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Sonderfall Südafrika

Kann die Republik Südafrika dem territorialen Zerfall etwas entgegensetzen, der den afrikanischen Kontinent bedroht? Der Staat ist durch den Verwaltungsapparat der Apartheidära strukturiert und zugleich durch die Zerschlagung des rassistischen Regimes legitimiert. Er verfügt über riesige Reichtümer und profitiert von der Instabilität seiner Nachbarn wie Mosambik und Simbabwe, die zu abhängigen Märkten werden. Außerdem zieht Südafrika viele Vorteile aus der Zugehörigkeit zu den Brics-Staaten, gemeinsam mit Brasilien, Russland, Indien und China. 2013 wird Pretoria die Mitglieder dieses losen Bündnisses zum Gipfeltreffen empfangen und den Abschluss von Wechselkursvereinbarungen vorschlagen.

Dem Kameruner Politologen Achille Mbembe zufolge ignoriert die Regenbogennation zunehmend die Staatsgrenzen und trägt damit zu ihrem Verschwinden bei. Das Land dominiert ökonomisch die ganze Region. Südafrikanische Sicherheitsfirmen etwa expandieren sogar bis nach Mali, Ghana und Guinea. Die Unternehmen des Landes beteiligen sich weltweit an offiziellen wie inoffiziellen Waffengeschäften.

Südafrika positioniert sich als Hegemonialmacht auf dem Kontinent. Im Juli setzte sich Nkosazana Dlamini-Zuma, die frühere Ehefrau von Staatspräsident Jacob Zuma, bei der Wahl zur Kommissionsvorsitzenden der Afrikanischen Union gegen den Gabuner Jean Ping durch. Es war ein harter Kampf, bei dem Pretoria hemmungslos seinen Einfluss ausnutzte und die „Vorteile“ seiner Freundschaft geltend machte. Mbembe zufolge befindet sich die „virtuelle Grenze“ Südafrikas mittlerweile auf der Höhe von Katanga im Südwesten der Demokratischen Republik Kongo.1 Sie reiche bis ins Einzugsgebiet des Indischen Ozeans und Asiens.

Zugleich zeugen jedoch soziale Spannungen, wie sie sich jüngst in der Unterdrückung des Streiks von Marikana2 und vor einigen Jahren in den gewalttägigen Reaktionen auf den Zustrom von Migranten aus benachbarten Ländern gezeigt haben, von beträchtlichen Problemen – ebenso wie die Machtkämpfe innerhalb der Regierungspartei ANC oder die Korruptionsvorwürfe gegen Präsident Zuma. Die Zukunftsaussichten des Riesen sind also nicht ungetrübt.

Fußnoten: 1 Achille Mbembe, „Vers une nouvelle géopolitique africaine“, in: „Afriques en renaissance“, Manière de voir, Nr. 51, Mai/Juni 2000. 2 Siehe Greg Marinovich, „Menetekel für Südafrika“, Le Monde diplomatique, Oktober 2012.

Le Monde diplomatique vom 14.12.2012,