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Ausgabe vom 10. Januar 2019

Das Chamäleon von Mexiko

Seit dem 1. Dezember ist Mexikos neuer Präsident López Obrador im Amt. Amlo, wie er genannt wird, will auf dem alten Sumpf einen neuen Staat errichten.Die Widerstände sind enorm, der Terror der Drogenmafia lässt nicht nach und die Methoden des Präsidenten sind nicht immer demokratisch.

von Sandra Weiss

Keine geraubten Kinder mehr! Schluss mit der Korruption, Todesstrafe für Entführer! Wo ist Karla? Die Spruchbänder der Teilnehmer des Friedensforums von Tlaxcala werfen ein Schlaglicht auf die Abgründe eines Staats, dem schon lange das Gewaltmonopol entglitten ist. Etwa 200 Teilnehmer haben sich im September in der zentralmexikanischen Stadt versammelt. Da ist Olga Tezmol, die seit fast drei Jahren ihre Tochter Karla sucht, die von Frauenhändlern verschleppt wurde. Da sind der Unternehmer Rafael Mendoza, der Schutzgeld bezahlen muss, und Rubén Meneses, dessen Bruder Álvaro entführt und umgebracht wurde. Diese menschlichen Dramen sind das Resultat des andauernden Drogenkriegs in Mexiko.

Nach zwölf Jahren Gewalt, 250.000 Toten und 37.000 Verschwundenen soll jetzt alles anders werden. Das hat der neue Präsident Andrés Manuel López Obrador (Amlo) jedenfalls versprochen. Und deshalb hat er Foren einberufen, wie dieses in Tlaxcala. Er wolle der Gesellschaft zuhören, sagte er, und auf dieser Grundlage eine neue Sicherheitspolitik entwerfen, gemeinsam mit dem Volk, weg von der Militarisierung, weg von der Repression.
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Inhalt

  • Das Chamäleon von Mexiko
    Seit dem 1. Dezember ist Mexikos neuer Präsident López Obrador im Amt. Amlo, wie er genannt wird, will auf dem alten Sumpf einen neuen Staat errichten. Die Widerstände sind enorm, der Terror der Drogenmafia lässt nicht nach und die Methoden des Präsidenten sind nicht immer demokratisch. von Sandra Weiss
  • Google sucht dich
    Willkommen im Überwachungskapitalismus von Shoshana Zuboff
  • Brief aus Beirut
    von Jakob Farah
  • Die Entdeckung der Ungleichheit
    Was ist soziale Gerechtigkeit? Eine kritische Lektüre von Marx bis Piketty von Daniel Zamora
  • Der Staat bin ich
    Wie Präsident Erdoğan mit seinerBeratungsresistenz die Türkei ruiniert von Günter Seufert
  • Auf Kosten der Kurden
    Am 19. Dezember verkündete Donald Trump den Rückzug der US-amerikanischen Truppen aus Syrien. Der Entschluss dürfte das Verhältnis zwischen Washington und Ankara verbessern – und zwingt die syrischen Kurden in ein Bündnis mit dem Assad-Regime. von Tanya Goudsouzian
  • Streit um das Asowsche Meer
    von Igor Delanoë
  • Rumänien auf der Kippe
    Am 1. Januar 2019 hat Rumänien die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Ein Stimmungsbild aus dem fernen Osten der Europäischen Union, wo die Hälfte des nutzbaren Bodens von ausländischen Investoren bewirtschaftet wird, die Kluft zwischen Stadt und Land immer größer wird und ein krimineller Parlamentspräsident die Fäden zieht. von Mathias Greffrath
  • Endstation Tijuana
    Seit Jahrzehnten ziehen Menschen aus Honduras, Guatemalaund El Salvador gen Norden. Die Reise wird immer gefährlicher von Toni Keppeler
  • Wiedersehenin Wigan
    Auf seiner Reise durch Nordengland kam George Orwell 1936 auch in die Bergarbeiterstadt Wigan. Ein Jahr später erschien sein Bericht „The Road to Wigan Pier“ – ein Klassiker der Sozialreportage. Heute sind die Zechen von Wigan schon lange geschlossen und die Armut ist zurückgekommen. von Gwenaëlle Lenoir
  • Japan und der Völkerbund
    Bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 saß Japan mit am Tisch und versuchte, durchaus in eigenem Interesse, ein Verbot der rassistischen Diskriminierung in der Satzung des Völkerbunds zu verankern. Großbritannien war dagegen – und setzte sich durch. von Miho Matsunuma
  • Der dressierte Mensch
    Bis 2020 testet die chinesische Regierung in 43 Kommunen ein ausgefeiltes Sozialkreditsystem. Mit Punktabzug, öffentlichen Demütigungen oder Pluspunkten wird damit über die berufliche Zukunft, den Zugang zu Bildung und Krediten oder die individuelle Reisefreiheit entschieden. von René Raphaël, Ling Xi
  • Alles kommt an die Oberfläche
    Die Zukunft der Gelbwesten ist ungewiss – doch dank ihrer Proteste kennt nun ganz Frankreich die lange Liste sozialer Grausamkeiten der Präsidentschaft Macron von Serge Halimi, Jean-Michel Dumay, Julien Baldassarra
  • Reich und dreckig
    Soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz gehören zusammen – das zeigt der gemeinsame Protest von Umweltschützern und Gelbwesten in Frankreich von Phillipe Descamps
  • Comic - Adam Graff
  • Kunst - Nicole Eisenman

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Februar 2019

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Comic | Adam Graff

Kunst | Nicole Eisenman