vor einer wirtschaftlichen Katastrophe in einem gigantischen Dilemma.

Die Prognosen für die Rezession in der gesamten EU-Zone bewegen sich zwischen 5 und 15 Prozent Minus-Wachstum und werden von Tag zu Tag pessimistischer. Für Griechenland rechnen die Analysten der Großbanken und Ratingagenturen für 2020 mit einem Rückgang des BIP zwischen 8 und 15 Prozent. Der IWF sieht die griechische Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 10 Prozent schrumpfen, Zsolt Darvas vom renommierten Bruegel-Institut in Brüssel befürchtet einen noch größeren BIP-Einbruch. Und Jannis Varoufakis, der Finanzminister der ersten Tsipras-Regierung, prophezeit ein Minus von 15 Prozent. Sie alle gehen - wie auch die Gutachter der OECD - davon aus, dass die Corona-Krise von allen Volkswirtschaften der Eurozone die griechische am schwersten erwischen wird. Angesichts dieser einhelligen Expertenmeinung fällt die Prognose des griechischen Finanzministers Staikouras (5 bis 10 Prozent BIP-Verlust) allzu optimistisch, und die von Zentralbankpräsident Stournaras (minus 4 Prozent) geradezu utopisch aus.(1)

Der Grund für die pessimistischen Voraussagen ist nicht nur die hohe Staatsverschuldung, die den Handlungsspielraum der Regierung begrenzt. Der tiefere Grund liegt in den altbekannten strukturellen Schwachpunkten der griechischen Wirtschaft. Da ist erstens der hohe Anteil an Klein- und Kleinstbetrieben, von denen zwei Drittel in einer Rezession mangels Liquidität vom Bankrott bedroht sind. Für viele würde dies das endgültige Aus bedeuten, weil sie keine Liquiditätsreserven haben und auch keine Rettung durch die Banken erwarten können. Gerade für die Klein- und Mittelbetriebe, die den Banken keine Sicherheiten bieten können, waren die Kreditkonditionen schon vor der Krise unerschwinglich.(2)

Die Banken und ihre notleidenden Kredite

Damit ist der zweite strukturelle Schwachpunkt benannt: Die griechischen Banken hatten schon vor der Corona-Krise einen sehr hohen Bestand an „notleidenden“ Kredite in den Büchern stehen. Der Anteil dieser ausfallgefährdeten Bankdarlehen oder NPLs (non-performing loans) lag bei den vier systemischen Banken Ende 2019 bei 40, 6 Prozent ihres gesamten Kreditvolumens. Dies ist die weitaus höchste NPL-Rate in der Eurozone: Sie liegt elf mal höher als die Durchschnittsrate von 3,2 Prozent.(3)

Die Gesamtsumme der NPLs wird im Zuge der Corona-bedingten Wirtschaftskrise in allen Ländern ansteigen, aber am stärksten wiederum in Griechenland. Zentralbankpräsident Stournaras hat deshalb das offizielle Reduktionsziel für NPLs bereits nach unten revidiert. Die Banken selbst rechnen damit, dass zu ihren NPL-Beständen in Höhe von 68,5 Milliarden Euro (Ende 2019) bis Ende dieses Jahres noch weitere 10 Milliarden Euro hinzukommen.(4)

Die neuen NPLs betreffen vor allem Bankschuldner, die erst letztes Jahr durch ein staatlich subventioniertes Abzahlungsprogramm unterstützt wurden, das vor allem Erstwohnungen vor der Zwangsversteigerung schützen sollte.(5) Viele dieser säumigen Schuldner werden jetzt auch ihre ermäßigten und gestreckten Tilgungsraten nicht mehr abzahlen können. Hinzu kommt eine neue Generation von Kreditausfällen, vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen, die ihre aufgenommenen Kredite bis vor kurzem noch bedienen konnten. Eine Finanzstudie kommt zu dem Ergebnis, dass jedes eingebüßte BIP-Prozent die Anzahl der neuen NPLs um drei Prozent erhöht. Bei einer Rezession um zehn Prozent würde dies eine Zunahme um ein Drittel bedeuten.

Noch schwerer trifft die vier großen Banken ein weitere Krisenfolge. Bislang hatten sie gehofft, sie könnten auch dieses Jahr große Schwarten ihrer NPL-Bestände in Form von Paketen an Hedgefunds und spezielle Finanzmakler verkaufen. Im Bilanzjahr 2019 hatten sie es geschafft, auf diese Weise ausfallgefährdete Kredite im Nennwert von 13,8 Milliarden Euro zu entsorgen. Diese nicht besonders elegante “Abschiebungsstrategie” wollten die Banken fortsetzen, um mehr Spielraum für sichere und profitable Kreditgeschäfte zu gewinnen. Doch jetzt wird in den kommenden Monaten „ihr Hauptgeschäft darin bestehen, die weitere Ausbreitung notleidender Kredite einzudämmen”. So formuliert es George Georgakopoulos, ein Profi des Krediteintreibungsgewerbes, der die neue Welle von NPLs als “eine andere Erscheinungsform der Epidemie” bezeichnet.(6)

Arbeitslosigkeit und inländischer Konsum

Damit sind wir bei der dritten strukturellen Schwäche der griechischen Wirtschaft. Die absehbaren Einkommenseinbußen reduzieren auch den inneren Konsum. Und dieser Wirtschaftsfaktor macht im Fall Griechenland 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Seit 2017 wurde der zarte Konjunkturaufschwung auch vom inneren Konsum getragen, der 2019 mit 2,7 Prozent stärker zugelegt als das BIP (1,9 Prozent.)

Diese Säule der Stabilität droht nun wieder einzustürzen, nicht zuletzt unter dem Druck der steigenden Arbeitslosenquote. Die wird nach Einschätzung des IWF auf 22,3 Prozent klettern, nachdem sie im April 2020 auf 16.1 Prozent gesunken war. Der Wirtschaftskolumnist Kostas Kallitsis befürchtet sogar einen Anstieg auf 26 bis 32 Prozent, womit der Krisenhöchststand der Arbeitslosigkeit (27,9 Prozent im September 2013) wieder erreicht oder sogar übertroffen würde (Kathimerini vom 3. Mai 2020.) Anders sieht es die griechische Regierung, die sich auch bei der Arbeitslosenquote an eine über-optimistische Prognose von 19,9 Prozent Arbeitslosen zum Jahresende 2020 klammert.

