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16. Kommt und seht selbst

Kommt und seht selbst

Was drei britische Delegationen am Vorabend der Kulturrevolution in China erlebten von Neal Ascherson

Im Jahr 1954 hatte es den Anschein, als ob die Volksrepublik China ihren Isolationismus aufgeben und sich der Welt öffnen würde. Die Genfer Indochina-Abkommen, die Frankreichs Kolonialkriege in Südostasien beendeten und die Teilung Vietnams besiegelten, galten als persönlicher Triumph des chinesischen Ministerpräsidenten Tschou En-lai. Mit seinem Charme bezirzte der weltgewandte und polyglotte Tschou ausländische Diplomaten und Journalisten, die schon zu hoffen begannen, das Mao-Regime werde seine seit dem Koreakrieg durchgehaltene strikte Isolationspolitik und feindliche Haltung gegenüber dem Westen vielleicht doch aufgeben.

Tschou tat einiges, um diesen zerbrechlichen Optimismus zu nähren. Sein besonderes Augenmerk galt dabei Großbritannien. Die USA waren für ihn nach wie vor der Feind Nummer eins, zumal sie an ihrem Handelsembargo gegen das kommunistische China festhielten. Und die durch ihre Niederlage in Südostasien traumatisierten Franzosen hatten Peking wenig zu bieten. London dagegen hatte, im Gegensatz zu Washington, das neue chinesische Regime anerkannt und entscheidend zum Abschluss der Genfer Abkommens beigetragen.

Nach dem Motto „Kommt und seht selbst“ lud Tschou Delegationen aus dem Westen ein, um ihnen die Errungenschaften der Volksrepublik vorzuführen. Im Fall Großbritannien gingen die Einladungen nicht an unterwürfige, kommunistisch kontrollierte Solidaritätsvereine. Diese Sorte Delegationstourismus war längst zur geistlosen Routine geworden: Britische Besucher lieferten in Peking kriecherische stalinistische Reden ab, und chinesische Gäste beschimpften in London die Unterhausfraktion der Labour Party als Werkzeug des Wall-Street-Imperialismus. Stattdessen ging Tschou En-laijetzt auf die – mittlerweile in der Opposition gelandete – Labour Party zu, obwohl deren Führung den Kommunismus innen- wie außenpolitisch heftig bekämpfte und sich bereits anschickte, die widerspenstige Parteibasis auf die Unterstützung der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland einzuschwören.

1954 reisten mindestens drei Labour-Delegationen als offizielle Gäste nach China. Ihre Erlebnisse schildert Patrick Wright in seinem Buch „Passport to Peking“.1 Die erste Delegation bestand aus hochrangigen Parteivertretern unter Führung des Labour-Vorsitzenden Clement Attlee.2 Die zweite war eine sorgsam austarierte Mischung aus linken und rechten, amerikafreundlichen Labour-Abgeordneten, garniert mit ein paar Gewerkschaftern.

Die dritte und interessanteste Delegation setzte sich aus Kulturschaffenden zusammen, ausgewählt auf etwas undurchsichtige und willkürliche Weise durch die Britisch-Chinesische Freundschaftsgesellschaft, die dem kommunistischen Regime in Treue verbunden war. Kopf dieser Delegation war der Geologieprofessor Leonard Hawkes, dessen Ruhm auf der Theorie gründete, dass England langsam in der Nordsee versinke. Weitere Teilnehmer waren der Romancier und Übersetzer Rex Warner, Sir Hugh Casson, ein ehemaliger Leiter des Festival of Britain, der Philosoph A. J. Ayer, ein Vertreter des logischen Positivismus, und der China-Experte John Chinnery, der später Sinologieprofessor in Edinburgh wurde. Der damals noch sehr junge Chinnery war Mitglied der britischen KP, besaß aber einen fröhlichen Hang zum Absurden, der sich zersetzend auf seine Parteitreue auswirkte. Das erstaunlichste Mitglied der Gruppe war der große Maler Stanley Spencer, ein etwas wirrer christlicher Sozialist, der die Chinareise im Pyjama antrat, den er unter seinem Anzug trug.

