11.06.2026

Buenos Aires – Schauplätze sozialer Verwüstung

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Buenos Aires – Schauplätze sozialer Verwüstung

von César González

Inflation in der Metzgerei RODRIGO ABD picture alliance/ap
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Es ist acht Uhr abends an einem heißen, schwülen Donnerstag im April. Die große Fleischerei, die eine ganze Straßenecke im Viertel Libertad in Merlo im Westen der Metropolregion Buenos Aires einnimmt, ist leer. Die drei Angestellten machen einen übellaunigen und verärgerten Eindruck. Die Arme auf die Kühltheken gestützt, starren sie auf ihre Handys und nach draußen, als warteten sie auf Kunden. Es kommen keine.

Ihre Schürzen sind zu weiß und die Vitrinen voller Fleisch; an diesem Tag wurde hier nicht viel verkauft, und das bisschen, was verkauft wurde, waren die billigsten Stücke aus dem Angebot. Kunden, die noch kiloweise kaufen, sind die Ausnahme, heutzutage ist es eher üblich, dass einzelne Scheiben verlangt werden. „Geben Sie mir zwei Schnitzel aus der Lende.“ „Eine nicht so dicke Scheibe aus der Hüfte, bitte.“

Argentinien gehört traditionell zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Fleisch weltweit.1 Die asados, Grillfeste mit riesigen Mengen Fleisch, zu denen an den Wochenenden die Familie oder der Freundeskreis zusammenkommt, gehören zur kulturellen Identität wie Fußball oder Tango.

Draußen vor der Fleischerei in Merlo sind auf Wandtafeln in großen weißen Lettern Fleischstücke angeschrieben, die bis vor Kurzem am wenigsten gefragt waren, etwa Beinscheibe, Leber oder Roastbeef. Vorher wurden auf denselben Tafeln und zu bezahlbaren Preisen Filetsteak, Rippchen und Bries angeboten, die absolut notwendigen Bestandteile für ein argentinisches asado.

Es gibt kaum seriöse Untersuchungen oder Statistiken zu diesem Thema, aber eines ist offensichtlich, wenn man in den Arbeitervierteln des Großraums Buenos Aires unterwegs ist: Die Leute essen weniger und schlechter.

Die libertäre Verwüstung, die Präsident ­Javier Milei dem Land beschert hat,2 zeigt sich deutlich in der schlechteren Versorgung mit Lebensmitteln. Was sich bis gestern noch wie eine vorübergehende Krise anfühlte, erscheint heute als ein Dauerzustand, kein Ende ist in Sicht.

Bis vor Kurzem hing jeden Sonntag eine Rauchwolke über den Arbeitervierteln, Familien kamen zusammen, und es duftete überall nach vollgepackten Grills. Jeder Maurer konnte sich das von seinem Lohn leisten. Es konnte an allem Möglichen fehlen, aber sonntags wurde gegrillt. Heute gibt es diese Rauchwolke nicht mehr, und man kann ganz genau sagen, von welchen ein oder zwei Häusern noch der Geruch von Grillfleisch in die Luft steigt. Im Viertel wird das Glück von Familien, die sich so einen wahnsinnigen Luxus leisten können, von vielen gefeiert – und sie werden auch beneidet. Innerhalb eines Jahres haben sich die Preise für Rindfleisch mehr als verdoppelt.3

Indio betreibt seit 25 Jahren einen Gemüse­laden in der Siedlung Villa Carlos Gardel, einem Armenviertel von Los Palomares. Seinen Spitznamen verdankt der 50-Jährige seiner dunklen Hautfarbe. Im Wahlkampf 2023 hat der glühende Antiperonist mit Leidenschaft für Javier Milei geworben. Heute ist er traurig und enttäuscht. Man könne Politikern eben nichts glauben. Auch er erzählt, dass es bei ihm zugeht wie in der Fleischerei: Die meisten Kunden kaufen nicht mehr nach Gewicht. Sie kaufen eine Kartoffel, eine Zwiebel, eine Banane, ein Ei. Wenn er abends zumacht, warten schon eine Menge Leute darauf, in den Resten nach Essbarem zu suchen, in den Abfällen, die oft schon verfault und schimmlig sind.

