Künstlerin dieser Ausgabe: MOJÉ ASSEFJAH

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Künstlerin dieser Ausgabe: MOJÉ ASSEFJAH

„Viva la pittura“ nannte die aus dem Iran stammende, seit 1986 in Deutschland lebende Künstlerin Mojé Assefjah (geboren 1970) ihre erste Einzelausstellung. Das war 1999. Zunächst hatte sie in Sevilla („Ich wollte an einem Ort sein, wo sich arabische und europäische Kultur begegnen“), später dann in München bei dem Farbvirtuosen Jerry Zeniuk studiert, wo sie sich nach anfänglich konstruktiv-geometrisierenden Versuchen freieren Farbkompositionen zugewandt hatte.

Sie begann in ihren Bildern nach einem Zwischenreich zu suchen, in dem sich abstrakte und konkrete Malweisen, Fläche und Raum neu verbinden können. Hierzu wechselte sie auch das Farbmaterial: Statt Öl und Acryl verwandte sie fortan das fast in Vergessenheit geratene Eitempera mit seiner samtenen pastosen Anmutung.

Die hohe Plastizität und Präzision des Eitempera (Ei, Harz, Pigment) hat es ihr ermöglicht, mit nichts als Farbe und deren gestischem Auftrag auf der Leinwand räumlich zu malen. Es gelingt ihr, die abstrakten (ungegenständlichen, jedenfalls nicht abbildhaften) Formen, Flächen und Striche in Gegenstände zu verwandeln, so dass die Leinwand zunehmend ein – imaginärer und imaginierter – Ereignisraum der Farbe ist.

Die Gemälde der früheren Jahre (meist: „ohne Titel“) waren äußerst dichte, ja gedrängte Kompositionen, vielfach dramatisch geschichtet. In jüngster Zeit hat sich der Raum der Farbe und der Imagination weiter geöffnet; das Licht ist intensiver, die Bildräume sind schwebender geworden. Die Titel sind erzählerisch – „Dopo la piogga“ (Nach dem Regen) oder „L’ombra“ (Der Schatten). So verwandeln sich dem Betrachter für Momente die äußerst präsenten ungegenständlichen Formen des Vordergrunds etwa in eine Skulptur, Person oder ein dramatisches Ereignis, während man in den ruhigen horizontalen Flächen und Strichen des Hintergrunds eine Landschaft zu erkennen vermeint.

Die an alte Porträtbilder erinnernden Falten unterstützen in ihrer Stofflichkeit derartige Assoziationen, doch im nächsten Moment bereits verflüchtigen sich die gedanklichen Fixierungen. Die Geschichte, das Ereignis werden nicht gegenständlich – und sind doch da. So bleibt eine Spannung des Anwesend-Abwesenden, die zuallererst eine rein malerische ist. Die sinnliche Präsenz von Farbe wird räumlich erfahrbar gemacht. Viva la pittura – es lebe die Malerei!

M.L.K.

Ausstellungen: „Munich School“, 7. 8.–17. 9. 2005 in KunstLANDing/ Aschaffenburg. In Vorbereitung: Einzelausstellung in der Galerie HeufelderKoos in München.

© für alle Abbildungen: Mojé Assefjah

Le Monde diplomatique vom 12.08.2005, von M.L.K.

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