Konkurrenz um Kongos Mineralien
China ist schon da und die USA kommen gerade zurück
von Fanny Pigeaud

Am 3. Februar 2026 verkündete der Schweizer Konzern Glencore, er werde das US-Konsortium Orion CMC mit 40 Prozent an seinen Minen in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) beteiligen. Das Konsortium öffentlicher und privater Geldgeber war erst wenige Monate zuvor, im Oktober 2025, auf Initiative der Trump-Administration gegründet worden. Gleichzeitig meldeten die kanadischen Ivanhoe Mines, sie stünden bereit, künftig „Project Vault“ – das US-Programm für strategische Reserven – mit Zink aus ihrer Kipushi-Mine zu versorgen.
Am 4. Februar nahm der kongolesische Präsident Félix Tshisekedi am internationalen Gipfeltreffen zu kritischen Mineralien teil. Diese Mineralien heißen so, weil bei ihnen das Risiko von Lieferengpässen besonders hoch ist und es keine gangbaren Alternativen gibt. Im Anschluss stellte US-Präsident Trump beim alljährlichen National Prayer Breakfast den Gast aus der DR Kongo als besonders wichtigen Verbündeten vor.
Die USA verfolgen parallel zwei Ziele: Erstens wollen sie die als strategisch wichtig eingestuften Lieferketten sichern und zweitens versuchen sie zu verhindern, dass China „seine Präsenz noch weiter ausbaut“, wie der Experte für China-Afrika-Beziehungen beim China Global South Project, Christian Géraud Neema Byamungu, erläutert.
Während der Coronapandemie hatte sich gezeigt, wie sehr die US-Industrie bei der Versorgung mit kritischen Mineralien von Peking abhängig ist. Die Biden-Administration hatte beunruhigt festgestellt, dass China „inzwischen wesentliche Teile der Wertschöpfungskette vom Abbau bis zur Verarbeitung kontrolliert; fast 60 Prozent der Bergbauproduktion, über 85 Prozent der Veredelungskapazitäten und mehr als 90 Prozent der Permanentmagnet-Herstellung“.1
Seit durch die Energiewende der industrielle Bedarf weltweit gestiegen ist, nimmt sich die DR Kongo wie Ali Babas Schatzkammer aus: Hier liegen nicht nur 70 Prozent der globalen Kobaltvorkommen, sondern auch Gold, Diamanten, Zink, Mangan, Nickel, Zinn, Wolfram, Tantal und Lithium.
Die USA waren schon lange in der Bergbauindustrie Kongos aktiv gewesen, zogen sich aber in den 2000er Jahren nach und nach zurück, weil ihnen die Produktionskosten zu hoch schienen und das reformierte Bergbaugesetz nicht passte. Zu dieser Zeit setzte sich China in dem Land fest, das nach zehn konfliktreichen Jahren dringend Mittel für den Wiederaufbau brauchte.
Anstelle der kleinteiligen, an Bedingungen geknüpften Hilfsangebote des Westens bot China massive, schnelle und direkte Finanzspritzen – ohne politische Forderungen zu stellen. 2007 schlossen Kinshasa und Peking das Abkommen „Mineralien gegen Infrastruktur“: Als Gegenleistung für den Zugang zu den Kupfer- und Kobaltvorkommen im Südosten des Landes finanzierte China Straßen, Krankenhäuser und Schulen. Schritt für Schritt baute es seine Stellung aus – bisweilen sogar mit unfreiwilliger Unterstützung der USA.
Für Gracelin Baskaran vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) war es einer der „handelspolitisch zweifellos gravierendsten Fehler, den sich die USA in Afrika geleistet haben“, dass der finanziell klamme Rohstoff-Multi Freeport-McMoRan 2016 seine Anteile an einer der weltweit größten Kobalt- und Kupferminen – Tenke Fungurume – an China Molybdenum (CMOC) veräußerte.2
Nach US-Informationen befinden sich in der DR Kongo „bis zu 80 Prozent der Produktion kritischer Mineralien im Besitz chinesischer Unternehmen oder werden von ihnen betrieben“. Ein großer Teil davon wird zur Verarbeitung nach China transportiert.3
Um den Export aus Kongo in westliche Länder zu erleichtern und ein Monopol Pekings auf die kritischen Mineralien und die Hauptrouten in der Region zu verhindern, finanzierten die USA 2022 gemeinsam mit der Europäischen Union die Wiederherstellung des Lobito-Korridors. Diese Eisenbahnstrecke verbindet Sambia und die DR Kongo mit Angola.4
Als China Mitte 2025 seinen Export von seltenen Erden und Permanentmagneten drosselte und die US-Industrie damit in große Schwierigkeiten brachte, intensivierte die Trump-Regierung ihre Bemühungen.