Ein paar Straßen weiter zeigt sich ­dasselbe Bild vor der Bäckerei Santa Lucía in Villa Sarmiento, an der Zufahrtsstraße zur Autopista del Oeste. Hier warten Menschen in einer fünfzig Meter langen Schlange auf Brot, das an diesem Tag nicht verkauft wurde: Mütter mit Kleinkindern, Rentnerinnen und Rentner, arbeitslos gewordene Menschen.

Die Angestellten der Bäckerei erzählen, dass bislang immer dieselben zwei oder drei Leute kamen, um nach Ladenschluss die übrig gebliebene Ware zu holen. Inzwischen gibt es sogar Streit, weil die Reste nicht für alle reichen.

In einer anderen Bäckerei, im historischen Viertel Constitución, sah ich, wie groß der Mangel ist: Ein gut gekleideter, etwa 70-jähriger Mann kommt herein, holt ein Bündel kleiner Banknoten aus der Tasche. Zwanzig-, Fünfzig- und Hundertpesoscheine (100 Pesos entsprechen etwa 6 Eurocent). Er fängt an zu zählen und fragt die Verkäuferin, was eine einzelne factura kostet (so werden verschiedene süße Gebäckstücke genannt).

Ihm wird klar, dass sein Geld nicht reicht, ich biete ihm an, für ihn zu bezahlen, er lehnt ab, ich beharre, die Verkäuferin will es ihm schenken, aber der alte Herr antwortet: „Nein, meine Liebe, ich will nichts geschenkt, ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, und wenn das nicht reicht, dann möchte ich auch nichts.“ Als wir zu zweit darauf bestehen, gibt er nach und nimmt drei facturas mit, dankbar, aber mit gesenktem Kopf.

Während ich diesen Artikel schreibe, taucht eine Meldung in den Medien auf, dass eine Fleischerei in Trelew in der Provinz Chubut angesichts der steigenden Preise jetzt Eselfleisch anbietet.

Alles, was sich gegen Essen tauschen lässt

Im Jahr 1903 schrieb der Schriftsteller Jack London in seiner Reportage „The People of the Abyss“4 über einen mehrwöchigen Aufenthalt im Londoner East End, wo Anfang des 20. Jahrhunderts die Unterschicht lebte. Jack London hatte sich als Landstreicher verkleidet und erfuhr am eigenen Leib, wie es sich auf der Straße oder in den heruntergekommenen, völlig überfüllten Arbeiterasylen lebt, umgeben von Seuchen und hungernden Menschen.

Einmal erwähnt er eine „Grütze“ aus „drei Maß Hafermehl in dreieinhalb Eimern warmen Wassers verrührt“. London gesteht, dass er vor Ekel kaum etwas davon hinunterkriegt, stellt aber fest, dass Hunderte von Menschen im Viertel die Grütze in Sekundenschnelle, und ohne zu zögern, verschlingen. Es ist das Einzige, was für sie zu haben ist.

Solche Schilderungen von Armut und Hunger in der Hauptstadt des damaligen Britischen Weltreichs sind zwar zeitlich und räumlich weit von der aktuellen argentinischen Wirklichkeit entfernt, aber auch sie erzählen vom sozialen Verfall.

Jack London berichtet, dass es eine der Hauptaufgaben der Londoner Polizei sei, Obdachlose zu verjagen, die in Gängen und Haustüren schliefen; man verschließe vor ihnen sogar „die Parks, offenbar in der Absicht, sie am Schlafen zu hindern“. So müssten sie „die ganze Nacht auf der Straße herumlaufen“ und könnten immer nur ein paar Minuten im Freien schlafen, bis sie von einem Polizeistiefel getreten und zum Weitergehen gezwungen würden.

Im Großraum Buenos Aires sieht man heute dort Obdachlose auf der Straße schlafen, wo vorher nie welche waren, nicht einmal in den Krisenjahren der 1990er mit der Hyperinflation. Menschen schlafen auf den Gehwegen der Arbeiterviertel. In diesen Vierteln gehen die Nachbarn, nicht gewöhnt an diese neue Realität, zu den Menschen hin und reden mit ihnen, oft bringen sie ihnen Essen, Kleidung oder Geld und verhelfen den umherziehenden Bettlern zu einem Dach über dem Kopf, wenigstens vorübergehend.

