09.04.2026

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Die Feinde der Pressefreiheit setzen seit einigen Jahren immer häufiger auf ein neues Instrument: Repression und Drohungen gegen Familienmitglieder kritischer Journalist:innen, insbesondere wenn diese ihre Berichterstattung im Exil fortführen. RSF hat ein Dossier mit einschlägigen Beispielen erstellt.

Der krasseste Fall ist der von Wael al-Dahdouh, der für Al Jazeera aus dem Gazastreifen berichtet hatte. Er wurde am 15. Dezember 2023 durch einen gezielten israelischen Luftangriff verletzt, bei dem ein Kollege getötet wurde. Drei Wochen später starb sein Sohn Hamza al-Dahdouh, der ebenfalls für den katarischen Sender arbeitete, als sein Auto bei Rafah von einer israelischen Drohne getroffen wurde.

In Pakistan traf es die Familie des im US-Exil lebenden investigativen Journalisten Ahmad Nurani. Als der im März 2025 auf seiner Website Fact Focus einen Bericht über Korruption in der pakistanischen Militärführung veröffentlichte, wurden seine beiden in Pakistan lebenden Brüder von zwei bewaffneten Männern entführt und erst nach einem Monat wieder freigelassen.

Entführung dient auch in Guinea als Druckmittel. Der Journalist Mamoudou Babila Keita, der die Website Inquisiteur.net verantwortet, war im Juli 2024 ins Ausland geflohen, nachdem er einer versuchten Entführung entgangen war. Am 29. September 2025 wurde sein 75-jähriger Vater Adama Keita von zwei uniformierten Männern aus seinem Haus entführt und ist seitdem verschwunden.

In El Salvador traf es den Vater der Journalistin Carolina Amaya, die 2023 in einem investigativen Report enge Freunde von Präsident Nayib Bukele als Umweltzerstörer entlarvt hatte. Am Tag der Publika­tion wurde Amayas Vater festgenommen und blieb zehn Monate lang in Haft. Die salvadorianische Regierung schikaniert insbesondere auch Angehörige von exilierten Medienschaffenden. Sie erhalten regelmäßig Besuch von Polizisten, die sie unter einem Vorwand verhören und deren Wohnungen inspizieren.

Eine regelrechte Sippenhaft wird in Tadschikistan im Fall des Exil-Journalisten Muhamadjon Kabirow praktiziert, der von Warschau aus den Online-Sender Azda TV betreibt. Kabirows Vater steht seit 2024 unter Hausarrest, nachdem er versucht hatte, nach Polen auszureisen. Schon vorher hatten die Behörden nicht nur die Wohnung des Journalisten, sondern auch den gesamten landwirtschaftlichen Besitz der Familie beschlagnahmt. Auf ähnliche Weise wurden auch die Angehörigen anderer Mitarbeitender von Azda TV schikaniert.

Mit ähnlichen Methoden arbeitet das Alijew-Regime in Aserbaidschan, wie das Beispiel des Bloggers Mahammad Mirzali zeigt, der seit 2016 in Frankreich lebt und auf dem Youtube-Kanal Made in Azerbaijan über die Bereicherung der Herrscherfamilie berichtet. 2017 wurden Birzalis Vater und sein Schwager in Baku verhaftet und verhört. Im März 2024 stellte das Regime ein intimes Video von einer von Mirzalis Schwestern ins Netz. Der Blogger selbst entging in Frankreich 2020 und 2021 nur knapp zwei Attentaten, die offensichtlich vom Regime in Baku organisiert waren.

Le Monde diplomatique vom 09.04.2026