Gestern in LMd, heute in den Nachrichten
Comeback von Babiš

Bei den Parlamentswahlen in Tschechien hat der frühere Regierungschef Andrej Babiš ein Comeback geschafft. Seine ANO-Partei gewann rund 35 Prozent der Stimmen und 80 der 200 Parlamentssitze. Offen ist, ob der Wahlsieger eine Koalition mit zwei kleineren Rechtsparteien oder eine Minderheitsregierung anstrebt. In jedem Fall würde eine Regierung Babiš bedeuten, dass im Osten der EU eine rechtspopulistische Achse Ungarn–Slowakei–Tschechien entsteht. Schon in seiner ersten Amtszeit hat der Besitzer des Agrofert-Konzerns seine Fähigkeit demonstriert, die Bevölkerung gegen das „Establishment“ aufzuhetzen, das er selbst verkörpert. So beschreibt es Michał Chmela, der Babiš in zwei LMd-Texten porträtiert hat: „Ratlos in Prag“ erschien im Juli 2019, sein „Brief aus Brno“ im April 2021.
Drohnen und Tanker
Ein Schiff der russischen Schattenflotte steht im Verdacht an den Drohnenflügen über Dänemark beteiligt gewesen zu sein. Der Tanker „Boracay“ unter Flagge Benins wurde am 28. September von der französischen Marine gestoppt. Das Schiff könnte, so der Verdacht, als Startplattform für die Drohnen fungiert haben. Charles Perragin und Guillaume Renouard schilderten in ihrem LMd-Artikel vom März 2025, wie „Russlands Schattenflotte“ versucht, mit hunderten Tankern und einem Netzwerk aus Briefkastenfirmen das westliche Ölembargo zu umgehen. Neuerdings wird Moskau überdies beschuldigt, die Schiffe der Schattenflotte auch für die hybride Kriegsführung einzusetzen. In Finnland wurde Ende 2024 ein Schiff inspiziert, das im Verdacht stand, ein Tiefseekabel beschädigt zu haben.
Wahlen in Syrien
Erstmals seit dem Sturz Assads haben in Syrien Wahlen stattgefunden. Am 5. Oktober wurde ein neues Parlament gewählt, das für eine Übergangsperiode von drei Jahren im Amt bleiben soll. Die Abgeordneten wurden jedoch nicht direkt vom Volk gewählt, sondern durch zuvor gebildete lokale Wahlausschüsse. Zudem wurde ein Drittel der 210 Abgeordneten von Übergangspräsident al-Scharaa direkt ernannt. Dieses Verfahren wurde zwar kritisiert, aber viele in Syrien sehen den Urnengang als Zeichen der Hoffnung für eine demokratische Zukunft. Vor welchen Herausforderungen das Land steht, insbesondere was die Aufarbeitung der Verbrechen der Assad-Zeit angeht, beschrieb unsere Autorin Charlotte Wiedemann in ihrem Text „Hinter einem Vorhang aus Schmerz“, in LMd vom Juni 2025.


