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EL ANATSUI

„Der Künstler ist Ghanaer, die Kunst ist nigerianisch“, sagt der Skulpteur El Anatsui (geb. 1944), wenn er nach seiner Herkunft gefragt wird. Und in der Tat speisen sich viele seiner Werke aus dem Kunsthandwerk der Ashanti-Kultur seiner Heimat. Unsere fünf Sinne sind die Tore zur Seele, heißt es. Doch bei aller lokalen Gebundenheit der Formsprache wirken seine Werke universell. Ob 1980 in seinen aus bunten Scherben zusammengesetzten „pots cassées“, (die auch als Metapher für die postkoloniale Rekonstruktion einer afrikanischen Identität gelesen werden können ), ob in den mit Kettensäge und Farbe bearbeiteten Holzreliefs, die (wie die afrikanischen Stoffe) die Farbtöne der Umgebung aufgreifen – immer mischen sich in seinen Skulpturen afrikanische Traditionen mit Aspekten zeitgenössischer (westlicher) Kunst. Denn es gibt kein Zurück : statt Fasern verwebt El Anatsui mittels Kupferdraht Elemente der modernen (Wegwerf-)Gesellschaft: Kronkorken, Milchdosen, Druckplatten. Bei aller Schönheit, die seinen Installationen innewohnt, ist das Thema Gewalt allgegenwärtig: El Anatsui bearbeitet das Holz mit einer Kettensäge, und die Metallteile, die er zu Kleidern webt, sind mit aller Gewalt platt gedrückt. M.L.K.

© El Anatsui. Ausstellung: „Afrika Remix“, Paris, bis 8. 8. 2005. Der Ausstellungskatalog erschien bei Hatje Cantz.

Le Monde diplomatique vom 08.07.2005,