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Meldungen des Monats

Schlechte Nachrichten

Eine polizeiliche Vorladung erhielten in Frankreich zwei Mitarbeiter der Website Rue89.com. Chefredakteur Pierre Haski und Reporter Augustin Scalbert am 1. April über ein auf ihrer Internetseite verfügbares Video befragt, das Präsident Sarkozy bei einem Besuch im Studio des TV-Senders France 3 im Juni 2008 zeigt, wie er sich über das angeblich „unhöfliche Benehmen“ eines Fernsehtechnikers beschwert. Die Szene war damals auch auf anderen Websites zugänglich und wurde von mehreren hunderttausend Benutzern angeklickt. Die Vernehmung der Rue-89-Journalisten geht auf eine Klage von France 3 zurück.

Am 24. März wurde in Jaffna im Norden von Sri Lanka die Redaktion der Tageszeitung Uthayan mit einer Handgranate angegriffen. Durch die Explosion wurde ein Polizist verletzt und erheblicher Sachschaden angerichtet. Die tamilischsprachige Zeitung hatte Bilder von getöteten Kindern gedruckt, die bei Kämpfen zwischen der Armee und den Tamil Tigers in der Provinz Vanni umgekommen waren. In tamilischen Kreisen wird hinter dem Attentat die Regierung in Colombo vermutet. Die hatte alle Medien aufgefordert, keine Berichte über zivile Opfer der Kämpfe zu publizieren. Am 26. Februar war N. Vithyatharan, Chefredakteur der tamilischen Zeitung Sudar Oli, in Colombo unter der Beschuldigung verhaftet worden, er habe die Tamil Tigers unterstützt.

Im Iran wurde am 18. März der junge Blogger Omi Mirsajafi tot in seiner Zelle im berüchtigten Evin-Gefängnis von Teheran aufgefunden. Die Behörden gaben als Todesursache „Selbstmord“ an und bezeichneten Mirsajafi als „depressiv“. Dessen Anwalt hatte vergeblich die Autopsie der Leiche durch einen unabhängigen Arzt gefordert. Mirsajafi war am 15. Dezember 2009 aufgrund der persönlichen Eintragungen in seinem Blog von einem Revolutionsgericht verurteilt worden. Zwei Jahre Gefängnis erhielt er wegen „Beleidigung von Führern der Islamischen Republik“ und sechs Monate wegen „Propaganda gegen die Regierung“.

Gute Nachrichten

Am 20. März kam in Hargeisa, der Hauptstadt des international nicht anerkannten Somaliland, ein Journalist nach dreiwöchiger Haft wieder frei. Ein Gericht verfügte seine Freilassung gegen eine Kaution von umgerechnet 530 Euro. Mohamed Abdi Guled, Chefredakteur der Wochenzeitung Yool, war am 26. Februar festgenommen wurden, nachdem er in einem Artikel der Regierung Mordabsichten gegenüber oppositionellen Politikern vorgeworfen hatte.

In Mauretanien wurde der Herausgeber der Website Taquadumi nach drei Tagen Haft wieder freigelassen. Die Nachrichtenseite, die der Schriftsteller und Journalist Abu al-Abas Ould Braham täglich verfasst, wurde ebenfalls wieder freigegeben. Ein Gericht in der Hauptstadt Nouakchott hatte die Internetseite wegen Verbreitung „lügenhafter und verleumderischer“ Meldungen und „Untergrabung der nationalen Einheit“ verboten.

Le Monde diplomatique vom 03.04.2009,