In den Armenvierteln gibt es trotz allem noch Gemeinschaftssinn. Das bedeutet aber auch, dass niemand das Recht darauf hat, als Individuum für sich allein zu sein oder sich unter dem Dach der Familie abzuschotten. Die Probleme jedes Haushalts sind für alle sichtbar, alle kennen sie, jede Familie weiß, wie es finanziell um die Nachbarn steht.

Der Befund wiederholt sich: Die Mütter und Väter, die vielen Spezialisten, die in Tischlereien, auf dem Bau, in Klempner- und ­Malerbetrieben, in der Gastronomie und im Einzelhandel ar­beiten, haben immer weniger zu tun. Und weder mit großem Einfallsreichtum noch mit heldenhafter Willenskraft lässt sich das Elend über­winden.

Man möchte sich ja gerne abrackern, aber es gibt einfach keine Jobs. Man will ja gerne Extraschichten schieben, aber man bekommt sie nicht. Bis vor Kurzem hörte man noch Sprüche wie: „Jeder kommt voran, wenn er nur will, es hängt von dir selbst ab, Arbeit gibt es genug.“ Aber heute ist kaum jemand noch so optimistisch, der Ton ist überall düster, geklagt wird viel.

Der Mythos vom alles vermögenden Unternehmertum löst sich in Luft auf und verliert seine zielgerichtete Kraft. Viele junge Leute gründeten alle Arten von Unternehmen – Männer machten Frisiersalons auf, junge Frauen Nagelstudios, viele verkauften Essen oder handelten mit Klamotten – und mussten aus Mangel an Kundschaft aufgeben.

Aber Menschen, die in der Unterschicht aufgewachsen sind, lassen sich nicht so leicht unterkriegen; Not gehört zu ihrem Leben, sie ist mal mehr, mal weniger groß auf der Messlatte des Unglücks, doch da ist sie immer. Ein Maurer, der keine Arbeit findet, fängt eben an, auf der Straße Tortillas zu verkaufen oder chipá, ein traditionelles Gebäck aus Tapioka und Käse. Oder irgendetwas anderes, das sich auf der Straße verkaufen lässt. Oder er läuft stundenlang herum und bietet sich in den besseren Vierteln für Gartenarbeiten oder sonstige Jobs an. Frauen legen endlose Kilometer zurück und klingeln an vielen Türen, um einen Job als Putzfrau oder Kindermädchen zu finden. Oder sie bitten auf der Straße um Spenden oder Almosen.

Und alle Welt bietet irgendwas auf Facebook Marketplace an, Tauschhandel überall, direkt oder online. Es ist nicht wie in den 1990ern, als man technische Geräte oder Haushaltsgegenstände getauscht hat. Heute tauscht man Bücher, Kleidung, alles Mögliche – ausschließlich gegen Essen.5

Zu behaupten, der Hunger sei in die Arbeiterviertel von Buenos Aires zurückgekehrt, ist vielleicht methodisch zweifelhaft, aber leugnen kann man es auch nicht. Bedürftige Fami­lien bekommen heute ein minimales Kindergeld („­Asignación Universal por Hijo“) und eine Lebensmittelkarte, um Grundnahrungsmittel kaufen zu können. Aber man muss weder Ökonom noch Soziologe sein, um zu sehen, dass diese Hilfen nicht ausreichen, um den Bedarf an Proteinen für einen ganzen Monat zu decken.

Damit kommt man nicht mal mit den allerbilligsten Marken bis zum Monatsende zurecht. Neue Kleidung ist zum Luxus geworden. Und manche Leute werden unfreiwillig abstinent, weil sie sich selbst die lausigsten Bier- und Weinsorten, die neuerdings massenhaft im Angebot sind, nicht mehr leisten können.

Sogar der illegale Drogenhandel muss sich an die Krisenwirtschaft anpassen. Es gibt weniger Drogenkunden, und die kaufen weniger, weshalb die Dealer zu Innovationen beim Angebot gezwungen sind: Kokain wird preisgünstiger und immer mehr gestreckt, und der Konsum von Crack und Paco (Kokainpaste), den billigeren Drogen, hat massiv zugenommen.

