11.06.2026

Die US-Basis auf Kreta

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Die US-Basis auf Kreta

von Niels Kadritzke

US-Marine-Standort in der Bucht von Souda ANDREW EDE picture alliance/zumapress/us navy
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Karpathos am 3. März 2026. An der Hafenbucht des Hauptorts Pighadi drängen sich die Menschen, um die Ankunft einer Batterie von Patriot-Raketen zu bestaunen. Ein Konvoi der griechischen Armee transportiert die Komponenten des bulligen Flugabwehrsystems in den Süden der Insel, wo der – auch militärisch genutzte – Flughafen liegt.

Die Aufrüstung einer Insel, die seit Jahren vorwiegend vom Tourismus lebt, ist Teil einer militärischen Kettenreaktion. Auslöser war der Angriff der USA und Israels auf Iran vom 28. Februar. Weder griechische noch andere Nato-Streitkräfte waren an den Luftschlägen direkt beteiligt. Allerdings ist Griechenland stärker als die anderen europäischen Bündnispartner in das militärische Geschehen im Nahen Osten involviert.

Karpathos liegt 300 Kilometer östlich der US-Basis Marathi in der Bucht von Souda auf Kreta. Von hier aus können aus dem Osten anfliegende Drohnen oder Raketen früher erkannt und abgefangen werden. Die Patriots auf Karpathos beseitigten damit einen „blinden Fleck in der Luftverteidigung“ der Militäranlagen auf Kreta, sagt ein griechischer Militärexperte.

Die Bucht von Souda beherbergt nicht nur Militäranlagen der USA. An ihrem Südufer liegt auch eine Basis der griechischen Kriegsflotte, und auf dem Militärflughafen ist ein griechisches Luftwaffengeschwader stationiert. Auch deshalb hat das Athener Verteidigungsministerium am 28. Februar die eigenen Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Hauptzweck des Alarms war jedoch der Schutz der US-Militäranlagen und vor allem der U. S. Navy Base Marathi, die als „operatives Epizentrum“ für die ganze Region ein potenzielles Angriffsziel Irans ist.

Laut einem Factsheet der U. S. Navy ist die Basis in der Bucht von Souda „für jede Machtprojektion der USA im östlichen Mittelmeer und in der Nahostregion“ strategisch wichtig. Sie gilt im Militärjargon als „best in the Med“, weil im Tiefseehafen auch die größten Flugzeugträger andocken können. Zudem hat die U. S. Air Force Nutzungsrechte auf der gleich nebenan liegenden Basis der griechischen Luftwaffe, über die Munition und Proviant eingeflogen werden können.1 Von hier starteten während des Irankriegs im Juni 2025 Tankflugzeuge vom Typ KC-135, die während der zwölftägigen Operationen die über den Atlantik anfliegenden B-2-Bomber der U.S. Air Force versorgten. Damals diente die US-Basis in Kreta als „logistischer Knotenpunkt für die Operationen gegen Iran“, wie ein griechischer Militärexperte in der Kathimerini am 1. Juli 2025 erklärte.

Auch in den Wochen vor dem 28. Februar 2026 hatten die US-Aktivitäten in der Bucht von Souda deutlich zugenommen. Der Flugzeugträger „USS Gerald Ford“ lag auf seinem Weg in Richtung Osten mehrere Tage lang in Marathi; weitere Schiffe der U. S. Navy wurden nach Kreta beordert, um mit Munition versorgt zu werden.

Strategischer Partner für den Irankrieg

Die US-Basis Souda Bay ist für den Irankrieg ähnlich wichtig wie die US-Basis Ramstein in Deutschland. Die Frage, ob US-Basen auf fremdem Territorium einer „völkerrechtlichen Zensur“ durch die „host nation“ unterliegen, stellt sich auch für die Anlagen in der Bucht von Souda.2 Zwischen den US-Basen in Rheinland-Pfalz und auf Kreta gibt es jedoch zwei wichtige Unterschiede. Erstens liegt Kreta innerhalb der Reichweite möglicher iranischer Gegenangriffe; zweitens geht der militärische Beitrag Griechenlands zum Schutz der US-Basis ein erhebliches Stück weiter. Deshalb wurde Athen auch vorab über den Angriff auf Iran informiert.