Steigende Arbeitslosenzahlen drücken in Griechenland besonders stark auf die verfügbaren Einkommen, weil nur 15 Prozent der Arbeitslosen überhaupt eine (auf ein Jahr begrenzte) staatliche Unterstützung beziehen. 75 Prozent aller Arbeitslosen sind Langzeitarbeitslose, denen im Rahmen des Corona-Programms jetzt immerhin ein einmaliger „Notzuschuss“ von 400 Euro zugestanden wurde. Die formell noch Beschäftigten, deren Jobs von ihren Arbeitgebern suspendiert wurden, beziehen eine Zuwendung von 800 Euro, die allerdings besser aussieht als sie ist: Die 800 Euro sollen den Lohnausfall für sechs Wochen decken, bedeuten also faktisch die Absenkung des Monatslohns auf 542 Euro.

Einkommensverluste auch der Beschäftigten

Eine Minderung ihres verfügbaren Einkommens droht auch den noch Beschäftigten. Nach einer von Arbeitsminister Vroutsis ausgearbeiteten Rechtsverordnung dürfen die Arbeitgeber in den nächsten (vorerst) sechs Monaten eine „rotierende“ Beschäftigung anordnen. In diesem Fall können die Arbeitnehmer ihren Job nur alternierend, also nur zur Hälfte ausüben – und bekommen natürlich nur den halben Lohn (EfSyn vom 3. Mai 2020). Da nach der Rechtsverordnung ein Arbeitgeber diese „rotierende Beschäftigung“ ohne Begründung und ohne Kontrolle einführen kann, befürchtet Kostas Kallitsis, dass die Kapitalseite dieses Instrument ausnutzen wird, um den Beschäftigten „geräuschlos eine Lohnminderung abzupressen“. Ob und wie die Einkommensverluste für Kurzarbeit vom Staat kompensiert werden, ist noch nicht entschieden. Erste Pläne sehen vor, dass der verlorene Lohnanteil – bis zu einem bestimmten Plafond - zu 60 Prozent durch Zuschüsse ausgeglichen wird. Das würde immer noch Einkommensverluste von mindestens 20 Prozent bedeuten. Wobei die entscheidende Frage ist, wie lange die Teilkompensation gezahlt wird.(7)

Erhebliche Einbußen werden auch viele Freiberufler und Kleinselbständige erleiden, die in der Regel sozial noch schwächer abgesichert sind als die abhängig Beschäftigten. Die einmalige Zuwendung, die diese Gruppe bezieht, kann ihre Verluste bei weitem nicht kompensieren. Und weil ihr Anteil an der Gesamtheit der Erwerbstätigkeit noch immer knapp 30 Prozent beträgt (der weitaus höchste Prozentsatz innerhalb der EU) ist, werden Einkommensverluste der Freiberufler und Kleinselbständigen besonders stark auf das BIP durchschlagen.

Insgesamt werden die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Krise einen Großteil der Bevölkerung treffen. Bei der jüngsten Umfrage (des Instituts Pulse für den Sender Skai TV) lautete die Antwort auf die Frage: „Hat sich Corona-Epidemie auf ihre persönlichen finanziellen Verhältnisse ausgewirkt?“ bei 53 Prozent der Befragten „erheblich“, und bei nur 23 Prozent „wenig oder gar nicht“. Bei einer zweiten Frage, ob sie in den nächsten sechs Monaten finanziellen Auswirkungen erwarten, rechneten 66 Prozent, in der jüngsten Altersgruppe sogar 73 Prozent mit „erheblichen“ Einbußen. Nur 15 Prozent rechnen mit „wenig oder gar keinen“ Einkommensverlusten.

Krisenbranche Tourismus

Alle ökonomischen Folgen der Corona-Krise zusammengenommen (Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, reduzierte Einkommen der Beschäftigten, Existenzvernichtung von Kleinunternehmen und Kleinselbständigen) verdichten sich in einem Sektor, der für die griechische Volkswirtschaft von besonderer Bedeutung ist. Die Tourismus-Branche gilt einerseits als Rückgrat des griechischen Wirtschaftsmodells, andererseits aber auch als seine größte Schwachstelle. Seit Jahren kritisieren die Ökonomen, dass Griechenland viel zu stark vom Tourismus und speziell von den ausländischen Feriengästen abhängig ist. Damit ist gerade dieser Sektor für globale Konjunkturschwankungen besonders anfällig. Das gilt zwar auch für die Schifffahrt und das Transportgewerbe, die für das griechische BIP ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Aber noch entscheidender ist die touristische Branche, die zurecht als die „Schwerindustrie Griechenlands“ bezeichnet wird.

Warum das so ist, zeigen folgende Zahlen: 18 Prozent des BIP wird direkt im Tourismus-Sektor erzeugt; rechnet man die indirekten Effekte (Gaststätten, Einzelhandel,Transport) dazu, kommt man auf fast 30 Prozent. Bei der Beschäftigung liegt der Anteil der Branche bei 20 Prozent, inklusive der indirekt erzeugten Jobs bei fast 40 Prozent.(8) Zudem halten die Gelder, die ausländische Touristen im Land lassen – 2019 waren es 18,2 Milliarden Euro - das griechische Zahlungsbilanzdefizit in erträglichen Grenzen. Aber am allerwichtigsten ist, dass der Tourismus in den letzten Jahren mehr als 50 Prozent des BIP-Zuwachses generiert und damit den Hauptbeitrag zur Überwindung der Krise geleistet hat: Von den 1,9 Prozent, die das BIP 2019 zugelegt hat, geht ein voller Prozentpunkt auf das Konto des touristische Sektors.

Der verlorene Aufschwung

Die ökonomische Erholung, die 2017 eingesetzt hat, geht jetzt durch die Corona-Krise verloren, argumentieren Nick Malkoutizs und Yiannis Mouzakis in einer Analyse mit dem Titel „Recovery Lost“.(9) Sie sagen nicht nur einen Rückgang der Binnennachfrage um mehr als zehn Prozent voraus, sondern auch einen Einbruch der Steuereinnahmen. Das würde die Staatsverschuldung wieder in die Höhe schießen lassen: Der IWF prognostiziert für Ende 2020 einen Anstieg auf 200,8 Prozent des BIP.(10)

Eine solche – oder noch trübere – Perspektive zerschlägt alle Hoffnungen, die sich die Mitsotakis- Regierung für 2020 und die Jahre danach gemacht hat. Diese Erwartungen waren allerdings ohnehin zu optimistisch: Die dem Staatshaushalt 2020 zugrundeliegende Annahme von 2,8 Prozent Wachstum hielten die Experten schon seit Ende 2019 für unrealistisch. Aber jetzt schreddert das Virus alle Planungen und Projektionen zur Makulatur. Für die Athener Regierung kann es in der kommenden globalen Wirtschaftskrise nur noch darum gehen, das Schlimmste zu verhindern.

