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Teodors Honig

Teodors Honig

In Rumänien produzieren Millionen Kleinbauern für den Eigenbedarf. Die EU will das ändern von Pierre Souchon

Auf der Hut vor Radarfallen braust der Chauffeur des Landwirtschaftsministeriums über die Landstraße. Am Fuß der Karpaten hat das US-Unternehmen Pioneer mit unauffälligen Pfostenschildern seine Genmaisfelder markiert. Stahlkolosse, Skelette der Schwerindustrie, stehen verlassen inmitten Hunderter Hektar, auf denen Agro Invest Getreide anbaut. Der rumänische Agrargigant verkündet auf riesigen Plakatwänden sein neuestes Projekt: die Eroberung der Schwarzerde, eines der fruchtbarsten Böden Europas.

„Schauen Sie!“, ruft Gabriel Garban, Pressesprecher der staatlichen Agentur für ländliche Entwicklung: „Da sind sie!“ Am Rande der Nationalstraße ragen die Schornsteine eines Michelin-Werks empor. Ein Stück weiter kreist ein Turmfalke über einem vielleicht siebzigjährigen Bauern, der im Gras sitzt; neben ihm liegt seine Sense. Er hält ein Buch in der Hand und hebt gelegentlich den Kopf, um nach seiner einzigen Kuh zu schauen. „Der Mann bildet sich“, meint Garban, und man denkt an den Ausspruch des rumänischen Philosophen Lucian Blaga: „Die Ewigkeit wurde auf dem Land geboren.“

Als wir nach Sercaia im Landesinneren kommen, scheint die Ewigkeit eher kräftig aufs Gaspedal gedrückt zu haben. „Die Karawane des Nationalen Ländlichen Entwicklungsprogramms kommt in dein Dorf!“, verkündet ein Plakat an der Rathaustür. Unter einer Zeltplane im Fußballstadion von Sercaia stoßen wir auf sechs „Europäisierungsbeauftragte“ in blauer Uniform, die ihre Powerpoint-Präsentation zur „Finanzierung eines Milchviehbetriebs“ auf eine Großleinwand projizieren.

Rumänien erhält seit 2007 Gelder aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds Eler, der unter anderen auch diese Initiative unterstützt. Dreieinhalb Millionen Rumänen, die auf weniger als einem Hektar Land Subsistenzwirtschaft betreiben, sollen Unternehmer werden. Der Anteil der Bauern an der Gesamtbevölkerung hält hier den europäischen Rekord: 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, 1989 waren es 28 Prozent. Im Zuge der Deindustrialisierung nach dem Zusammenbruch des Ceaucescu-Regimes sind viele Rumänen aufs Land zurückgekehrt. Die bäuerlichen Kleinstbetriebe verfügen im Schnitt nur über eine Anbaufläche von 2 Hektar (in Deutschland sind es durchschnittlich 59 Hektar), und die ergeben noch nicht einmal ein geschlossenes Feld, sondern sind häufig über ein größeres Gebiet verteilt.

„Der Schäfer, den wir eben gesehen haben, ist ein typischer Fall. Er ist nicht wettbewerbsfähig“, schimpft Garban. „Wie soll man mit fünf Litern Milch pro Kopf und Tag den europäischen Markt erreichen?“ Die richtige Antwort darauf lautet: Indem man die Powerpoint-Präsentation verfolgt, wie die etwa dreißig Zuschauer aus Sercaia. „Es ist sehr wichtig, die Meinungsführer zu überzeugen. Hier sind der Pfarrer und der Lehrer gekommen“, freut sich Garbans Kollegin Catalina Musat.

Auf der Leinwand erscheinen die „wirtschaftlichen und finanziellen Zielvorgaben“, die es einem Bauern ermöglichen sollen, mit einer Investitionssumme von 23 754 Euro, davon 7 400 Euro nicht rückzahlbare staatliche Zuschüsse, in fünf Jahren 24 000 Kilo Tomaten zu produzieren. „Die Kleinbauern, die so weitermachen wollen wie bisher, sind nicht die potenziellen Subventionsempfänger. Wir wenden uns eher an Personen, die ein Business aufbauen wollen“, erklärt Catalina Musat.