Wie solche Delegationen zusammengesetzt waren, weiß jeder, der während des Kalten Kriegs an derartigen Werbetouren teilgenommen hat. Das Spektrum der britischen Polittouristen reichte von tumben linken Fanatikern, die katholischer als der Papst waren, bis zu ein paar Rechten (in der Regel Parlamentarier der Konservativen Partei), die das Regime, das Land und das Essen gleichermaßen grauenhaft fanden und dies offen sagten. Daneben gab es intelligente Männer und Frauen mit linken Neigungen, die durchaus wussten, wie schlimm die Dinge lagen, sich aber inständig eine Wende zum Besseren wünschten. Manchmal sprachen sie aus, was sie dachten. Aber nicht immer.

Diesen Leuten war klar, dass sie das Land auf Einladung eines repressiven Regimes bereisten und dass die Gerüchte über den brutalen Umgang mit Regimegegnern wahrscheinlich der Wahrheit entsprachen. Dennoch suchten sie – zuweilen verzweifelt – nach Anzeichen für die Existenz eines „liberalen Flügels“ in der chinesischen KP, oder sie redeten sich ein, dass „keine Notwendigkeit mehr besteht, die Konterrevolution zu unterdrücken“, und sprachen ständig von dem erhofften „Tauwetter“, das in Kürze anbrechen werde.

Auf der Suche nach dem linken Flügel

Insgesamt hielten sie das sowjetische Modell des Kommunismus für reformierbar und glaubten, der Marxismus – ja sogar der Leninismus – müsse nicht zwangsläufig zum Stalinismus führen und sei mit Redefreiheit und Menschenrechten durchaus vereinbar. Sie wussten zwar, dass sie Tag für Tag angelogen wurden, aber wenn ihnen ein Funktionär – bei einem üppigen Bankett in einem armen Land – die Hand der Freundschaft entgegenstreckte, konnten und wollten sie die nicht ausschlagen. Nach der Logik: Wer die Gastgeber brüskiert, macht nur mit im Kalten Krieg. Und ist nicht jeder Kontakt mit einem solchen Land besser als gar nichts zu tun?

Die meisten der damaligen Besucher ließen sich schnell überzeugen, dass China 1954 eine Zeit des Umbruchs erlebte. Das gilt vor allem für die Delegierten der Labour-Gruppe. Sie sahen nicht nur den Aufbau der Schwerindustrie und der Infrastruktur nach zwanzig Jahren Krieg oder die umfassenden Reformen, die (wenn man den Funktionären glaubte) große Fortschritte in Richtung sozialer Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und verstärkter Arbeiterrechte versprachen. Sie spürten nachgerade eine Zeitenwende: Der Eiserne oder in diesem Fall der Bambus-Vorhang begann sich einen Spalt zu öffnen, und diese Chance durfte man auf keinen Fall ungenutzt verstreichen lassen.

Die frühen 1950er Jahre waren für China tatsächlich eine Ära echter Errungenschaften und wachsender Hoffnungen. Doch bereits 1954 planten Mao und Genossen ein gigantisches ideologiegesteuertes Experiment, in das nur die engste Parteiführung eingeweiht war. Dieses Projekt sollte die chinesische Gesellschaft zerstören und viele Millionen Menschenleben kosten und mit dem Albtraum der Kulturrevolution enden.

Noch im Sommer 1954 erzählte Mao dem Labour-Politiker Nye Bevan, die Kollektivierung der Landwirtschaft sei aufgeschoben, „vielleicht um viele, viele Jahre“. In Wahrheit begann sie nur wenige Monate später und führte in die ungeheure Tragödie des „Großen Sprungs nach vorn“, an dessen Ende 30 Millionen Menschen verhungert waren.

Mao hatte Bevan also glatt belogen. So wie auch Tschou En-lai die Delegation der Kulturschaffenden hinters Licht führte, als er von seinem Respekt für historische Bauten und die Altstadt von Peking sprach. Denn der Regierungschef tat nichts, um Mao daran zu hindern, die Hauptstadt zu zerstören, als dieser die Stadtmauern schleifen und die traditionellen Häuser in den engen Altstadtgassen Pekings abreißen ließ.

Die britischen Besucher glaubten, die Entstehung des neuen Chinas mitzuerleben. Doch was sie jenseits von Stahlwerken und Staudämmen zu sehen bekamen, waren die letzten verbliebenen Sehenswürdigkeiten, Kulturlandschaften und Gebräuche eines alten China, die kurz darauf ausgelöscht wurden. Waren diese Besucher lediglich nützliche Idioten, die sich mitreißen ließen von der Begeisterung, dass sich ein großes Volk aus jahrtausendelanger Armut herausarbeitet? Und war ihre trotzige Bereitschaft, Spuren eines Sozialismus mit mehr Demokratie zu entdecken, nur eine bequeme und jämmerliche Selbsttäuschung?