Bei der überragenden Bedeutung des Tourismus-Sektors steht außer Zweifel, dass die Hoffnung auf eine wenigstens partielle Rettung der Saison ein zentrales Kalkül war, das die Mitsotakis-Regierung zu ihrer radikalen Corona-Strategie gedrängt hat: Je schneller und rigoroser die Maßnahmen greifen, desto eher kann man eine “Öffnung” riskieren, die zumindest einen begrenzten Tourismus zulassen würde.

Dabei hegte die Regierung bis Mitte März noch die Hoffnung, wenigstens “die halbe Saison” retten zu können. Tourismusminister Charis Theocharis sprach von einem “positiven Szenario”, wonach die Gesundheitskrise innerhalb von drei Monaten unter Kontrolle sein werde, sodass die “Kernsaison” Anfang Juli anlaufen könne. Nach einem “negativen Szenario” würde das Land dagegen “noch bis August ohne Tourismus bleiben”.Aber der Minister setzte auf das positive Szenario - mit der autosuggestiven Begründung, wenn sich die Lage nicht bis Juli “normalisiere”, wäre das für die griechische “Schwerindustrie” ein “komplettes verlorenes Jahr” (Kathimerini vom 17. März).

Öffnung der Strände aber keine Normalisierung

Tatsächlich hat dir Regierung Anfang Mai verkündet, dass die Hotels und die Strände Anfang Juli wieder „aufmachen“ können. Doch von einer „Normalisierung“ kann keine Rede sein. Über die Begrenzungen und Auflagen, die das Virus gebietet, wird man – in Brüssel wie in Athen - noch einige Zeit diskutieren. Aber schon jetzt ist klar, dass in Hotel- und Gaststättenbetrieben die Belegung der Zimmer wie der übrigen Räumlichkeiten um mindestens 50 Prozent reduziert werden muss. Und auch die Abstandsvorschriften an den Stränden und die hygienische Wartung des Strandmobiliars werden die Kontingente und damit die Rentabilität einschränken.(11)

Vor diesem Hintergrund ist die Annahme der Regierung, dass die Einnahmen aus dem Tourismus um „etwas mehr als 50 Prozent“ zurückgehen werden, ausgesprochen verwegen. Auf diese Prognose gründet die Regierung auch ihre Annahme einer Rezession um nur 4,7 Prozent des BIP für das Jahr 2020. Weitaus skeptischer als die Regierung und ihr Tourismus-Minister sind die Hoteleigentümer. Sie stehen vor der Frage, ob sich die aufwendigen Investitionen rechnen, die aufgrund der Corona-Anforderungen nötig werden. Viele Besitzer kleinerer Hotels haben angekündigt, dass sie angesichts der vielen Ungewissheiten gar nicht aufmachen werden, weil sie in den ersten Monanten nur „schwere Verluste“ erwarten können. Und der Präsident des griechischen Hoteliersverbands, Grigoris Tasios, spricht ganz offen von einem “schwarzen Jahr” für den Tourismus und setzt seine letzte Hoffnung nur noch “auf Gott und die Lagarde” - also auf kompensatorische Finanzhilfen von der EZB und aus Brüssel. (Kathimerini vom 5. und vom 11. Mai).

Ähnlich sieht es der Verband der Tourismus-Industrie SETE, der für den Hochsommer fast nur mit einheimischen Urlaubern rechnet. Doch angesichts der reduzierten verfügbaren Einkommen werden auch griechische Familien deutlich weniger verreisen und vor allem weniger ausgeben als letztes Jahr. Nur in Nordgriechenland hofft die Branche auf ausländische Touristen aus den Balkanländern, die mit dem Auto anreisen können. Hier erhoffen sich besonders kleinere Hotels von den Urlaubern aus Bulgarien, Serbien oder Nordmazedonien den rettenden „Lebenskuss“ (Kathimerini vom 5. Mai). Allerdings steht Griechenland auf diesen „Absatzmärkten“ in harter Konkurrenz mit den Adrialändern Kroatien und Montenegro.

Der Ausfall der Stammgäste – ein herber Verlust

Aber selbst wenn viele Feriengäste aus den Nachbarländern kommen, werden sie bei weitem nicht so viel Geld ins Land bringen wie Touristen aus den reicheren EU-Ländern. Für diese „Stammgäste“ der letzten Jahre gibt es in der Corona-Epoche ein Nadelöhr auf dem Weg zum Ferienziel Griechenland: den Flugverkehr. Deshalb sieht der SETE-Vorsitzende Yiannis Retsos die europäischen Ferntouristen in größerer Zahl erst ab September eintreffen. Auch in diesem Punkt ist die Regierung Mitsotakis optimistischer. Sie geht zwar davon aus, dass es allgemeine EU-Regeln für diese Reisesaison bis zum Sommeranfang (noch) nicht geben wird, aber sie will mit ausgewählten Ländern “bilaterale” Luftverkehrsabkommen abschließen. Das Tourismus-Ministerium will bis Mitte Juni zu Vereinbarungen mit Ländern kommen, die zwei Kriterien erfüllen: Sie müssen ein “gutes Gesundheitsprofil”, also das Corona-Virus relativ erfolgreich bekämpft haben, und nicht viele Flugstunden von Griechenland entfernt sein.

Mitsotakis spricht inzwischen von „sicheren Korridoren“, die man zwischen diesen auserwählten Ländern und Griechenland schaffen will. Entsprechende Verhandlungen haben bereits mit Israel, Österreich, Tschechien, Dänemark und Norwegen begonnen, auch Deutschland und Russland stehen auf der Wunschliste. Zudem will man mit benachbarten Balkanländern spezielle Abkommen über die sichere Anfahrt mit dem Auto schließen.(12)

Allerdings werden zu den Ländern, die dieses Jahr als Märkte ausfallen, traditionelle Touristenlieferanten wie Italien, Frankreich und Großbritannien gehören. Das macht das Grundproblem deutlich, vor dem die griechische Schwerindustrie steht. Es reicht ja nicht, dass man im Sommer wieder die – wie immer reduzierten - Dienstleistungen von Hotels und Restaurants anbieten kann. Entscheidend ist die Nachfrage, also die Frage: Wer wird überhaupt kommen?