Wie etwa Alexandru Stramtu. Der 31-jährige Agraringenieur führt uns durch seine junge Plantage mit Bioheidelbeeren. Die EU hat sein 300 000-Euro-Projekt zur Hälfte finanziert, die andere Hälfte musste er selbst stemmen. „Ich habe mich verschuldet, aber das Geschäft läuft gut. Ich verkaufe alles an eine portugiesische Firma, die meine Heidelbeeren nach Deutschland und Chile liefert. Manchmal begegne ich meinen Beeren auch hier in Rumänien wieder!“ – „Aber der Transport in die ganze Welt ist doch nicht besonders ökologisch für einen Biobetrieb?“ – „Das ist mir ehrlich gesagt egal.“

Am nächsten Tag, am Rande von Barla in Südrumänien, begrüßt uns Hadi Khoury. Der junge Libanese ist Geschäftsführer der rumänischen Haditon-Gruppe: „Willkommen auf meinem Hof!“ Er reicht mir einen weißen Overall: „Ziehst du den bitte an?“ Seine 120 000 Hühner, die in den vier Gebäuden einer ehemaligen LPG1 untergebracht sind, sollen sich keine Krankheitserreger einfangen.

Gemeinsam mit zwölf weiteren Unternehmern, die zumeist aus dem Nahen Osten stammen, produziert Khoury ein Viertel aller in Rumänien verzehrten Eier. „Wenn du keinen EU-Stempel vorweisen kannst, gucken dich die Banker erst gar nicht an. Aber wenn du ihn hast, dann kommen sie!“ Eler hat die Renovierung von Khourys Hof mit einer Million Euro gefördert. „Rumänien ist genial“, freut sich der junge Investor. Die alten kommunistischen Gebäude hätten ihn fast nichts gekostet. Seine 25 Angestellten verdienen nur einen Hungerlohn.

Zwei Hühner, drei Kühe und zu Weihnachten ein Schwein

„Das einzige Problem sind die Polen.“ – „Machen die Ihnen Konkurrenz?“ – „Unfaire Konkurrenz. Sie haben andere Hygienevorschriften, und sie bekommen mehr Subventionen als wir. Das ist das Problem mit Europa: In Sachen Modernisierung und Geld ist es prima, aber wir stehen alle miteinander im Wettbewerb.“

Am Abend sitze ich in einem 60 Quadratmeter großen Hotelzimmer mit Marmorbad in einer menschenleeren Pension, die mit Unterstützung des ELER eröffnet wurde. Beim Wein erzählen Gabriel Garban und Catalina Musat von ihren Eltern, von Beruf Physiker und Modedesignerin, die damals vom Land in die Stadt gezogen waren, obwohl die gospodarie, der Bauernhof, in der rumänischen Gesellschaft nach wie vor eine wichtige Rolle spielt.

Haus, Hof, Nebengebäude und ein Stück Garten: Ion Neagu, der Chauffeur des Landwirtschaftsministers, hat die von seinen Eltern geerbten drei Hektar Land an einen Bauern verpachtet, der sie in einem Verband2 bewirtschaftet. „Ich würde lieber in Paris betteln gehen, als hier auf dem Land zu arbeiten“, sagt Neagu. Der Hotelkoch ist entsetzt, als er das mitbekommt: „Ich kümmere mich selbst um meine Gospodarie. Ich mag meine Schweine, Hühner und Kühe. Wie sollte ich sonst zurechtkommen, ich habe doch nur während der Saison Arbeit!“

Die junge Kellnerin ist wiederum glücklich, dass sie von der Gospodarie ihrer Eltern profitieren kann, aber sie würde für kein Geld der Welt einen Spaten in die Hand nehmen: „Dafür ist mir mein Rücken zu kostbar.“ Chauffeur Neagu möchte dagegen gern seinen Lebensabend auf dem elterlichen Hof verbringen, denn „dort ist mein Herz“.

