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Glossar

Crash am Obligationenmarkt

Ein Absturz der Kurse öffentlicher Schuldverschreibungstitel, die vom Staat zur Finanzierung der öffentlichen Defizite ausgegeben werden.

Erhöhung der Zinsrate

Ein fallender Kurs der Staatsobligationen spiegelt ein Ansteigen des Zinsertrags, den eine Schuldverschreibung erzielt. Trägt zum Beispiel eine Anleihe ihrem Besitzer im Jahr 30 Euro Zinsgewinn auf die 1 000 Euro ein, die er dem Staat geliehen hat, kann ein Crash auf dem Obligationenmarkt ihren Preis abstürzen lassen. Fällt dieser zum Beispiel auf 500 Euro, so bedeutet dies, dass sich aus der Sicht eines neuen Käufers die Relation zwischen Zinsertrag (dem vom Staat an ihn gezahlten Zins) und dem Preis des Schuldscheins verbessert. Der faktische Zinssatz steigt in diesem Beispiel von 3 auf 6 Prozent. Der Staat wird dann die nötigen Käufer für neu aufgelegte Schuldscheine nur finden, wenn er diese mit einer höheren Verzinsung anbietet.

Refinanzierung der Staatsschulden

Die nationalen Zentralbanken können direkt als Käufer von staatlichen Schuldtiteln auftreten, indem sie diese Titel durch Emissionen in eigener Währung bezahlen – es handelt sich hier also um staatliche Geldschöpfung. Der Verkauf dieser Titel erfolgt normalerweise auf dem Obligationenmarkt. Wenn die Zentralbank auf diesem Markt als Käufer auftritt, stützt sie den Kurswert der Obligationen und hält damit den Zinssatz niedriger.

Derivate

Das sind alle möglichen Verträge, die ökonomische Akteure vereinbaren und die sich auf bestehende Vermögenstitel oder Werte (wie Aktien, Obligationen, Devisen oder auch nur deren Indizes) beziehen. Sie sollten ursprünglich bestimmte Risiken (die Fluktuation bei Preisen, Zinsraten oder Wechselkursen betreffend) abdecken. In der Praxis wurden sie jedoch zum bevorzugten Feld der Finanzspekulation.

Überbewertung von Währungen

Wenn Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt eine bestimmte Währung gegenüber einer anderen höher bewerten, haben es die Exporteure in der Hochwährungszone (etwa in der Eurozone) schwerer, ihre Produkte in andere Länder (wie USA oder China) zu verkaufen, weil de facto diese Produkte in den einführenden Ländern teurer werden. Aus makroökonomischer Sicht ist eine kontinuierliche Abnahme der Außenhandelsüberschüsse eines Landes oder einer Währungszone zumeist die Folge einer überbewerteten Währung.

Le Monde diplomatique vom 11.09.2009,