Schürfen im Kriegsgebiet Kivu
Dabei war die Verschlechterung der Sicherheitslage in der DR Kongo für die US-Interessen paradoxerweise von Vorteil, weil sie dadurch diplomatisch punkten konnten.5 Präsident Tshisekedi war nämlich äußerst skeptisch, ob Ruandas Einflussnahme im Ostkongo – den Provinzen Nord- und Süd-Kivu – durch afrikanische Vermittlungsbemühungen beendet werden könnte.
Darum wandte er sich schließlich an Washington. Er hoffte auf einen „transaktionalen Umgang der neuen US-Regierung mit Afrika“, wie Daniel van Dalen erklärt, Analyst beim südafrikanischen Beratungsunternehmen Signal Risk.
Am 4. Dezember 2025 unterzeichneten Ruandas Präsident Kagame, Tshisekedi und Trump in Washington ein Vertragspaket, das nach der Logik „Sicherheit gegen Mineralien“ funktioniert und auch als Friedensabkommen firmiert.
Vereinbart wurde unter anderem eine strategische Partnerschaft, die US-Unternehmen zu Vorzugsbedingungen mit Mineralien versorgen soll und eine gemeinschaftliche Bewirtschaftung des Bergbausektors vorsieht. Eine der ersten konkreten Umsetzungen dieser Übereinkunft ist die geplante Transaktion zwischen Glencore und Orion CMC.
Weitere Initiativen laufen bereits: Das – unter anderem von Jeff Bezos und Bill Gates finanzierte – Start-up KoBold Metals erhielt die Abbaurechte für Lithium in Manono im Südosten Kongos. Im Januar schickten die kongolesischen Vertreter ihren Ansprechpartnern in den USA eine Liste der staatlichen Mangan-, Kupfer-, Kobalt- und Lithium-Minen, die für Investoren zur Verfügung stehen.
China nehme die Konkurrenzsituation „geopolitisch anders wahr“ als der Westen, meint der Experte C. Geraud Neema Byamungu. Es sitze in der DR Kongo fest im Sattel und die Kongolesen hätten nicht die Absicht, Chinas Interessen infrage zu stellen. „Es gibt keine Anzeichen für Expansionspläne seitens chinesischer Unternehmen: Ihre Schürfrechte sind ausgesprochen rentabel. Die Bewirtschaftung der vorhandenen Minen und die Laufzeitverlängerung ihrer Projekte haben für sie Priorität“, erläutert der Analyst.
„Wir spüren bei den Chinesen keinerlei Beunruhigung“, bestätigt ein anderer Beobachter: Im Gegenteil, sie bezweifeln sogar, dass die Amerikaner in der Lage sein werden, sich dauerhaft zu etablieren. „China ist klar im Vorteil: Es weiß genau, wie die einheimischen Eliten ticken, und es hat einen größeren finanziellen Spielraum und mehr Handlungsoptionen.“
Die US-Unternehmen werden zwar von ihrer Regierung unterstützt, aber ihnen fehlt die Erfahrung mit Großprojekten in Afrika. Mangels eingespielter Lieferketten und stabiler Beziehungen zu lokalen Partnern werden ihre Bauvorhaben mit Sicherheit nur langsam vorankommen und kostspielig werden. Hinzu kämen die Unwägbarkeiten in der US-Innenpolitik, meint der Südafrikaner van Dalen: „Wenn die Republikaner nach den Zwischenwahlen im Kongress keine Mehrheit mehr haben, werden die Finanzierung der Projekte und das Partnerschaftsabkommen eingehend unter die Lupe genommen. Auch dadurch wird sich deren Umsetzung verzögern.“
In mancher Hinsicht erinnert das Tauziehen um die DR Kongo an die Konfrontation der beiden Machtblöcke im Kalten Krieg. Schon damals war der Kongo wegen seiner Bodenschätze und der strategischen Lage in der Mitte des Kontinents eines der begehrtesten Länder Afrikas. Die Westmächte setzten alles daran, den sowjetischen Einfluss fernzuhalten und ihren Zugang zu den kongolesischen Rohstoffen zu behalten.
Patrice Lumumba, der erste Ministerpräsident nach der Unabhängigkeit Kongos 1960, war fest entschlossen, die Interessen seines Landes zu schützen, und bezahlte dafür mit seinem Leben.6 Die belgische Kolonialmacht und die USA orchestrierten erst seinen Sturz und dann seine Ermordung am 17. Januar 1961.