300 Kilometer entfernt, weit weg von der PR-Karawane des „Ländlichen Entwicklungsprogramms“, lebt auch Teodor Vingarzan vom Subsistenzanbau. Sein Sohn Lucian, ein ausgebildeter Ingenieur, ist auf dem Familienhof in Vintu de Jos geblieben. Er möchte ihn lieber erhalten, als bestenfalls 300 Euro im Monat in der Stadt zu verdienen. Im Stall zeigt mir der junge Mann seine drei Kühe. Er melkt die älteste und hält mir eine Schale warmer Milch hin: „Da hast du die Modernisierung“, scherzt er und spült die Schale unter dem Wasserhahn aus. „Wir haben erst seit kurzer Zeit fließend Wasser!“ Die Familie Vingarzan nutzt den Mist ihres Viehs, um das Getreide zu düngen, das wiederum nur die Kühe fressen: „Wir haben Milch und Eier und zu Weihnachten ein Schwein.“

Wer ist schuld an diesem Subsistenz-Elend? „Das ist diese verdammte Europäische Union“, schimpft Vater Vingarzan. Sein Ältester ist in die USA ausgewandert, weil er keine Arbeit fand. „Unsere Produkte sind ausgezeichnet, alles bio. Aber wir werden mit Produkten aus Westeuropa überschwemmt! Die Bauern dort bekommen viel mehr Subventionen, sie haben Maschinen, und ihre Produkte sind viel billiger als unsere. Ich kann hier alles anbauen, aber ich werd’s nicht los. Gehen Sie hier mal in den Supermarkt: Die Kartoffeln kommen aus Italien, Deutschland oder Frankreich.“

Dabei hatte Teodor Vingarzan einst an die EU geglaubt: In den Wochen nach Ceausescus Sturz ist er in den Westen gereist und hat in Belgien, Frankreich und Österreich moderne Bauernhöfe besichtigt. Damals war er sich ganz sicher. Er würde die endlich zurückerstatteten Ländereien der Familie vergrößern und Maschinen anschaffen. Der Betrieb würde florieren. Aber heute fühlt er sich verraten.

Achim Irimescu, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, sieht in der Selbstversorgerkultur erstaunlicherweise große Vorteile: „Sie spielt eine ganz wichtige Rolle in unserer Gesellschaft“, erklärt er uns in seinem Bukarester Büro. „Wenn wir die nicht hätten, wären Massen von Menschen arbeitslos und bräuchten staatliche Hilfe, um zu überleben.“ Dennoch will Irimescu die Kleinbauern mithilfe der EU-Programme wettbewerbsfähig machen: „Die Leute, die keine Anträge stellen, sterben langsam aus. Das sind mehrheitlich alte Bauern ohne Nachfolger. So löst sich das Problem von ganz allein.“

Die diesbezüglich ergriffenen Maßnahmen sind jedoch alles andere als natürlich – Anhebung des Schwellenwerts für Agrarflächen, um überhaupt Subventionen zu bekommen, Investitionen, die ausschließlich an den Erwerb größerer Flächen von Grund und Boden gekoppelt sind. Seit Verabschiedung dieser Gesetze ist die Zahl der Empfänger von direkten staatlichen Hilfszahlungen um 300 000 gesunken.

Wettbewerbsfähigkeit ist das Leitmotiv jeder wirtschaftlichen und finanziellen Beratung für Landwirte. Zerstreute Parzellen, schwache Produktivität und unterentwickelte Mechanisierung sind laut Cristina Pocol von der Agrarwissenschaftlichen Universität Cluj die „rumänischen Handicaps“. Ihr Vorbild ist eine Apfelplantage, die sie im Fernsehen gesehen hat: „Eine Riesenfläche, alles computergesteuert, wettbewerbsfähige Produkte – das ist der Weg, den wir gehen müssen.“

Tiberiu Biris hat es versucht, nachdem er sich zuvor in China und Deutschland umgesehen hatte. Er baute in Blaj eine Imkerkooperative auf und versorgte 200 Imker mit neuester Technologie. Heute produziert die Kooperative jährlich 400 Tonnen Honig, fast die gesamte Menge wird exportiert. „Leider können sich die Rumänen den rumänischen Honig nicht leisten“, bedauert Teodor Parau, Besitzer von 200 Bienenstöcken. Gekauft wird der Honig von den großen Importeuren aus dem Westen. Doch die drücken immer mehr die Preise. Biris fürchtet, dass seine Kooperative bald dichtmachen muss. Dabei bestreitet niemand, dass sein Honig wettbewerbsfähig ist: Das Kilo kostet ungefähr halb so viel wie westeuropäischer Honig.