In manchen Vierteln werden Kokaintütchen für 1000 Peso angeboten, die gerade mal für eine halbe Nase reichen und die die Süchtigen trotzdem noch einteilen, damit sie länger etwas davon haben. Der Mainstreamjournalismus und die Linksliberalen glauben ja, dass der Drogenhandel die Geißel der ärmeren Viertel sei, weil damit die Arbeiterkultur verlorengehe und die Kids herausgefunden hätten, dass man mit dem Dealen Geld machen könne.

Aber heutzutage ist auch an schnelles Geld nur schwer zu kommen. Neue Straßendealer zu rekrutieren, ist eine Investition, die sich für Drogenhändler nicht mehr so leicht auszahlt.

Gemeinschaftssinn gibt es noch unter den Armen, aber es gibt auch eine gefährliche Zunahme von Gewalt. Vor ein paar Wochen kam heraus, dass einem Polizisten der Taktischen Einheit für Soforteinsätze (UTOI) vorgeworfen wird, er habe den Fahrer einer Fahrdienst-App ermordet, um dessen Auto zu stehlen.6

Zwei Männer derselben sozialen Klasse: Der eine hat sein Leben verloren, und der andere wird lebenslänglich im Gefängnis sitzen.

Wenn ein Angehöriger einer hoch qualifizierten Polizeieinheit sich gezwungen sieht, einen prekär beschäftigten Arbeiter aus seiner eigenen Nachbarschaft zu berauben, ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wozu diejenigen imstande sind, die keine sichere Arbeit haben.

Für einen kurzen Moment das Elend besiegen

Kurz nach diesem Vorfall versammelten sich Angehörige der Federales, der nationalen Polizeikräfte, um gegen ihre niedrigen Gehälter zu protestieren und der Regierung eine entsprechende Petition zu überreichen. Doch die Einsatzkräfte, die mit der historisch harten Lebensrealität der Arbeiterschicht konfrontiert sind, sind dieselben, die durch die Straßen der Armenviertel ziehen und junge Menschen quälen – wie besessen von einem Hass, der sich zusammensetzt aus der ausdrücklichen Anordnung der Regierung, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu unterwerfen, und der individuellen Frustration, das eigene Leben für einen Hungerlohn zu riskieren.

Auch das Gegenstück zur Figur des Polizisten, der viel beschriebene pibe chorro, das Straßenkid mit kriminellen Neigungen, gewinnt mit der Inflation an Bedeutung und verkörpert auf unangenehme Weise den Zustand unserer Na­tion. Die bewaffneten Überfälle auf Fahrer von Fahrdienst-Apps haben in den Armenvierteln aller großen argentinischen Städte zugenommen.

Jugendliche überfallen Fahrer von Uber, ­Didi, Cabify, Pedidos Ya oder Rappi, um ihnen das Auto zu klauen, das Motorrad oder das ­Fahrrad. Die Opfer kommen in vielen ­Fällen aus ­derselben Nachbarschaft wie die ­Diebe.

Dabei werden von den erbeuteten Autos meist nur einzelne Teile verkauft. Entgegen den Vorstellungen gewisser linker Kreise, die hinter jedem pibe chorro gleich „Drogenbanden“ oder „die Polizeimafia“ vermuten, hat ein 13- oder 14-Jähriger, der ein Auto klaut, gar nicht die Kontakte, um es im Ganzen an eine professionelle Organisation zu verschieben.

Die Kids aus diesen Vierteln leben in einer wirtschaftlichen Notlage, wie auch ihre Familien und Nachbarn. Sie bekommen die Nachrichten mit, sie leben nicht in einer Parallelwelt und sind auch nicht naiv. Sie stehlen ein Auto und verkaufen im günstigsten Fall die Reifen, die Batterie und ein, zwei andere Teile. Und auch für ein ganzes Motorrad bekommt man auf dem Schwarzmarkt nicht besonders viel.

Was für die Jugendlichen zählt: wenigstens für einen kurzen Moment das Elend zu besiegen. Sie sind nicht so gelassen und geduldig wie die Älteren. Das Leben, auch wenn es kurz ist, fühlt sich mit dem Gefühl, etwas zu besitzen, besser an. Selbst wenn dieser Besitz vergänglich und es sein Preis ist, anderen oder sich selbst Schaden zuzufügen – manchmal bis zum Tod –, sind sie bereit, ihn zu bezahlen. Wenn es schon keine Zukunft gibt, dann soll es wenigstens eine Gegenwart geben, eine flüchtige.