Das betrifft nicht nur die Art des Reisens, die aus epidemiologischer Sicht zu verantworten ist. Noch bedeutsamer ist ein weiterer limitierender Faktor: die ökonomische Entwicklung in den wichtigsten Herkunftsländern. Wenn auch dort die Arbeitslosigkeit steigt und die verfügbaren Einkommen sinken, werden Urlaubsreisen nicht zu den Prioritäten der Deutschen, der Franzosen oder der Engländer gehören, zumal wenn sie mit Mühen und Risiken verbunden sind.

Das epidemiologische Risiko für Griechenland

Ein Risiko haben allerdings keineswegs nur die Reisenden zu tragen. Im Fall Griechenland ist es eher umgekehrt: Touristen aus aller Herren Länder könnten ein Land, das die Corona-Gefahr relativ erfolgreich eingedämmt hat, erneut und massiv infizieren. Die „zweite Welle“, mit der die Experten inzwischen fast überall rechnen, könnte im griechischen Fall von den ausländischen Touristen ins Land getragen werden.

Das befürchtet auch der Chefepidemiologe Sotiris Tsiodras. Er nennt drei Bedingungen für einen dauerhaften Erfolg der griechischen Krisenstrategie. Die beiden ersten gelten für alle Gesellschaften: Die Ansteckungskurve muss einen stetigen Abwärtstrend aufweisen und die Zahl der Tests muss drastisch erhöht werden (13) Die dritte Bedingung ist für Griechenland spezifisch. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass neue Infektionsschübe von außen kommen, mahnt Tsiodras. Gerade weil die griechische Strategie so erfolgreich war, ist diese Gefahr besonders groß: Da die kollektive Immunität in Griechenland weniger entwickelt ist, sind strenge Kontrollen der einreisenden Touristen ein zwingendes Gebot. Nicht umsonst nennt Tsiodras in seinem täglichen Rapport stets die Zahl der Corona-Fälle, die “mit Auslandsreisen zusammenhängen”. Der Anteil dieser importierten Infektionen lag am 10. Mai bei 22,3 Prozent.(14)

Wie solche Kontrollen aussehen könnten, wird derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Die griechische Regierung wird in jedem Fall ihre eigenen Sicherheitsstandards definieren müssen. Nach jüngsten Berichten wird von den ankommenden Fluggästen der Nachweis eines negativen Corona-Tests verlangt, der innerhalb von 3 Tagen vor dem Abflug gemacht und schon beim Einchecken kontrolliert werden muss. Ob auch Tests nach der Ankunft vorgeschrieben werden, dürfte davon abhängen, ob zuverlässige Schnelltests zur Verfügung stehen. Das hat jedenfalls Tourismus-Minister Theocharis in einem Interview mit der FAZ (vom 7. Mai) angedeutet. Und Regierungschef Mitsotakis erklärte gegenüber CNN (am 4. Mai), dass Touristen auch auf griechischem Boden einem sorgfältigen „Monitoring“ unterliegen würden.  Bislang müssen alle nach Griechenland Einreisenden für zwei Wochen in „Eigenquarantäne“ gehen. Dieses Prinzip wird man jedoch gegenüber Ferienreisenden nicht aufrecht erhalten können. Quarantäne auf dem Hotelbalkon ist nicht der “Urlaubstraum”, den sich ausländischen Touristen von Griechenland versprechen.(15)

Die einheimischen Touristik-Unternehmen sind pessimistischer...

Vor dem Hintergrund der verkehrstechnischen wie der ökonomischen Probleme ist das Szenario weit realistischer, das der Verband der Touristik-Unternehmen entwirft. Der SETE geht davon aus, dass ausländische Feriengäste allenfalls ab September anreisen werden. Der Verband prognostiziert für die gesamte Saison 2020, dass die Touristen nur 5,65 Milliarden Euro ins Land bringen werden - nicht einmal ein Drittel der Einnahmen von 2019. Der griechische Hoteliersverband hat eine Umfrage unter seinen Mitgliedern gemacht, demnach rechnen die meisten von ihnen mit einem Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent und mit einem Abbau der Arbeitsplätze um 40 Prozent. Und 65 Prozent der Hotelbesitzer sehen für sich die akute Gefahr eines Bankrotts.(16)

Diese Gefahr ist auch deshalb groß, weil die Experten nach einer verlorenen Saison 2020 nicht mit einer raschen Rückkehr zur “Normalität” rechnen. “Der Aufschwung wird einige Zeit dauern”, meint der SETE-Forschungsdirektor Ilias Kikilias. Deshalb müsse man vor allem dafür sorgen, dass sich “die Erfahrungen der wenigen Besucher” herumsprechen und für die Zukunft auszahlen. Ob das der Fall sein wird, dürfte auch von der Wirksamkeit der Corona-Schutzmaßnahmen in den Hotels und an den Stränden abhängen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Regierung ihr Versprechen einlöst, die Ausstattung der staatlichen Krankenhäuser auch in den Regionen zu verbessern, in denen sich der Massentourismus konzentriert.

… als die Regierung Mitsotakis

Dem Pessimismus der Branche zum Trotz verbreitet die Regierung Mitsotakis einen Optimismus, der wie das Pfeifen im Walde anmutet. Die Botschaft lautet: Mittelfristig hat Griechenland die tollsten Chancen, wenn man es schaffe, das neue “positive Image” produktiv zu nutzen. Das könne gelingen, indem man das “Markenzeichen Ellada” als “sichere Adresse” für Investitionen und Touristen propagiert.(17) Das Tourismus-Erlebnis dieses Sommers könnte zwar „ein bisschen anders“ als gewohnt ausfallen, meinte der Regierungschef am 4. Mai bei CNN, aber Griechenland werde nach wie vor „ein phantastisches Erlebnis“ bieten.

Optimismus verbreitet die Regierung vor allem im Hinblick auf die Touristensaison „im Jahr danach“, für das sie einen glänzenden Aufschwung voraussagt. Damit drückt sie sich um zwei entscheidende Fragen. Erstens wann die globale Rezession zu Ende sein wird und zweitens, was die Post-Corona-Welt für das Massenphänomen Fernurlaub bedeutet. Denn wenn die Rezession länger dauert, werden nicht nur die sinkenden Einkommen den Drang in die Ferne dämpfen. Auch die Regierungen werden ihre Bürgerinnen und Bürger zu „Ferien im eigenen Lande“ auffordern, um den eigenen Tourismus-Sektor zu fördern und inländische Arbeitsplätze zu sichern.