Patrick Wright findet die Reaktionen dieser irgendwie sehr britischen Reisenden durchaus sympathisch: „Die Idee der ‚Völkerfreundschaft‘ konnte in Zeiten des Eisernen Vorhangs in Gestalt hochfliegender Fantasien auftreten, die für westliche Linke und fortschrittliche Menschen sehr verführerisch waren. Da die Machthaber auf ihrer Seite der geteilten Welt unversöhnliche kalte Krieger waren, auf die sie selbst keinen Einfluss hatten, ließen sie sich dazu verleiten, ihre Wunschvorstellungen auf die andere Seite zu projizieren; damit sahen sie die Führer des östlichen Lagers als bessere und vernünftigere Figuren.“

Sympathie für China hatte bei der britischen Linken eine lange Tradition. Schon im frühen 19. Jahrhundert gab es Demonstrationen der Chartisten3 gegen den Opiumhandel und gegen die Opiumkriege, die der Absicherung der britischen Drogenimporte nach China dienten. Seitdem herrschte bei britischen Linken und Liberalen die Vorstellung, dass die Chinesen ein rückständiges, hilfloses Opfervolk seien, das nur durch Hilfe von außen gerettet werden könne. Diese Ideen erfuhren 1937 mit der Invasion Japans in China eine Renaissance: Die damalige Aid-China-Kampagne war vor allem von linken Sympathien für Mao Tse-tung und seine kommunistische Armee getragen, die gegen die Japaner wie gegen die Nationalisten Tschiang Kai-scheks kämpfte.

Viele Mitglieder der Kulturdelegation von 1954 hatten sich im jugendlichen Alter an diesen Kampagnen beteiligt und das überaus einflussreiche – und einseitige – Buch von Edgar Snow gelesen, das 1937 unter dem Titel „Red Star over China“ beim Left Book Club erschienen war. Und vermutlich ging das, was sie vor ihrer Reise über die neuere chinesische Geschichte wussten, nicht wesentlich über Snows Buch und die Reportagen von Agnes Smedley hinaus.4

Es gab allerdings auch Ausnahmen. Zum Beispiel Stanley Spencer. Über den zauseligen Maler, der nie da war, wo er sein sollte, und nie tat, was er tun sollte, machten sich von Anfang an alle lustig. Unter seiner Kleidung trug er die ganze Zeit einen Pyjama, dessen Bändel manchmal hinten aus den Hosen heraushingen. Er weigerte sich strikt, chinesisches Essen anzurühren, und ernährte sich von hartgekochten Eiern und Toast, ab und zu verlangte er auch Fish and Chips. Als er zu einem Gespräch mit Tschou eingeladen war, antwortete er zunächst, er sei zu sehr mit einer Zeichnung beschäftigt, sagte dann aber unter der Bedingung zu, dass „nicht über Politik geredet wird“.

Obwohl die anderen Delegierten am Ende nur noch über ihn lachten, hat sich Spencer letztlich besser aus der Affäre gezogen als etliche seiner Reisegenossen. Produktionszahlen ließen ihn kalt, aber er wusste viel über chinesische Kunst, Philosophie und Religion. Bei dem Treffen mit Tschou war er der einzige Gast, der etwas zu sagen wagte, als der chinesische Regierungschef nach seiner Ansprache um Meinungsäußerungen bat. Dabei beeindruckte er Tschou mit einer sonderbar anrührenden Rede über eine sehr englisch gefärbte Welt der Nächstenliebe, die ihm als Ideal vorschwebte.

Zwei weitere Künstler porträtiert Wright in seinem Buch besonders ausführlich: den Fotograf Denis Mathews, der mit der Politikergruppe reiste, und den Zeichner Paul Hogarth5 , der zu einer Abordnung von Gewerkschaftsdelegierten gehörte. Beide waren von dem, was sie in China sahen, zutiefst verstört. Aber beide glaubten an das, was John Berger „sozialen Realismus“ nannte – im Gegensatz zu dem infantilen, in der Sowjetunion verordneten „sozialistischen Realismus“, der sich zu ihrem Entsetzen auch in der chinesischen Kunsterziehung breitmachte. Vergeblich versuchten die beiden, die chinesische Kulturbürokratie für die – in ihren Augen ebenfalls sozialistischen – Arbeiten von Pablo Picasso oder Renato Guttuso zu interessieren.

