Bibeltreue Freunde Israels

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Info Kasten zu: Fromm und rechts in Alabama

Bibeltreue Freunde Israels

Die Beziehungen der USA zu Israel sind ein Dauerthema bei den Vorwahlen der Republikaner, auch in Südstaaten, in denen es kaum jüdische Wähler gibt. Lange Zeit spielte dieses Thema nur bei den demokratischen Vorwahlen eine Rolle, besonders in New York, der Stadt mit der größten jüdischen Gemeinde in den USA. Regelmäßig forderten ein oder mehrere Kandidaten, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, was einer Anerkennung der israelischen Kontrolle über die gesamte Heilige Stadt gleichkäme. Der einmal gewählte Präsident ließ die Botschaft, wo sie war, und vier Jahre später begann das Spiel von Neuem.

Nun also die Republikaner: Ein paar Tage vor der Abstimmung in Iowa verkündete Ted Cruz, nach seiner Wahl werde er „am ersten Tag“ die US-Botschaft in Israel verlegen. In Iowa sind zwar nur etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung jüdischen Glaubens, ebenso wie in Alabama. Aber die Evangelikalen sind in diesem Bundesstaat stark vertreten.

Der Süden der USA ist eine Hochburg der Evangelikalen. In der First Baptist Church von Opelika in Alabama fällt sofort auf, wie wichtig das Thema Israel, Jerusalem und Palästina für die Gläubigen ist, wenngleich niemand die Nachrichten aus der Region näher verfolgt. Nicht jüngere Geschichte oder aktuelle Politik, sondern der Glaube bestimmen ihr Urteil und ihre Wahlentscheidung.

Nach der wöchentlichen Bibelstunde, an der etwa vierzig Frauen teilgenommen haben, darunter zwei schwarze, treffen wir Sara Jane Tatum. Sie gehört der International Christian Embassy Jerusalem (ICEJ) an, deren Aufgabe sie folgendermaßen beschreibt: „Wir unterstützen Israel in dem Glauben, dass die ewige Hauptstadt dieses Staats Jerusalem ist.“

Sie kommt gerade von einer Studienreise („teaching tour“) aus Israel zurück, die ihr der Pastor empfohlen hatte. Auf dem Programm standen ein Besuch in der Knesset, eine Begegnung mit zwei Abgeordneten des Likud (der Partei von Ministerpräsident Netanjahu) und ein Bankett mit mehreren hundert proisraelischen Christen im Hotel Waldorf Astoria. „Der US-Botschafter hat dort gesprochen und ein christlicher Araber, der Israel unterstützt.“ Sara Jane Tatum hat auch Jad Vaschem besucht, aber weder Jericho noch Bethlehem, obwohl das für Christen wichtige Stätten sind. Auf ihrem Programm stand kein Ort, der von der palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert wird.

Ihr Verein sammelt Gelder, „damit die Juden Frankreich und die Ukraine verlassen und nach Israel ziehen können. Ich habe gehört, dass die französischen Juden verfolgt werden.“ Ihr Bibelstudium habe sie die „Bedeutung Israels für ihren Glauben“ gelehrt und für „das, was in der Zukunft geschehen wird“. Die Lektüre der Heiligen Schrift, vor allem des Alten Testaments, hat sie davon überzeugt, dass in einem ersten Schritt ganz Palästina wieder unter israelische Herrschaft gelangen sollte.

Dementsprechend schätzt und unterstützt sie die Siedlungspolitik der Regierung Netanjahu: „Eines Tages, wir wissen nicht, wann, wird Gott Israel schützen“, erklärt Tatum. „Gott hat entschieden, dass Jerusalem der Mittelpunkt der Welt sein soll. Dort wird Jesus Christus wiederkommen, am Ölberg, wo er betete in der Nacht, bevor er verraten wurde. Gott hat einen Pakt mit dem jüdischen Volk geschlossen. Dieser Pakt kann nicht ersetzt oder verändert werden. Wegen ihres Ungehorsams hat der Herr die Juden ins Exil geschickt, aber das Land gehört ihnen, und sie werden es wieder in Besitz nehmen.“

Doch bis es so weit ist mit der Apokalypse und der Rückkehr des Messias, welches Schicksal werden ihrer Meinung nach die Palästinenser erleiden, wenn sie nicht in einem jüdischen Staat leben wollen – immerhin ist eine Minderheit unter ihnen christlichen Glaubens? „Andere arabische Länder sollten sie bei sich aufnehmen“, meint Sara Jane Tatum. „Im Jahr 1967 hat Gott Israel schon einmal beschützt, Israel hat gesiegt.“ In der Zwischenzeit sollen sich die Besiegten nicht beklagen: „Israel tut alles, um den Palästinensern Arbeit zu geben, damit sie in Frieden leben können. Sie werden gut behandelt. Aber sie wollen mehr. Wenn sie nicht zufrieden sind, können sie anderswo hingehen.“

Deborah Jones, die Leiterin der Bibelgruppe, war bereits zweimal in Is­rael, zum letzten Mal vor acht Jahren. Wie Sara Jane Tatum glaubt sie, dass „die Israelis alles tun, um den Palästinensern zu helfen, aber deren Hass auf die Juden ist so groß, dass sie keine Hilfe annehmen wollen“. Dass auch christliche Palästinenser einen palästinensischen Staat fordern, macht sie in ihren Augen fast zu Ketzern: „Es ist ein großer Unterschied, ob man sich nur Christ nennt oder wirklich ein Christ ist. Sie hegen so einen großen Hass auf Israel, dass sie Christus nicht wirklich als ihren Herrn anerkennen. Gott hat Israel das Land gegeben, er wird es nicht zulassen, dass es noch einmal geteilt wird. Und unser Glaube schreibt uns vor, seinen Willen zu ehren.“ Natürlich wäre es schön, wenn Frieden einkehrte. „Aber die Palästinenser wollen keinen Frieden. Sie wollen das Land.“ „Und“, fügt Sara Jane Tatum hinzu, „sie wollen den Tod der Juden.“⇥S. H.

Le Monde diplomatique vom 07.04.2016

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