09.10.2025

Meldungen des Monats

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In der Ostukraine wurde der französische Fotograf Antoni Lallican am 3. Oktober durch eine russische Drohne getötet. Bei demselben Angriff wurde sein ukrainischer Kollege Georgiy Iwantschenko schwer verletzt. Beide trugen kugelsichere Westen mit dem Aufdruck „Presse“. Lallican war seit Februar 2022 für französische und internationale Zeitungen vor allem in der Donbass-Region im Einsatz, wo er jetzt in der Nähe der Stadt Druschkiwka während seiner Arbeit ums Leben kam. Seit Beginn der russischen Invasion wurden in der Ukraine 14 Medienschaffende getötet und etwa 50 verwundet.

Am 17. September verurteilte ein Gericht in Kirgistan zwei Kameramänner zu fünf Jahren Strafkolonie. Schoomart Duulatow und Alexander Alexandrow saßen seit ihrer Festnahme im Mai 2025 in U-Haft. Sie wurden beschuldigt, Videos für den Youtube-Kanal Temirov Live produziert zu haben, in denen angeblich zu ­Massenunruhen aufgerufen wurde. Die beiden haben aber nie für den Kanal des im Exil lebenden Regimekritikers Bolot Temirov gearbeitet, sondern für das Medienunternehmen Kloop in Bischkek, das regelmäßig über Korruptionsfälle im Umkreis von Präsident Dschaparow berichtet. Seit das Regime 2024 ein Gesetz über „ausländische Agenten“ beschlossen hat, sind die wenigen unabhängigen Medien stärker unter Druck geraten. Mehrere Re­dak­tio­nen wurden gezwungen zu schließen. Auch sie wurden beschuldigt, zu „Massenunruhen“ angestiftet zu haben. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (ROG) liegt Kirgistan auf Rang 144 (von 190). Seit 2022 wurde das Land um 52 Plätze zurückgestuft.

Der salvadorianische Journalist Mario Guevara wurde am 3. Oktober aus den USA in sein Heimatland deportiert. Guevara war 2004 aus El Salvador geflohen und arbeitete 20 Jahre lang für spanischsprachige Medien in den USA. 2024 gründete er in Atlanta seine digitale Plattform MG News, wo er in letzter Zeit häufig über Abschiebungen von Migrant:innen berichtete. Am 14. Juni war er in Georgia während seines Liveberichts über eine „No Kings-Demonstration“ festgenommen und an die Im­mi­gra­tions­polizei (ICE) überstellt worden, die ihn zwei Monate in Haft behielt. Obwohl Guevara seit 18 Jahren in Atlanta lebte und eine Arbeitserlaubnis besaß, wurde er jetzt zum „illegalen ­Einwanderer“ erklärt und abgeschoben.

In Myanmar leiden Medienschaffende nicht nur unter der Verfolgung durch die Militärjunta. Die Journalistin Mu Dra wurde am 20. September von der Arakan Army (AA) entführt, die weite Teile des Rakhaing-Staats an der Westküste Myanmars kontrolliert. Seitdem befindet sich die Journalistin, die für die unabhängige Presseagentur Border News Agency arbeitet, in der Gewalt dieser Rebellengruppe. Mu Dra hatte häufig über gewalttätige Übergriffe der AA gegen die Zivilbevölkerung berichtet, aber auch über Menschenrechtsverletzungen durch die Militärjunta. Bereits im ­September 2024 hatte die Kachin Independence Army (KIA), die im Norden einen bewaffneten Kampf gegen das Regime führt, zwei Journalisten entführt und einen Monat lang festgehalten.

Le Monde diplomatique vom 09.10.2025