Wer eine kranke Garnele malt, ist politisch suspekt

Hogarth war einer der erfolgreichsten Illustratoren seiner Zeit. Er blieb bis 1957 Mitglied der britischen KP – und hörte bald auf, gegen die Auslöschung der chinesischen Kunst anzukämpfen. Der parteilose Mathews dagegen versuchte noch lange, neuere Kunstwerke nach China zu exportieren, bis das endgültig unmöglich wurde. Nach einer letzten schrecklichen Diskussion mit dem Pekinger Kunstestablishment resümierte er sarkastisch: „Es ist gut, eine Krabbe zu malen. Es ist besser, den Langen Marsch zu malen. Am besten ist es, den Vorsitzenden Mao zu malen. Aber wenn ich eine kranke Garnele male, bin ich politisch unzuverlässig. Und wenn ich zwei kranke Garnelen male, bin ich ein aggressiver imperialistischer Reaktionär.“

Das war noch einige Jahre vor der Kulturrevolution, deren erste Triebe jedoch bereits zu wuchern begannen, um schließlich die letzten Ansätze einer vernünftigen Diskussion abzuwürgen. Das Fenster für die „britisch-chinesische Freundschaft“ hatte sich geschlossen – wenn es jemals wirklich offen gewesen war.

Hugh Casson, der weitsichtiger war als die anderen Mitglieder der Kulturdelegation, hat die übertriebene Begeisterung, die „das Andere“ manchmal auslöste, schon damals klar benannt: „Sobald man sich hinter dem Eisernen Vorhang befindet, sieht man jedes Gebäude und selbst etwas so Alltägliches wie einen Trolleybus oder eine Schokoladenkuchen als etwas Neues und Geheimnisvolles, als trete man auf die andere Seite des Spiegels, wo sich die Dinge noch schärfer abbilden.“ Casson beherzigte auch die Warnung von Humphrey Trevelyan, dem damaligen britischen Chargé d’Affaires in Peking: „Wir sehen, was wir sehen. Aber vielleicht ist ja das, was wir nicht sehen oder was niemand sehen kann, von größerer Bedeutung?“

Nach seiner Chinareise kam Casson zu dem Schluss: „Für den Elan und die Kraft, mit denen ein neues System Stabilität und einzigartigen industriellen Wohlstand gebracht hat, kann man durchaus Respekt entwickeln. Aber dieser Respekt bedeutet auch, die grundlegenden Prämissen des Systems zu akzeptieren: die Verzerrung der Wahrheit, den unerschütterlichen Glauben an die Unfehlbarkeit der Obrigkeit, das Misstrauen zwischen den Menschen und das Spitzelwesen.“

Die Selbsttäuschung rührte zum einen von dem rauschhaften Gefühl, auf der anderen Seite des Spiegels zu sein, noch stärker aber von einem gekränkten Patriotismus. Nur zwei Jahre nach den Chinareisen kam das Suez-Fiasko, mit dem die zählebige Illusion von der Weltmacht Großbritannien vollends in sich zusammenbrach.6

Aber selbst die strammen Linken unter den Peking-Reisenden waren damals noch felsenfest überzeugt, dass Großbritannien moralisch wie militärisch eine weltweit respektierte Größe sei und dass diese Autorität genutzt werden könne, um die Welt zu verbessern. Auch aus diesem Grund richtete sich ihr Antiamerikanismus nicht einfach gegen den kapitalistischen Koloss. Darüber hinaus ging es britischen Linken damals gegen den Strich, dass die USA sich an die Neuordnung der Welt machten, ohne ältere und weisere Nationen um Rat zu fragen. Ein klassisches Beispiel war für sie das US-Handelsembargo gegen China. Ein weiteres war die beharrliche Forderung Washingtons an die britische Regierung, mutmaßliche Kommunisten oder andere subversive Kräfte, die in Großbritannien Zuflucht gefunden hatten, auszuliefern oder auszuweisen.