Auf den Glauben an ein touristisches Rekordjahr 2021 stützt sich auch die Botschaft, die Mitsotakis – als wolle er Donald Trump in den Schatten stellen - über die Rückkehr Griechenlands zu einem rasanten Wachstum schon im kommenden Jahr verkündet. Der Regierungschef und sein Finanzminister Staikouras glauben an einen Konjunkturverlauf nach dem berühmten V-Szenario, das täglich mehr Wirtschaftsexperten für illusionär halten.

Unwirkliche Zahlen des Athener Finanzministeriums

Das Athener Finanzministerium hat diesen Optimismus mit prognostischen Zahlen untermauert, die noch weltfremder sind als die Annahmen für 2019.(18) Wobei das Schema leicht zu durchschauen ist, denn bei allen wichtigen Parametern werden die Verluste von 2020 binnen Jahresfrist wie durch Zauberhand wieder ausgeglichen:

- Die diesjährige BIP -Rückgang von 4,7 Prozent wird kompensiert durch die für 2021 prognostizierte Wachstumsrate von 5,1 Prozent;
- die Arbeitslosigkeit für 2020 steigt auf 19,9 Prozent, soll aber 2021 wieder auf 16.4 Prozent, also auf das Niveau von Ende 2019 zurückfallen
- der private Konsum nimmt dieses Jahr um 4,1 Prozent ab, wächst dafür aber 2021 wieder um 4,2 Prozent;
- der Export von Gütern und Dienstleistungen (zu letzterer Größe gehören die Einnahmen von ausländischen Touristen) geht dieses Jahr um 19,2 Prozent zurück, wird aber 2021 um exakt denselben Prozentsatz wieder zulegen;
- die privaten Investitionen schrumpfen 2020 um 4,5 Prozent, gehen aber 2021 raketenartig um 15, 6 Prozent in die Höhe.

Diese Zahlen sind selbst nach Ansicht regierungsfreundlicher Kommentatoren „am äußersten optimistischen Rand der prognostischen Palette platziert“. Unverhohlen kritisch wird der Zahlenzauber des Finanzministeriums vom Griechischen Finanzrat (EDS wie Elliniko Dimosionomko Symvoulio) gesehen. Das offizielle, aber unabhängige Expertengremium stellt vor allem das Szenario einer V-förmigen Wirtschaftserholung in Frage, das auf der Erwartung beruhe „dass die Krise keine langfristigen strukturellen Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird“ und dass ein „sofortiger Neustart“ möglich sei.

Warum das Szenario einer V-Erholung nicht realistisch ist

Der EDS verweist vor allem auf zwei Faktoren, die eine schnelle Erholung erschweren könnten. Da ist zum einen die Gefahr, dass „die Lohnkürzungen dauerhaft werden und folglich der private Konsum nicht das Niveau vor der Krise erreichen wird“. Zum anderen stehe noch nicht fest, wie groß der fiskalische Spielraum der griechischen Regierung für das angekündigte Programm zur Stabilisierung und Wiederbelebung der Wirtschaft sein wird. Denn dieser Spielraum hänge von der konkreten Ausgestaltung des Corona-Krisenprogramms auf EU-Ebene ab.(19)

Die Skepsis des EDS wird von Malkoutzis und Mouzakis geteilt, die davon ausgehen, dass die griechische Wirtschaft „angeschlagen“ aus der Coron-Krise herauskommen wird. Auch Jens Bastian, der die griechische Situation von innen beobachtet, geht von keiner schnellen Wiederbelebung der Wirtschaft aus und bezeichnet die Zahlen der griechischen Regierung als „Gesundbeterei“. Und Poul Thomsen, der Chef der Europa-Abteilung des IWF, erwartet nach der Corona-Krise einen Erholungsprozess, der „langsamer und deutlich langgezogener“ sein wird als in den anderen EU-Ländern.(20)

Wie begründet die Regierung Mitsotakis ihren Optimismus? In erster Linie mit dem „Rettungsprogramm“, das sie schon im März aufgelegt hat und Maßnahmen im Gesamtumfang von 10 Milliarden Euro (oder 5 Prozent des BIP) umfasst, darunter die schon erwähnte Sonderzahlung von 800 Euro für 1,7 Millionen Beschäftigte im privaten Sektor, die Corona-bedingt ihren Job nicht ausüben. Dieses Programm wird auf unbestimmte Zeit weiterlaufen; zudem wird die Regierung noch weitere, vor allem auf den Tourismus zugeschnittene Hilfsprogramme beschließen. Deshalb ist der Gesamtumfang der staatlichen Leistungen heute noch nicht absehbar.

Unklar ist auch noch, wie stark die staatlichen Einnahmen zurückgehen werden, wenn die Regierung die zugesagten steuerlichen Entlastungen beschließt. Als erstes wurde die Reduzierung der Mehrwertsteuer für das Hotel- und Gaststättengewerbe von 13 auf 11 Prozent angekündigt, die allerdings die Hotel- und Touristik-Unternehmen nicht befriedigen wird, die im Hinblick auf ihre Corona-bedingten Investitionen sehr viel größere Erleichterungen verlangen.(21)

Die Corona-Programme der EU – ein zweischneidiges Schwert

Zur Finanzierung ihrer Sonderprogramme kann die griechische Regierung auf Gelder aus den Corona-Programmen der EU zurückgreifen, die noch nicht in allen Einzelheiten ausgearbeitet sind. Aber auch hier steht die Regierung Mitsotakis vor einem Dilemma. Die EU bietet den Mitgliedsländern sowohl direkte Hilfsgelder als auch subventionierte Kreditlinien zur Bewältigung der Corona-Folgen an.(22) Die direkten Finanzhilfen sind vor allem für die am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder gedacht, zu denen Griechenland nicht gehört. Die Kredite sind zwar nicht an Auflagen gebunden, aber das kann sich ändern, wenn ein Land sich insgesamt zu stark verschuldet. Das gilt insbesondere für die Sonderkreditlinie (Enhanced Conditions Credit Line oder ECCL) des ESM, von der Griechenland bis Ende 2022 maximal 4 Milliarden Euro beanspruchen könnte. Finanzminister Staikouras hat aber bereits erklärt, dass das „Basisszenario“ der Regierung keine Nutzung dieser Kredite (mit ermäßigten Zinsen und zehn Jahren Laufzeit) vorsieht. Ob das so bleibt, wenn sich das optimistische „Basiszenario“ als unrealistisch erweist, ließ Staikouras offen. (EfSyn vom 9. Mai).

