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Gestern in LMd, heute in den Nachrichten

Gestern in LMd, heute in den Nachrichten

Lachse auf der Flucht

In Chile sind Anfang Juli bei einem schweren Unwetter 700 000 Lachse aus einer Zuchtanlage ausgebrochen. Mit Antibiotika vollgepumpt und nicht an den Lebensraum im Südpazifik angepasst, stellen sie eine Bedrohung für die Wildbestände dar. Dem norwegischen Betreiber Marine Harvest, laut Greenpeace der „größte Massentierhalter der Welt“, wurde eine Frist von 30 Tagen eingeräumt, um die Fische wieder einzufangen. Der Erfolg ist fraglich: Das ausgesetzte Kopfgeld von rund 10 Euro liegt deutlich unter dem Marktpreis für chilenischen Lachs. Dass Zuchtlachse nicht nur gern türmen und damit ganze Ökosysteme in Schwierigkeiten bringen, sondern dass die „fetten Fische“ auch von der Seelaus befallen sind, schildert Manfred Kriener in LMd vom Oktober 2017.

Lukrative Unwetter

In Deutschland bangen die Bauern wegen der Hitzewelle nicht nur um ihre Ernte, sondern auch um ihre Existenz – während etwa Hagel meistens nur lokal begrenzt Zerstörungen anrichtet, ruiniert die Hitze ganze Regionen. Das treibt die Schadenssumme in die Höhe. Während in Südeuropa Prämien für Dürre-Versicherungen vom Staat bezuschusst werden und deshalb erschwinglich sind, können sich viele Landwirte hierzulande keine Versicherung gegen Dürreschäden leisten. In Zukunft wird sich das vielleicht jedoch ändern. Die Versicherungsbranche würde sich freuen, denn Klimaversicherungen vom Typ „Wetterderivate“ sind seit einigen Jahren ein regelrechter Renner. Über die Risiken und Folgen von meteorologische Finanzspekulationen schrieb Razmig Keucheyan im März 2014 in LMd.

Athens „sauberer Abgang“

Am 20. August endet in Griechenland das von der EU verordnete Sparprogramm. Nach acht Jahren unter dem Rettungsschirm soll Athen wieder souverän agieren können. Tsipras und Syriza freuen sich über einen „sauberen Abgang“ aus dem dritten Memorandum. Dass es jedoch einigen Klärungsbedarf gibt, wie „sauber“ Griechenland aus der Sache rausgeht und wie viele Verpflichtungen noch anhängig sind, gibt Niels Kadritzke in seinem Griechenland-Blog vom 25. Mai zu bedenken. Aktuell muss sich die griechische Regierung aber erst mal wegen der verheerenden Brandkatastrophe mit knapp 90 Toten verantworten. Über mangelnde Ausrüstung der Feuerwehr, fehlende Evakuierungspläne und illegale Bebauungen wird Niels Kadritzke in den nächsten Tagen ebenfalls in seinem Blog berichten.

Le Monde diplomatique vom 09.08.2018,