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Nachruf auf Alexander Cockburn

Alexander Cockburn

Nachruf

Als die USA in die bleierne Zeit unter Ronald Reagan versanken, feuerten drei radikale und brillante Autoren fast jede Woche in der Zeitschrift The Nation ihre Salven gegen die marktliberale Rechte und ihre imperiale Politik: Andrew Kopkind, Christopher Hitchens und Alexander Cockburn. Cockburn hat die beiden anderen Mitglieder dieser Dreierbande überlebt, nun ist er, am 21. Juli 2012, im Alter von 71 Jahren gestorben.

Alexander Cockburn schrieb auch für Le Monde diplomatique, und er brachte genau das ein, was diese Zeitung ausmacht – die Lust, auch schwierigste Themen anzugehen, und die Überzeugungen und die Bequemlichkeit der Leser zu erschüttern. So setzte er sich mit den Verschwörungstheorien um die Rolle der US-Regierung bei den Anschlägen vom 11. September 2001 offen auseinander, anstatt sie einfach abzutun.

Nichts war ihm so zuwider wie taktische Parteinahme und das Einschwenken auf einen allgemein akzeptierten fortschrittlichen Kurs – er verabscheute die Demokratische Partei und wollte ihr keinesfalls als intellektueller Nothelfer dienen. In den Kommentaren auf seinem Newsletter Counterpunch (counterpunch.org) trat er schon mal für den freien Verkauf von Schusswaffen ein oder behauptete, die globale Erwärmung sei nicht das Werk der Menschen.

Cockburn hatte Talent, er konnte übellaunig sein, aber vor allem besaß er intellektuelle Courage. Er gehörte zu den Ersten, die den Einfluss der proisraelischen Lobby auf die Politik und die Medien in den USA kritisierten. Damals bedeutete das augenblicklich und zwangsläufig den Vorwurf des Antisemitismus.

Zugleich wandte er sich gegen die zunehmende Entschärfung und Institutionalisierung radikaler Bewegungen durch linke philanthropische Stiftungen. Er sah das soziale, antikapitalistische Moment in der amerikanischen Linken geschwächt, und er missbilligte die Rolle der Universitäten, die jedem Revolutionär, der sich irgendwann mehr für seine Karriere als für den Kampf gegen soziales Unrecht interessierte, einen angenehmen Posten als Lehrbeauftragter bieten.

Alexander Cockburn war ein integrer und kompromissloser Mensch, manchmal unberechenbar – eine Persönlichkeit von Rang. Seine Schriften haben vielen Amerikanern Mut gemacht, sich nicht korrumpieren zu lassen und weiter für ihre Sache einzutreten.

Serge Halimi

Le Monde diplomatique vom 10.08.2012,