Die offizielle Linie der Regierung bleibt vorerst, dass man die griechischen Hilfsprogramme vor allem aus den eigenen Rücklagen, dem sogenannten „Kissen“ von 12,3 Milliarden Euro finanzieren will. Das wird allerdings nicht ausreichen, um das neue Haushaltsdefizit abzudecken. Deshalb wird man weitere Ausgaben durch den Verkauf neuer Staatspapiere finanzieren müssen.(23) Das hat eine gewisse Logik, denn die Marktchancen der griechischen Bonds werden aktuell durch drei Entscheidungen auf europäischer Ebene begünstigt, die für das Land vielleicht wichtiger sind als die direkten Kreditangebote.

Erstens wurden die griechischen Staatsanleihen in das Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank aufgenommen, das unter dem Namen PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) läuft. Damit kann die EZB griechische Bonds in Höhe von 12 Milliarden Euro aufkaufen. Das war nach dem bisherigen Quantitive Easing-Programm der EZB nicht möglich, weil die griechischen Papiere von den Rating Agenturen noch als „junk bonds“ eingestuft werden. Zweitens hat die EZB entschieden, dass sich auch die griechischen Banken in Frankfurt mit zusätzlicher Liquidität versorgen können, indem sie griechische „junk bonds“ als Sicherheit hinterlegen. Und drittens hat die EU-Kommission für die Dauer der Corona-Krise die strengen Haushaltskriterien suspendiert, die alle Mitgliedsstaaten zu „schwäbischen Hausfrauen“ umerziehen sollten.

Der paradoxe Kollateral-Nutzen von Corona

Aus Sicht von Athen sind dies positiven Entwicklungen, die ohne Corona nicht eingetreten wären. Zudem hat das Virus auch ein Thema gekillt, das die griechische Haushalts- und Wirtschaftspolitik seit Jahren eingeengt hat. Am 16. März befreiten die Euro-Finanzminister Griechenland von der Verpflichtung, auf Jahre hinaus einen Primärüberschuss im Staatshaushalt erzielen zu müssen. Auch dieses Hindernis für die Entwicklung der griechischen Volkswirtschaft hat das Virus also abgeräumt.

Die bittere Pointe ist allerdings, dass diese positiven Entwicklungen in der Corona-Krise nicht viel bringen. Sie bedeuten zwar für die allernächste Zukunft, dass sich Griechenland auf den Finanzmärkten zu erträglichen Zinsen (von derzeit 2,2 Prozent) langfristige Kredite besorgen kann, wie es der Regierung Mitsotakis vorschwebt. Aber auf mittlere Sicht sind die günstigen Konditionen nicht garantiert. Wenn die Rezession tiefer einschneidet und länger dauert als erwartet, wird Griechenland außerstande sein, sein Krisenprogramm aus dem angesparten „Kissen“ und den verfügbaren EU-Mitteln zu finanzieren. Und wenn die von Mitsotakis beschworene V-Erholung ausbleibt, wird das strukturelle Problem der „notleidenden“ öffentlichen Finanzen wieder gnadenlos zu Tage treten. Dann könnte die griechische Gesamtverschuldung wieder auf 200 Prozent des BIP ansteigen (wie es der IWF für Ende dieses Jahr erwartet). Wenn dann auch noch das griechische Bankensystem an seinen notleidenden Krediten erstickt, werden die internationalen Ratingagenturen das Land erneut abstufen und die Zinsen für griechischen Anleihen in die Höhe treiben.(24)

Vor einer solchen Entwicklung wäre Griechenland nur besser geschützt, wenn in absehbarer Zeit mit irgendeiner Art von Eurobonds zu rechnen wäre. Deshalb gehörte Mitsotakis auch zu den neun Regierungschefs der Euroländer, die zu Beginn der Corona-Krise die Einführung von Corona-Bonds gefordert haben. Vergebens, wie es angesichts des erbitterten Widerstands in Berlin, Wien und den Haag zu erwarten war.

Die Zukunft der Mitsotakis-Regierung

Trotz der ungewissen wirtschaftlichen Perspektiven des Landes ist die Zustimmung zum Kurs der Regierung Mitsotakis in der Corona-Krise ebenso ungebrochen wie die allgemeine Wertschätzung des Ministerpräsidenten. Nach der jüngsten Umfrage (von Anfang Mai) werden „die Entscheidungen und Aktivitäten der Regierung in der Corona-Krise“ von 75 Prozent der Befragten positiv und nur von 20 Prozent negativ bewertet. 51 Prozent halten Kyriakos Mitsotakis für den „geeigneteren“ Ministerpräsidenten, nur 23 Prozent sagen das von Alexis Tsipras. Und bei der Sonntagsfrage würden sich 42,5 Prozent für die ND und lediglich 22 Prozent für Syriza entscheiden.(25)

Die Position der Regierungspartei und insbesondere die des Regierungschefs erscheint heute als unantastbar, die Lage von Syriza und Tsipras als hoffnungslos. Dies wäre für die Regierung eigentlich eine klassische Konstellation, die zu vorgezogenen Neuwahlen einlädt, worüber in den Medien auch schon spekuliert wird. Aber Mitsotakis hat solchen Gedankenspielen, die schon aus epidemiologischen Gründen halsbrecherisch anmuten, eine Absage erteilt. Tatsächlich wird die ND-Regierung mit der Bewältigung der Krise alle Hände voll zu tun haben. Und dabei werden Probleme auf sie zukommen, die auch einer linken Opposition wieder neue Chancen eröffnen. Es sind vor allem drei Themen, die Mitsotakis und die ND in Schwierigkeiten bringen könnten.

Das erste Thema wurde schon angesprochen: das zu optimistische Konjunktur-Szenario einer V-Erholung, das auf ein Gesundbeten der ökonomischen Corona-Folgen hinausläuft. Wenn eine Regierung falsche Hoffnungen forciert, wird die Korrektur durch die Realität sehr schmerzhaft sein. Und die Fallhöhe der Enttäuschung wird sich in einer Unzufriedenheit zeigen, die auch bei Wahlen zum Ausdruck kommen kann.