Die unteren Schichten fangen an, die Regierung für ihre Lage verantwortlich zu machen. Das hat sich bei den Kommunalwahlen in der Provinz Buenos Aires im September 2025 gezeigt und auch bei den Parlamentswahlen im Oktober. Die Partei La Libertad Avanza (LLA) von Präsident ­Milei, die 2023 bei den Armen gute Ergebnisse erzielte, ist diesmal schlechter weggekommen. In fast allen informellen Siedlungen im Großraum Buenos Aires hat sie viele Stimmen ver­loren.7

Mileis Aura des Neuen ist dahin, er ist nicht mehr lustig und auch kein querschießender Verrückter mehr; inzwischen ist er völlig normal, und in den Zügen und Bussen, wo er vorher bejubelt wurde, reden die Arbeiter jetzt andauernd über die Fälle von Korruption. Ein großer Teil der Unterschicht glaubt Milei nicht mehr, aber für wen man stimmen würde, wenn morgen Wahlen wären, ist unklar.

Brenda ist eine junge Mutter zweier Töchter, die in Villa Carlos Gardel lebt. 2023 hat sie voller Begeisterung Milei gewählt. Bei den Provinzwahlen am 7. September hat sie für die Peronisten gestimmt, weil sie von Milei enttäuscht war. Ohne Arbeit und mit Schulden hat sie es finanziell gerade schwer. Am 26. Oktober gab sie ihre Stimme dann doch wieder Milei: „Mir haben viele gesagt, es geht alles den Bach runter, wenn die Peronisten wieder gewinnen.“

Das jetzige Ausmaß der sozialen Verwüstung ist alarmierend. Wenn das Land nicht schnell aus dieser Krise herauskommt, wird es schwierig wiederaufzubauen, was kaputtgegangen ist. In der Zwischenzeit laufen wir alle Gefahr, auf der Straße Opfer von Gewalt zu werden.

Manche glauben vielleicht, sie seien sicher, wenn sie sich zu Hause einschließen. Aber nichts kann ihnen garantieren, dass nicht immer mehr Menschen zu allem bereit sein werden – so wie in anderen Ländern Lateinamerikas.

Das argentinische Kapital begeht einen Fehler, wenn es zulässt, dass das soziale Gefüge so tiefgreifend zerstört wird, und es eine armenfeindliche, fremdenfeindliche und korrupte Regierung stützt.

1 „Meat Consumption by Country 2026“, World Population Review (Zahlen von 2022).

2 Siehe Eva Tapiero, „Zustimmung und Wut“, LMd, Juli 2025, sowie Alan Pauls, „Argentinien – ein Splatterfilm“, Juni 2024.

3 José Giménez und Mariana Leiva, „La carne aumentó casi el ­doble que la inflación y cayó el consumo: las razones detrás de este ­fenómeno“, Chequeado, 16. April 2026.

4 Die deutsche Übersetzung erschien unter dem Titel: „Menschen der Tiefe“, übersetzt von Erwin Magnus, Berlin (Universitas Verlag) 1928. Frei verfügbar auf projekt-gutenberg.org.

5 Vgl. den Eintrag in der Gruppe „compra y venta ruta 3 la ­ferrere casanova san justo km“, Facebook Marketplace, 24. März 2025.

6 Esteban Mikkelsen Jensen, „Matan a un docente que trabajaba ­como chofer de una app de viajes: su pasajero, un policía, preso por el crimen“, Clarín, 15. März 2026.

7 „Las villas porteñas son nac&pop: ganó el peronismo en la 31, la 21-24 y Ricciardelli“, El Grito del Sur, 20. Mai 2025.

Aus dem Spanischen von Inka Marter

César González ist Schriftsteller und Filmemacher aus Villa Carlos Gardel. Autor u. a. von „El niño resentido“ (2023) und „Rengo yeta“ (2025), beide bei Reservoir Books.

© LMd, Cono Sur; für die deutsche Übersetzung LMd, Berlin

Le Monde diplomatique vom 11.06.2026, von César González