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Meldungen des Monats

Schlechte Nachrichten

Bei Demonstrationen gegen die Festnahme des Kriegsverbrechers Radovan Karadzic wurden in Serbien drei Journalisten attackiert. Am 29. Juli verprügelten Belgrader Polizisten den Reporter der Nachrichtenagentur Beta, Milos Djorelievski. Seine Aufnahme in ein Krankenhaus wurde von anderen Polizisten verhindert. Am 25. Juli hatten Karadzic-Anhänger Bosko Brankovic, Kameramann des Senders B92 TV attackiert, als er den Übergriff von Demonstranten auf den Fotografen Zoran Jovanovic filmte. Die Angreifer brachen Brankovic ein Bein und zerstörten seine Kamera. Die Polizei griff nicht ein.

Die Einwanderungsbehörde von Ruanda hat einen Mitarbeiter der landesweit größten unabhängigen Publikation ausgewiesen: Fuhara Mugisha, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitschrift Umeseso, war am 12. Juli von Polizisten in Zivil unter dem Vorwand abgeholt worden, er solle ihnen bei Ermittlungen helfen. Stattdessen brachte man ihn zur Einwanderungsbehörde, die ihn nach Tansania abschieben ließ, weil sein ruandischer Pass abgelaufen war. Zuvor hatten die Behörden dem Journalisten, der auch tansanischer Staatsbürger ist – mütterlicherseits ist er ruandischer Herkunft – die Verlängerung seiner ruandischen Personalpapiere verweigert. Die Schikanen gegen unabhängige Medien sollen jede Kritik an der Regierung im Vorfeld der Parlamentswahlen im September verhindern. Ruanda liegt auf der RoG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 147 unter 169 bewerteten Ländern.

Zum Opfer eines Attentats wurden in Kambodscha der Journalist Khim Sam Bo und sein Sohn Khat Sarin Pheata. Bo arbeitete für die Tageszeitung Moneakseka Khmer, die der größten Oppositionspartei Sam Rainsy nahesteht. Am 11. Juli fuhr er in Phnom Penh mit seinem Sohn auf dem Motorrad, als die beiden von einem überholenden Motorrad aus erschossen wurden. Khim Sam Bo berichtete regelmäßig über Korruption in führenden Regierungskreisen. Sein Chefredakteur wurde vom kambodschanischen Außenminister Nor Namhong wegen Verleumdung angeklagt.

Gute Nachrichten

Der palästinensische Kameramann Sawah Abu Saif, der im Gazastreifen für die ARD arbeitet, ist am 31. Juli wieder freigekommen. Sechs Tage zuvor hatten ihn vier maskierte Männer der Hamas aus seiner Wohnung entführt, als die im Gazastreifen herrschende Hamas nach einem der Fatah zugeschriebenen Bombenattentat eine Großrazzia veranstaltete. Der Kameramann wurde beschuldigt, ein Aktivist der Fatah zu sein. Bei der Festnahme hatte man auch seinen Laptop und sein Handy beschlagnahmt. In den Palästinensischen Autonomiegebieten geraten immer öfter Journalisten beim Kampf zwischen Hamas und Fatah in die Schusslinie: Am 26. Juli verhafteten Hamas-Sicherheitskräfte in Gaza zwei Journalisten, die den Fernsehsender der (Fatah-)Regierung in Ramallah bzw. deren Nachrichtenagentur vertreten. Und im Westjordanland nahmen Sicherheitskräfte der Fatah zwei Journalisten fest, die für Hamas-Medien arbeiten.

Le Monde diplomatique vom 08.08.2008,