1954 war gerade herausgekommen, dass die Churchill-Regierung dem McCarthy-Ausschuss in Washington geholfen hatte, Spionagevorwürfe gegen den Ostasien-Experten Owen Lattimore herbeizukonstruieren, dem später eine Art akademisches Asyl an der Universität Leeds gewährt wurde. All das summierte sich zu einem „starken Gefühl von beleidigtem Nationalstolz“, das der Forderung nach einer unabhängigeren britischen Außenpolitik, zumal gegenüber China, zugrunde lag.

Der Wunsch nach einer versöhnlicheren britischen Außenpolitik im Sinne des Genfer Vietnam-Kompromisses kollidierte alsbald mit der Realität, denn Mao und seine Genossen schickten sich an, China in eine, wie Patrick Wright resümiert, „nuklear aufgerüstete, voll industrialisierte und totalitäre Großmacht zu verwandeln“.

Die britischen Chinabesucher von 1954 wurden also an der Nase herumgeführt. Wenn auch nicht komplett, denn sie wussten fast alle – bis auf ein paar Dummköpfe –, dass man ihnen vieles verheimlicht hat. Die meisten hatten offenbar das Gefühl, dass sie eine derart großzügige Gastfreundschaft nur annehmen durften, wenn sie versuchten, die Wahrheit hinter dieser Fassade aufzuspüren. Aber fast alle wollten glauben, dass China ein Jahr nach dem Tod Stalins auf dem Weg vom Staatsterror zu einer Art demokratischen Sozialismus war. Und sie erfreuten sich beglückt an dem kleinsten Zeichen, das diesen Glauben zu bestätigen schien.

Fußnoten: 1 „Passport to Peking. A Very British Mission to Mao’s China“, Oxford (Oxford University Press) 2010. 2 Zu den Mitgliedern der Delegation gehörten unter anderem Aneurin (Nye) Bevan, der als Gesundheitsminister 1948 den National Health Service (NHS) eingeführt hatte, Edith Summerskill, die im Kabinett Attlee Sozialministerin gewesen war, und der damalige Labour-Generalsekretär Morgan Phillips. 3 Die Chartisten waren eine frühsozialistische Bewegung in England. Ihr Name geht auf ihr erstes Programm zurück, die „People’s Charter of 1938“. Sie kämpften u. a. für bessere Arbeitsbedingungen und ein allgemeines Wahlrecht. In ihrer Zeitung The Northern Star prangerten sie während des ersten Opiumkriegs (1839–1842) die Gräueltaten der britischen Truppen in China an. Siehe Shije Guan, „Chartism and the First Opium War“, in: History Workshop Journal, Band 24, 1. Auflage, 1987. 4 Die US-Journalistin Agnes Smedley (1892–1950) berichtete in den 1930er Jahren über den Bürgerkrieg in China. Ihre Reportagen erschienen u. a. in The New Republic, The Nation und Life. Siehe auch Agnes Smedley, „China blutet – China kämpft“, Berlin (Dietz Verlag) 1959. Edgar Snows Mao-Biografie entstand 1937 im Auftrag des Revolutionsführers und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Deutsche Ausgabe: „Roter Stern über China. Mao Tse-tung und die chinesische Revolution“, Frankfurt am Main (Fischer Tb) 1969. 5 Paul Hogarth (1917–2002) war ein berühmter Illustrator, bekannt vor allem durch seine Titelzeichnungen für die Graham-Greene-Romane der Penguin-Ausgabe. Er hatte schon als junger Mann im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft und war seit seiner Studentenzeit Mitglied der britischen KP. 6 Der Angriff von Israel, Großbritannien und Frankreich Ende Oktober 1956 war die Antwort auf die Verstaatlichung des Suezkanals durch die Regierung Nasser. Doch das spätimperialistische Unternehmen, das den Sturz Nassers zum Ziel hatte, wurde zu einer Demütigung für die Briten. Da es einen Ost-West-Konflikt auszulösen drohte, initiierten die USA eine UN-Resolution, die zum Rückzug der Interventionstruppen führte.

Aus dem Englischen von Niels Kadritzke

Neal Ascherson ist Journalist und Autor von „Schwarzes Meer“, Frankfurt am Main (Suhrkamp) 1998.

© London Review of Books, für die deutsche Übersetzung Le Monde diplomatique, Berlin

Le Monde diplomatique vom 09.09.2011,