In jeder Ausgabe präsentiert die deutschsprachige LE MONDE diplomatique eine/n (zumeist zeitgenössische/n) KünstlerIn mit ausgewählten Werken. So erhalten unsere LeserInnen kleine Einblicke in außersprachliche Darstellungen und Verarbeitungen individueller wie gesellschaftlicher Prozesse. Neben einem kurzen einführenden Text gibt es Hinweise auf aktuelle Ausstellungen und Kataloge zum Weitersehen.
Die oft allegorischen Gemälde in starken Farben und voller mystischer Figuren der 1979 geborenen georgischen Künstlerin Rusudan Khizanishvili speisen sich aus der Spannung zwischen persönlicher Erinnerung, kultureller Identität und gelebter politischer Realität. Die Bilder haben ein starkes narratives Element, lassen mitunter an Märchen denken. Khizanishvilis Verwendung von Farben gibt ihren Bildern bisweilen eine emotionale Wucht, der man sich schwer entziehen kann. Die Künstlerin sagt über sich selbst: „Ich male nicht nur Bilder, ich erzähle Geschichten.“ Ohne Weiteres lassen sich ihre Bilder allerdings nicht entschlüsseln, vielmehr schaffen sie Raum für Ambivalenz und Widersprüche und fordern von den Betrachter:innen innezuhalten. Angesichts der aktuellen politischen Lage – nicht nur in Georgien – macht sich Khizanishvili keinerlei Illusionen, was die Kunst bewirken kann. „Kunst kann die Welt nicht heilen“, sagt sie, fügt allerdings hinzu: „Aber sie kann uns davon abhalten abzustumpfen.“ Und das ist ja schon ziemlich viel.
Rusudan Khizanishvili lebt und arbeitet in Tiflis. Noch bis zum 22. August zeigt die Berliner Galerie Kornfeld, der wir für das Bildmaterial danken, ihre Einzelausstellung „Double Exposure“, siehe kornfeldgalerie.com und rusudankhizanishvili.com.
Wilhelm Werthern