Das ist schon paradox, was die neoliberale Agrarpolitik hervorgebracht hat: Die rumänische Landwirtschaft gewinnt Marktanteile im Ausland, aber für die eigene Bevölkerung sind ihre Produkte zu teuer. Der von der EU geförderte freie, tatsächlich jedoch arg verzerrte Wettbewerb hat zum Aufschwung einer Investorenlandwirtschaft geführt: In den vergangenen zehn Jahren sind fast eine Million Hektar, 6,5 Prozent der Agrarflächen3 , in die Hände ausländischer Geldgeber gelangt. Diese Konzentration setzt sich weiter fort, befördert von EU-Subventionen, niedrigen Bodenpreisen und geringen Lohnkosten.

Ende 2013 legte die Regierung einen Gesetzentwurf vor, der den Landverkauf komplett liberalisieren soll. Ein Jahr zuvor musste sich Landwirtschaftsminister Daniel Constantin noch dafür rechtfertigen, dass er mehrere 100 000 Euro von einem der führenden Agroindustriellen geliehen hatte.4 Zwei seiner Vorgänger, Valeriu Tabara und Stelian Fuia, waren zuvor Angestellte des US-Multis Monsanto gewesen.

Die Interessenkonflikte liegen auf der Hand, und die politische Linie ist klar erkennbar: Als Gegenleistung für zwei Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in den Jahren 2009 und 2011 strich Bukarest 200 000 Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst, kürzte die Beamtengehälter um ein Viertel und erhöhte die Mehrwertsteuer von 19 auf 24 Prozent.5 Die Situation am Arbeitsmarkt, auf dem meist nur schlecht bezahlte Jobs zu haben sind, drängt viele Rumänen zur Auswanderung: 2007 arbeiteten etwa 12 Prozent der Rumänen im Ausland, meist in gering qualifizierten Jobs.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU empfiehlt Rumänien genau die gleichen Maßnahmen, mit denen in den 1960er Jahren in Westeuropa die Landwirtschaft modernisiert wurde. Doch damals war die Frage der Selbstversorgung geregelt, der Arbeitsmarkt konnte die gering qualifizierten Kräfte vom Land absorbieren, viele ehemalige Bauern haben in der Stadt einen sozialen Aufstieg erlebt.

Im Rumänien des 21. Jahrhunderts verstärken die vom Ländlichen Entwicklungsprogramm vorgeschlagenen Verträge – die Bauern müssen sich einzeln an eine Behörde wenden, die ihnen ein Projekt finanziert – die bestehenden Ungleichheiten zwischen Regionen mit großen und kleinen Höfen und zwischen Subsistenzbauern und industriellen Agrarbetrieben, die nur darauf aus sind, europäische Hilfsgelder zu beantragen. Niemand stört sich daran, dass hier schon einmal Propheten einer neuen Wirtschaftsweise über die Dörfer gezogen sind: Ab 1948 hatte die Propagandaabteilung der KP eine „kinematografische Karawane“ durchs Land geschickt, die zunächst sowjetische, dann einheimische Filme zeigte, in denen die Vorzüge der Kollektivierung angepriesen wurden.6

Cezara Fit, Geschichts- und Musiklehrerin am Gymnasium von Alba Iulia, steht in ihrem Garten und blickt auf etwa 30 frisch geschlachtete Hühner. Es macht sie immer noch traurig, die Tiere zu töten. Ihr Mann Iosif, Mitglied der rumänischen Komponistenvereinigung, stellt hauseigene Produkte auf den Tisch: Tomaten, Gurken, Rotwein und Tuika (Pflaumenschnaps). „Unser herrliches einheimisches Gemüse, das die alten Frauen auf dem Markt verkaufen, ist viel zu teuer“, beklagt sich Cezara Fit. „Das Gemüse im Supermarkt ist noch erschwinglich, aber es kommt von weit her und steckt voller Chemie.“

Daher hat das Paar beschlossen, das eigene Gemüse und Geflügel zu züchten, womit sie auch einer ihrer Töchter helfen, die ebenfalls Lehrerin ist und von den 180 Euro Gehalt ihre Rechnungen nicht begleichen kann. Die von den internationalen Finanzinstitutionen verordnete Sparpolitik fördert also letzten Endes die Selbstversorgung – in Griechenland sind seit den „Rettungsplänen“ des IWF bereits Zehntausende Stadtbewohner aufs Land zurückgekehrt.7 Komponisten und Lehrer als Feldarbeiter – das hätte sich nicht einmal Ceausescu vorstellen können.

