Kunst

In jeder Ausgabe präsentiert die deutschsprachige LE MONDE diplomatique eine/n (zumeist zeitgenössische/n) KünstlerIn mit ausgewählten Werken. So erhalten unsere LeserInnen kleine Einblicke in außersprachliche Darstellungen und Verarbeitungen individueller wie gesellschaftlicher Prozesse. Neben einem kurzen einführenden Text gibt es Hinweise auf aktuelle Ausstellungen und Kataloge zum Weitersehen.

Die 1973 in Leningrad (heute St. Petersburg) geborenen Zwillingsschwestern Maria und Natalia ­Petschatnikov arbeiten als Duo. Als Kinder besuchten sie schon die Kunstschule in der Eremitage. Später studierten sie am ­Rhode Island College, an der Beaux-Arts de Paris und am New Yorker Hunter College. Heute leben und arbeiten sie in Berlin

Ihre Arbeiten entstehen im Dialog und es sind stets Gemeinschaftswerke. Am Anfang steht die Entscheidung für ein Thema, das dann in vielerlei Variationen seriell durchdekliniert wird. Auf ihren Streifzügen durch die Stadt oder das Internet interessieren sie sich für scheinbar unbedeutende alltägliche Dinge, auf die sie aber einen ganz neuen Blick werfen. Auf die Puppenmöbel in der Arbeit „Two Red Chairs“ aus der Serie „Doll’s House“ sind sie beispielsweise in einem Katalog im Internet gestoßen. 

Wir zeigen hier zwar ausschließlich Malerei. Jedoch lässt sich an dem Werk „Reflections“ aus der Serie „Cardboard Furniture“ schon erahnen, dass sich die Künstlerinnen eigentlich im Grenzbereich zwischen Malerei, Skulptur und Installationen – übrigens auch im öffentlichen Raum – bewegen: Es ist ein Ölbild von einem Stuhl, den die Künstlerinnen aus Pappe angefertigt haben. Auch in ihren Ausstellungen interagieren sie immer mit den Räumen, in denen sie ihre Arbeiten zeigen, und kombinieren Bilder und Skulpturen. 

Im März widmet die BBA Gallery in Berlin den beiden eine Einzelausstellung. Für das Bildmaterial danken wir Maria und Natalia Petschatnikov: petschatnikov.de.

Wilhelm Werthern