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Meldungen des Monats

Schlechte Nachrichten

Libanon: Am 2. Juni 2005 fiel Samir Kassir, Kolumnist der Beiruter Tageszeitung „An-Nahar“, einem Bombenanschlag auf sein Auto zum Opfer. Der Journalist und Historiker war seit Jahren wegen antisyrischer Kommentare und seiner Kritik am „libanesischen Polizeistaat“ bedroht und belästigt worden.

Italien: Am 26. Mai wurden die Redaktionsräume der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ von der Polizei durchsucht. Die Aktion, die das Prinzip des Quellenschutzes bedroht, hatte ein Staatsanwalt in Brescia angeordnet. Der führt Ermittlungen über die Herkunft von Beretta-MPs, die im Irak bei mutmaßlichen Terroristen gefunden wurden. Die Journalistin Nunzia Vallini, die darüber berichtet hatte, wurde polizeilich verhört. Die Zeitung verurteilte das staatliche Vorgehen „gegen die freie Ausübung des Journalismus“.

Tunesien: Die staatlich gelenkten Printmedien begannen eine Kampagne gegen die Journalistin Sihem Bensedrine. In „Achouroug“ und „Al-Hadath“ wurde sie in fast gleich lautenden Artikeln als Prostituierte, die sich „Ausländern, Zionisten und Freimaurern“ verkaufe, beschimpft. Die Journalistin war in Tunesien mehrfach verhaftet worden, nachdem sie Korruption und Machtmissbrauch angeprangert hatte. Seit 2002 ist sie Stipendiatin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte.

Gute Nachrichten

Brasilien: Der Mörder des Journalisten Tim Lopes wurde am 25. Mai 2005 von einem Strafgericht in Rio de Janeiro zu 28 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juni 2002 hatte Drogenboss Pereira da Silva den TV-Globo-Mitarbeiter Lopes ermordet, der über da Silvas kriminelle Aktivitäten berichtet hatte. Der Richterspruch könnte die Unterwelt abschrecken, weiterhin Journalisten zu bedrohen und zu attackieren.

Haiti: Ende März wurde Joubert St.-Just festgenommen, dem der Mord an dem Journalisten Brignol Lindor zur Last gelegt wird. Im Dezember 2001 hatten Mitglieder der Domi Nan Bwa, der terroristischen Miliz des Aristide-Regimes, den populären Rundfunkmoderator Lindor mit Macheten ermordet und zerstückelt. Obwohl die haitianische Justiz im September 2002 gegen St.-Just und neun Mittäter Anklage erhoben hatte, wurden die Haftbefehle gegen sie nie vollstreckt. Ob die Festnahme von St.-Just zu einem Prozess führen wird, bleibt abzuwarten.

Für diese Rubrik stellt „Le MMonde diplomatique“ allmonatlich Nachrichten über den Stand der Pressefreiheit zusammen.

Weitere Informationen unter: www.reporter-ohne-grenzen.de

Le Monde diplomatique vom 10.06.2005,