Die Bauern schimpfen, aber Brüssel ist zufrieden

Wie viele Rumänen ist auch das Ehepaar Fit angewidert von der Verkommenheit der politischen Klasse. Iosif glaubt, nur eine „malthusianische Katastrophe“8 könne das Land aus dem Schlamassel befreien. Und der alte Kleinbauer Teodor Vingarzan wünscht sich gar die „Rückkehr zur Monarchie“. Angesichts der allseits beklagten Korruption besteht tatsächlich nur wenig Hoffnung, dass der Staat die wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen wird. Kein Wunder, dass Präsident Traian Basescu der Korruption offiziell den Kampf angesagt. Dabei hatte er im Sommer 2012 sein Amt vorübergehend niederlegen müssen, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, er habe politische Verbündete vor Strafverfolgung geschützt und ausgerechnet die Antikorruptionsbehörde überwiegend mit seinen Anhängern besetzt.

Doch die Europäische Kommission, die Bukarest gelegentlich wegen der missbräuchlichen Verwendung von EU-Hilfsgeldern tadelt, ist mit der bisher eingeschlagenen Richtung durchaus einverstanden: „Der Eintritt in die Europäische Union […] wurde von weitreichenden Reformen begleitet, die zur Modernisierung des Landes beigetragen haben. Davon konnten die rumänischen Bürger profitieren“, verkündete Ende 2012 EU-Präsident José Manuel Barroso.9 Und der IWF findet, die mit Rumänien geschlossenen Verträge seien „von Erfolg gekrönt“.10

Diese hervorragenden Ergebnisse werden geholfen haben, den ehemaligen Landwirtschaftsminister Dacian Ciolos 2009 zum EU-Agrarkommissar zu ernennen. In dieser Funktion hat er die jahrelangen Verhandlungen zur Reform der EU-Agrarpolitik geführt, die 2013 abgeschlossen wurden. Ciolos wollte mehr Ökologie auf den Feldern und weniger Direkthilfen für ländliche Großbetriebe, aber er konnte sich nicht durchsetzen – Rumäniens Bauern haben wenig Grund, auf ihren Vertreter in Brüssel stolz zu sein.

Fußnoten: 1 Die staatlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften wurden mit der Landreform von 1991 aufgelöst. 2 Die Landreform sollte der Zersplitterung der Ackerflächen nach dem Ende der Kollektivierung entgegenwirken und ermöglichte mehrere Formen von Gemeinschaftsunternehmen: Handelsgesellschaften, Familienunternehmen und rechtsfähige „landwirtschaftliche Verbände“ mit variablen Mitgliederzahlen. 3 Judith Bouniol, „L’accaparement des terres en Roumanie, menace pour les territoires ruraux“, Ecoruralis-Transnational Institute-Hands off the Land Alliance, Januar 2013. 4 Attila Szocs, „Scandal hits Romania’s newly appointed minister for agriculture“, 6. Februar 2013: www.arc2020.eu. 5 Mirel Bran, „La bataille des deux Roumanie“, in: LeMonde.fr, 30. November 2012. 6 Béatrice von Hirschhausen, „Les sociétés rurales roumaines face à l’irruption des programmes de développement“, in: Revue d’études comparatives Est-Ouest, Nr. 4, Bd. 39, Paris 2008. 7 Tania Giorgopoulou, „City folks catching on to the allure of the countryside“, in: I Kathimerini, englische Ausgabe, 4. April 2011. 8 Der britische Ökonom und Pastor Thomas Robert Malthus stellt in seinem 1798 anonym veröffentlichten „Essay on the Principle of Population“ die These auf, die Bevölkerung wachse viel schneller als die Lebensmittelproduktion, was zwangsläufig zu Überbevölkerung und Hungersnöten führe. 9 Presseerklärung des rumänischen Außenministeriums, Bukarest, 2. Dezember 2012. 10 „La Roumanie redemande une cure de FMI“, LeMonde.fr (mit AFP), 16. Juli 2013. Aus dem Französischen von Sabine Jainski Pierre Souchon ist Journalist.

Le Monde diplomatique vom 14.03.2014,