Gestern in LMd, heute in den Nachrichten
Griff nach Grönland

US-Präsident Trump hat seinen völkerrechtswidrigen Blitzkrieg gegen Venezuela ungeniert mit der Rückeroberung von Erdölvorkommen begründet, die angeblich US-Energiekonzernen „gestohlen“ wurden. Zeitgleich erklärte er Grönland, das als selbstverwaltetes Territorium zu Dänemark gehört, zum nächsten Ziel seiner neokolonialistischen Geostrategie. Diese beschrieb Michael Klare in LMd im Januar 2025 unter dem Titel „America First 2.0“: Für Trump sei die Welt ein riesiges „Monopoly“, auf dem „mehrere Rivalen um wertvolle Immobilien, Märkte und Rohstoffe konkurrieren“. Eine besondere Bedeutung haben im Fall Grönland die seltenen Erden, an deren Gewinnung auch chinesische Unternehmen beteiligt sind, wie Camille Bortolini im Juli 2020 berichtete: „Die Macht der seltenen Erden“. In Anbetracht dieser Gemengelage beschrieb Philippe Descamps im März 2023 die innenpolitische Stimmung in Grönland unter dem Titel „Nuuk wartet ab“. Dieser Text wird ergänzt durch eine Karte, auf der auch die Vorkommen der vielfältigen Bodenschätze verzeichnet sind.
Proteste in Iran
Seit Ende Dezember gehen die Menschen in Iran gegen die hohen Lebenshaltungskosten auf die Straße. Bei der gewaltsamen Unterdrückung wurden bislang mindestens 12 Menschen von Sicherheitskräften getötet. Man kann jedoch von weitaus mehr Opfern ausgehen. Seit den Massendemonstrationen nach dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini im September 2022 widersetzen sich immer mehr Menschen trotz schärfster Repressionen den Anweisungen des Regimes. „Die Zeiten der Selbstzensur scheinen passé“, schrieben etwa Shervin Ahmadi und Marmar Kabir in „Kriegstage in Teheran“ über die Reaktionen in Iran nach Israels 12-Tage-Krieg im Juni 2025.
Somaliland und Israel
Am 26. Dezember hat Israel als erstes Land weltweit Somaliland anerkannt, das sich 1991 von Somalia abspaltete und für unabhängig erklärte. Es liegt am strategisch wichtigen Horn von Afrika, wie sich in Gérard Pruniers Text „Rivalen auf engstem Raum“ (September 2016) nachlesen lässt. Für Israel besonders interessant: Somaliland liegt direkt gegenüber Jemen, von wo die Huthis immer wieder Raketen Richtung Israel abschießen. Somaliland könnte Israel nun erlauben, Militärbasen auf seinem Gebiet zu bauen. Beobachter bringen die Anerkennung jedoch auch mit Plänen in Verbindung, die Palästinenser aus Gaza nach Somaliland zu deportieren.