Die Lastenverteilung als die große soziale Frage

Das zweite Thema ist der Umgang mit den ökonomischen Krisenfolgen und hier vor allem die Verteilung der Lasten. Wenn sich die soziale Ungleichheit weiter vertieft, die schon in den letzten zehn Krisenjahren erheblich zugenommen hat, wird eine radikal wirtschaftsliberale Regierung wie die von Mitsotakis zunehmend Legitimationsschwierigkeiten haben. Zumal die Corona-Krise aufgezeigt hat, wie wichtig das öffentliche Gesundheitswesen ist, das dringend gestärkt werden muss, nachdem es durch neoliberal inspirierte Sparmaßnahmen ausgezehrt wurde.

Wenn Mitsotakis heute als Königsweg aus der Krise immer noch die Förderung von Immobilienprojekten propagiert, die zum Beispiel Golden Passport-Spekulanten aus China anlocken sollen, untergräbt er damit seinen Ruf als fähiger Krisenmanager, den er sich in der ersten Phase der Corona-Krise erworben hat. Was als Antwort auf eine länger anhaltende Wirtschaftskrise gefordert ist, sind nicht Spielcasinos und exklusive Wohnanlagen für die globalen Krisengewinner.(26) Es sind vielmehr zukunftsfähige Investitionen und vor allem öffentliche Projekte, um die einheimische Beschäftigung zu stabilisieren. Diese beiden Maßnahmen schlägt etwa Kostas Kallitsis vor, der von einer Krisenregierung fordert, dass sie sich für die Arbeitslosen mindestens ebenso sehr verantwortlich fühlt wie für die Haushaltsdefizite. So wie die Zentralbank als „lender of last resort“, als Kreditgeber letzter Instanz funktionieren müsse, habe der Staat die Rolle eines „Arbeitgebers der letzten Instanz“ zu übernehmen. Deshalb fordert Kallitsis erstens ein Grundeinkommen für alle Arbeitslosen, und zweitens ein öffentliches Beschäftigungsprogramm (Kathimerini vom 3. und vom 10. Mai 2020).

Die ökonomische Krise wird früher oder später auch in Griechenland die Alternative zwischen neoliberalem Weiterwurschteln und einem neuen Wirtschaftsmodell auf die Tagesordnung setzen. Das kann auch eine neue Chance für eine politische Linke bedeuten, sofern sie konkrete und realistische Konzepte vorlegen kann.

Die Korruption gedeiht weiter

Noch ein drittes Thema könnte für Mitsotakis gefährlich werden: das ewige Übel der Korruption. In der Corona-Krise konnte sich der Regierungschef als Hygienechef und Saubermann darstellen. Aber schon bei der Frage, auf welchem Wege bestimmte staatliche Leistungen verteilt werden, zeigte sich die Korruptionsanfälligkeit von Partei- und Regierungsmitgliedern, die der Modernisierer Mitsotakis auszutilgen versprochen hatte.

Bei der Auszahlung der staatlichen Überbrückungshilfe wurde für bestimmte Freiberufler - etwa Rechtsanwälte, Architektinnen, Buchhalter und Lehrerinnen - ein merkwürdiger Weg gewählt: Die Anspruchsberechtigten sollten sich zu digitalen „Studienkursen“ anmelden, die von ausgewählten privaten Fortbildungsinstituten (griechisch: KEK) angeboten werden.

Dabei sollten von den 192 Millionen Euro, die das Arbeitsministerium für diesen Zweck bereitstellte, 84 Millionen bei diesen „Fortbildungs“-Unternehmen hängen bleiben, sei es als Honorar für die Verwaltung der Daten, sei es als „Studiengeld“ für flüchtig zusammengeschusterte Schnellkurse. Die begünstigten KEKs gehörten zufällig Freunden und Bekannten des Ministers Vroutzis und seiner Umgebung. Die private Fortbildungsbranche ist ohnehin eines der korruptesten Segmente des griechischen privat-public-partnership-Kultur (27), aber dass Kumpane des Ministers als „Zwischenhändler“ bei der Verteilung öffentlicher Gelder engagiert und entlohnt wurden, markierte einen einsamen Gipfel der Günstlingswirtschaft. Nach dem öffentlichen Aufschrei, den die Syriza ins Parlament trug, zog Mitsotakis die Reißleine und stoppte das Programm. Aber zu der von allen Seiten geforderten Entlassung von Vroutzis konnte sich der Saubermann nicht durchringen.

Der Fortbildung-Skandal wird nicht der letzte gewesen sein. Gelegenheit macht Diebe. Im Zuge der notwendigen Unterstützung der vielen Berufs- und Anspruchsgruppen, die in Zeiten der Corona-Krise vor den öffentlichen Kassen Schlange stehen, werden wir in Griechenland noch mehr solcher verfilzten Geschichten erleben. Der Kampf gegen das Virus der Korruption geht weiter.

  

Anmerkungen

1) Stournaras hat dabei alle Prognosen von zehn und mehr Prozent Minus-Wachstum als “sehr extrem” abgewertet. Siehe EfSyn vom 3. Mai, sowie Kathimerini vom 21., 22. und 24. April 2020; die IWF-Prognose findet sich unter: https://www.imf.org/en/Publications/WEO/Issues/2020/04/14/ weo-april-2020.

2) Siehe Jens Bastian, „Eine erste Einschätzung der Covid-19 Pandemie auf die griechische Wirtschaft“ (Ms. Athen April 2020). So auch die Einschätzung von Paul Thomsen, Chef der Europa-Abteilung des IWF in seinem Briefing für die Presse vom 15. April 2020 (https://www.imf.org/en/News/Articles/2020/04/15/tr041520-transcript-of-april-2020-european-department-press-briefing)

3) Die griechische NPL-Zahlen nach den Statistiken der Zentralbank (Bank of Greece). Auf leicht abweichende Zahlen stützt sich der Vergleich in der Financial Times vom 19. April 2020. Siehe auch die Analyse bei Reuters vom 9. April 2020.

4) Kathimerini vom 20. und vom 22. März 2020. Trotz der „großen Unsicherheit“ angesichts der Corona-Krise glaubt Stournaras noch an das Ziel einer Zurückführung der NPL-Anteils auf 20 Prozent des Gesamtvolumens der Bankenkreditbestände bis Ende 2021.

5) Siehe dazu meinen Blog-Text „Die dritte Tsipras-Regierung“ vom 27. Februar 2019.

