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Die Situation von Journalist:innen hat sich erneut verschlechtert: Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fällt 2026 mehr als die Hälfte aller Länder in die untersten Kategorien „schwierig“ und „sehr ernst“. Die oberste Kategorie „gut“ erreichten nur die ersten sieben Länder: Norwegen auf Platz 1 (wie im Vorjahr), gefolgt von den Niederlanden, Estland, Dänemark, Schweden, Finnland und Irland. Die ersten 19 Plätze werden ausschließlich durch europäische Länder belegt.
Die negative Entwicklung ist stark geprägt durch die Verschlechterung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Journalismus wird weltweit immer häufiger kriminalisiert.
In mehreren Ländern sind Kriege und bewaffnete Konflikte für den Niedergang der Pressefreiheit verantwortlich. Israel hat vier Ränge eingebüßt (Platz 116, -4), vor allem weil seine Armee in Gaza mindestens 70 Journalist:innen bei der Ausübung ihrer Arbeit getötet hat. Bewaffnete Konflikte machen die journalistische Arbeit auch in Ländern wie Sudan (161, -5), Irak (162, -7) und im Jemen (164, -10) lebensgefährlich. Das gilt auch für den Ukrainekrieg, in dem Russland (172, -1) gezielt Journalist:innen getötet hat.
In den USA (64, -7) sind die Angriffe auf Medien und Medienschaffende durch die Trump-Regierung mittlerweile systemisch. In Argentinien (98, -11) und El Salvador (143, -8) sind mit Javier Milei und Nayib Bukele zwei Präsidenten an der Macht, die ihre Pressefeindlichkeit offen demonstrieren. In beiden Ländern haben sich die politischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen weiter verschlechtert. Den stärksten Rückgang auf der Rangliste verzeichnet Niger (120, -37). Das afrikanische Land steht exemplarisch für die gesamte Sahelregion, wo die Berichterstattung durch Angriffe bewaffneter Gruppen und durch die Militärregierungen stark behindert wird.
Insgesamt haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Journalismus in 110 der 180 beobachteten Länder und Territorien verschlechtert. Immer häufiger werden Gesetze unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung oder zum „Schutz der nationalen Sicherheit“ gegen Journalist:innen angewendet. Das gilt etwa für Indien (157, -6), Ägypten (169, +1) Israel (116, -4), die Philippinen (114, +2) und Japan (62, +4). In der Türkei (163) wird gegen oppositionelle Medienschaffende regelmäßig Anklage erhoben wegen „Desinformation“, „Beleidigung des Präsidenten“ und „Verunglimpfung staatlicher Institutionen“. In Georgien (135, -21) wurde das umstrittene Gesetz zur ausländischen Einflussnahme nochmals verschärft, damit ist jegliche Unterstützung aus dem Ausland – finanzielle wie ideelle – kriminalisiert. Auch in Russland (172) wurden die Gesetze zur Bekämpfung von „Terrorismus“ und „Extremismus“ ausgeweitet. Medienschaffende können gleich mehrfach angeklagt werden, was zu kumulierten Gefängnisstrafen führt. China (178) bleibt eines der repressivsten Länder, mit 120 inhaftierten Medienschaffenden. Auch sie wurden zumeist auf der Grundlage vage definierter Straftatbestände festgenommen.