Am 27. Februar, einen Tag vor dem Angriff, traf sich Außenminister Gerapetritis mit seinem Kollegen Rubio im Weißen Haus. Laut Protokoll ging es bei dem Treffen um „die Spannungen mit Iran“. Allerdings sei ein „operational timetable“ nicht besprochen worden, ließ das griechische Außenministerium erklären. Dem steht entgegen, dass die Patriot-Batterie der griechischen Luftwaffe, die in der US-Basis Souda Bay stationiert ist, bereits vor Kriegsbeginn aktiviert wurde – in Koordination mit den dort stationierten US-Luftabwehrsystemen.

Diese Einbindung in das Alarmsystem lässt die Versicherung der Mitsotakis-Regierung, man sei in die Operationen gegen Iran „in keinerlei anderer Weise involviert“, einigermaßen unglaubwürdig erscheinen. Denn natürlich diente der griechische Beitrag zu einem „Schutzschirm“ für die Souda Bay der Operationsfähigkeit einer US-Militäranlage, die für die Kriegsführung eine zentrale Rolle spielte. Das versuchte Gerapetritis mit der Erklärung zu verschleiern, die Basis habe eine „vorwiegend logistische“ Funktion und sei „für offensive Operationen eher ungeeignet“. Dazu bemerkte der Militärexperte Ilias Mitrousis: „Die Unterscheidung zwischen logistischer Unterstützung und operativer Beteiligung ist eine, die ein Gegner eher ignorieren wird.“

Wie steht es um die Rechtsgrundlage für die Nutzung von Souda Bay für den Angriff auf Iran? Um einen Nato-Bündnisfall handelt es sich nicht. Jedoch unterhält Griechenland seit 1990 ein bilaterales Mutual Defense Cooperation Agreement (MDCA) mit den USA, das die Kooperation jenseits der Nato-Strukturen regelt. Im letzten Report über die „Sicherheitspartnerschaft zwischen den USA und der Hellenischen Republik“, die das US-Verteidigungsministerium (wie es damals noch hieß) am 10. Juli 2025 präsentierte, heißt es prägnant: „Das MDCA zeugt von der immer engeren Verteidigungspartnerschaft zwischen beiden Ländern und verbessert die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, im gesamten östlichen Mittelmeer, in Südosteuropa, in Osteuropa und im Nahen Osten zu operieren.“

Auf dieser Basis wurde die US-Militärpräsenz auf griechischem Boden in den vergangenen drei Jahren erheblich ausgebaut. Vor allem um den Hafen Alexandroupolis in Thrazien, wo eine „Souda Bay des Nordens“ entstehen soll. Die Hafenstadt nahe der Grenze zur Türkei ist zugleich ein zentraler Anlaufpunkt für die LNG-Tanker aus den USA. Von hier soll das Frackinggas zukünftig ganz Ost- und Südosteuropa versorgen.

Die Regierung Mitsotakis bezeichnet es als großen Erfolg, dass sich Griechenland zum strategischen Hub für die US-amerikanischen Energieexporte entwickelt hat. Die wachsende energiepolitische und militärstrategische Bedeutung des Landes für die USA ist auch der Grund, warum die Athener Regierung zuversichtlich ist, dass Griechenland von der von Trump angekündigten Reduzierung der US-Truppen in Europa nicht betroffen sein wird.

Niels Kadritzke

1 Siehe die offizielle Website der U. S. Navy zu Souda Bay (mit Karte).

2 Zur rechtlichen Bewertung siehe www.monde-diplomatique.de/blog.

Le Monde diplomatique vom 11.06.2026, von Niels Kadritzke