Dass es in der heutigen Situation mehrere Partner gibt, ist einerseits von Vorteil für das Land. Andererseits besteht die Gefahr, dass die 110 Millionen Kongoles:innen von der Ausbeutung ihrer Bodenschätze kaum etwas haben werden. Zumal der intensive Rohstoffabbau die Umwelt- und Lebensverhältnisse vor Ort belastet.7 Bei alldem ist absehbar, dass sich durch die Steuerungsmechanismen, die mit den USA vereinbart wurden, der wirtschafts- und außenpolitische Handlungsspielraum der DR Kongo noch mehr verengt.
Schlüsselrolle für Ruanda
Die Gleichung sähe anders aus, wenn sich die Sicherheitslage im Osten durch Washingtons Engagement spürbar verbessern würde. Momentan ist das aber eher nicht der Fall. Der Krieg gegen die von Ruanda unterstützte M23-Miliz in Kongos Osten hat sich seit der Unterzeichnung des Washingtoner Abkommens sogar wieder intensiviert. Die Zahl der Vertriebenen, die zuletzt stark gesunken war, steigt wieder an. Zudem wurde die Lage in der nordöstlichen Provinz Ituri gar nicht in den Blick genommen: Hier haben die mit der Terrororganisation IS verbündeten Allied Democratic Forces (ADF) eine Schreckensherrschaft errichtet.
Der Analyst van Dalen sieht angesichts der aktuellen Konfliktdynamik wenig Chancen, dass das Washingtoner Abkommen die Region stabilisieren kann, solange die USA und andere Partner keine konkreten Maßnahmen gegen die Einmischung Ruandas ergreifen, das sich zudem seinerseits bedroht sieht. Ob die Anfang März verhängten US-Sanktionen gegen die ruandischen Streitkräfte und deren Führung – Stabschef Vincent Nyakarundi, Generalmajor Ruki Karusisi, Generalinspekteur Mubarakh Muganga sowie der Leiter der Spezialkräfte Stanislas Gashugi – Kagame beeindrucken werden, ist ebenfalls fraglich.
Noch skeptischer ist Zobel Behalal von der Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC): Möglicherweise werde das Abkommen ohnehin vor allem den US-Interessen zugutekommen und diejenigen Staaten und politisch-wirtschaftlichen Netzwerke stärken, die schon jetzt vom Krieg im Ostkongo profitieren.8
Durch das Washingtoner Vertragspaket wird Ruanda jedenfalls eine Schlüsselrolle übertragen bei der Verarbeitung und dem Export der Mineralien aus dem Osten, konstatiert Frédéric Mousseau, politischer Direktor des Oakland Institute.
Ruandas informelle Tätigkeiten in den von der M23-Miliz kontrollierten Gebieten in Nord- und Süd-Kivu wurden damit quasi institutionalisiert. Präsident Kagame, der auch zu China enge Beziehungen pflege, habe „gute Karten, sich Nord- und Süd-Kivu anzueignen – was er allem Anschein nach anstrebt, auch wenn das dem unterzeichneten Abkommen teilweise widerspricht“.
Innerhalb der US-Regierung gehen die Meinungen dazu auseinander. Die Diplomat:innen suchen nach einer dauerhaften Lösung des Konflikts, während Trumps einflussreiches Umfeld eigene finanziellen Ziele verfolgt, wie eine gut unterrichtete Quelle berichtet. „Alle werden viel Geld verdienen“, hatte Donald Trump bei der Unterzeichnung der Verträge bekanntlich gesagt.
Dass eine Lösung des Konflikts zwischen Tshisekedi, Kagame und der M23 glaubhaft Priorität bekommt, ist vorstellbar, wenn sich Trumps Kreise auch für die strategischen Ressourcen in den umkämpften Gebieten interessieren. Und das scheint bereits der Fall zu sein: Auf das Coltan aus der von den Rebellen kontrollierten Mine Rubaya in Nord-Kivu, wo zuletzt bei zwei Erdrutschen im Januar und Anfang März hunderte Menschen ums Leben kamen, hat der Investor Gentry Beach schon ein Auge geworfen: Trumps Freund und Geschäftspartner soll bereits über die Schürfrechte verhandeln.9
4 Siehe Anne-Cécile Robert, „Neue Schienen für Ost-Afrika“, LMd, Februar 2019.
5 Siehe Eric Kennes und Nina Wilén, „Niemals Frieden im Ost-Kongo?“, LMd, Mai 2024.
7 Siehe „Floués! La ruée vers les minéraux critiques en RDC“, Oakland Institute, 1. Oktober 2025.
Aus dem Französischen von Andreas Bredenfeld
Fanny Pigeaud ist Journalistin.