6) Kathimerini vom 29. April 2020. Georgakopoulos ist Geschäftsführer des griechischen Zweigs von Intrum, einem internationalen Branchenführer im Bereich „Credit Management“, also im Krediteintreibungsgeschäft. Das Unternehmen wurde 1927 in Stockholm gegründet, ist jedoch inzwischen ein echter Multi mit Präsenz in 23 europäischen Ländern. Intrum legt alljährlich den „European Payment Report“ (EPR) vor, eine vergleichende Bilanz der NPLs und der Forderungsausfälle. Im Oktober 2019 gründete Intrum Greece gemeinsam mit der Piräus-Bank ein joint venture für „bad loans“-Management (siehe den Reuters-Bericht vom 3. Februar 2020).

7) Nach dem Bericht der Kathimerini vom 9. Mai 2020 ist diese Frage völlig offen und wird vom staatlichen Finanzierungsspielraum abhängen, der wiederum von der Höhe und Dauer der EU-Zuschüsse (aus dem Programm SEPE) abhängig ist.

8) Die Zahlen stammen vom Forschungsinstitut der Tourismus-Unternehmen (INSETE), zitiert nach Kathimerini vom 19. Mai 2019.

9) Nick Malkoutzis und Yiannis Mouzakis, „Recovery Lost“, FES Briefing der Friedrich-Ebert-Stiftung Athen vom April 2020 (http://library.fes.de/pdf-files/bueros/athen/16136.pdf). Siehe auch Jens Bastian (Anm.2).

10) Das Ansteigen dieser Quote resultiert aus dem Sinken der Staatseinnahmen und dem Schrumpfen des BIP. Zu den Prognosen des IWF (IMF) siehe den Fiscal Monitoring Report vom April 2020 (Grafik: Gross Debt Position). Demnach wird die griechische Gesamtverschuldungsquote Ende 2020 bei 200,75 Prozent und Ende 2021 bei knapp 195 Prozent des BIP liegen. Siehe auch Kathimerini vom 15. April 2020.

11) Siehe die Berichte über verschiedene Denkmodelle für den Tourismus in Zeiten von Corona in Kathimerini vom 20. April und vom 6. und 9. Mai 2020.

12) Berichte in Kathmerini und EfSyn. Besonders ehrgeizig sind die Ziele in Bezug auf Israel, hier ist sogar von einer Million Feriengästen in der Saison 2020 die Rede.

13) Die relativ geringe Zahl der Tests ist der größte Schwachpunkt der griechischen Strategie, wie auch das griechische Pasteur-Institut angemerkt hat (Kathimerini vom 7. April 2020).

14) Die allabendlichen Darlegungen von Tsiodras sind (auf griechisch) auf der Website des Gesundheitsministeriums dokumentiert (https://www.moh.gov.gr/) Bei den Kontrollen von Einreisenden auf den griechischen Flughäfen wurden seit Ende März 5000 Passagiere getestet, von denen knapp 2 Prozent positiv waren. Bei den 36 000 Tests an den Landgrenzen lag der Anteil der positiven Corona-Befunde bei 1,5 Prozent (nach TornosNews.gr vom 6. Mai 2020).

15) Ein besonderes Problem stellen die Inseln dar, die nicht direkt angeflogen werden können. Da auf den Schiffen das Abstandsgebot gelten wird (Kathimerini vom 7. Mai), reduziert sich die Zahl der zugelassenen Passagiere um mindestens 50 Prozent. Da viele griechische Städter auf die Inseln fahren werden, wird die Kapazität in der Hochsaison nicht ausreichen, was ausländische Inseltouristen abschrecken könnte.

16) Zur Studie des Forschungsinstituts INSETE und zur Umfrage des Forschungs- und Prognoseinstitut der Hotelvereinigung (ITEP), siehe die englische Ausgabe der Kathimerini vom 13. und vom 14. April 2020.

17) Siehe den Bericht von Ilias Bellos in: Kathimerini vom 27. April 2020.

18) Siehe EfSyn vom 1. Mai und Kathimerini vom 1. und 5. Mai 2020.

19) Die Stellungnahme des Greek Fiscal Council vom 29. April 2020 auf englisch unter: https://www.hfisc.gr/en/ekfrasi-gnomis/hellenic-fiscal-councils-opinion-macroeconomic-projections-2020-2021-stability

20) Jens Bastian gab dieses Urteil in einem Online-Fachgespräch der Südosteuropa-Gesellschaft am 11. Mai ab. Zu Thomsens Einschätzung siehe Anmerkung 2; offiziell prognostiziert der IWF für 2021 ein Wachstum von 5,1 Prozent, was nur die Hälfte des für 2020 angenommenen Minus-Wachstums ausgleichen würde.

21) Kathimerini vom 11. Mai 2020. Eine Liste aller beschlossenen steuerlichen Erleichterungen auf der website des Finanzberaters Ernest& Young Greece: https://www.ey.com/en_gr/tax/tax-alerts/covid-19-emergency-tax-measures-adopted-in-greece

22) Zu den Komponenten des Hilfsprogramms siehe Malkoutzis und Mouzakis (Anmerkung 9)

23) Siehe Kathimerini vom 5. Mai 2020. Das Finanzministerium geht davon aus, dass das Reservepolster schon Mitte Juni aufgebraucht sein wird. Dieses Polster bzw. „Kissen“ wurde in der Zeit der Syriza-Regierung aufgefüllt. Siehe dazu meinen Blog-Text „Stürmische Märkte“ vom 25. Mai 2018.

24) Diese Gefahr diagnostiziert Ilias Bellos in seiner Analyse der „grauen Zonen des Reset-Szenarios“ (Kathimerini vom 11. Mai); ähnlich argumentiert der Experte Jens Bastian (Anm. 2). Ein Warnsignal war die Tatsache, dass die Zinsen für die griechischen 10-Jahres-Bonds Mitte März schlagartig von knapp 1 auf über 4 Prozent anstiegen und erst wieder auf etwa 2 Prozent zurückgingen, als Griechenland in das Kreditprogramm der EZB aufgenommen wurde.

25) https://www.skai.gr/sites/default/files/attachments/2020-05/pulse%20may%2020.pdf

26) Über den Immobilienwahn siehe meinen Blog-Text „Der attische Leuchtturm des Kyriakos Mitsotakis“ vom 23. Dezember 2019.

27) Das Sündenregister der Branche ist in der EfSyn vom 25. April 2020 nachzulesen.



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