07.01.2016

Gestern in LMd, heute in den Nachrichten

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Gestern in LMd, heute in den Nachrichten

Saudi-Arabien und der Iran

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Der Stellvertreterkrieg, den die beiden Regionalmächte im Jemen führen, hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Nachdem die saudische Ölmonarchie am 2. Januar 2016 den populären schiitischen Geistlichen Nimr Bakr al-Nimr hinrichten ließ, stürmten Demonstranten in Teheran die saudische Botschaft. Daraufhin brach Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab und beorderte seine Diplomaten zurück. Damit scheint ein koordiniertes Vorgehen der beiden Rivalen gegen den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien ausgeschlossen.

Dass die schiitische und die sunnitische Hegemonialmacht ihre Rivalität über die Stabilität in der Region stellen, haben sie schon mit der Eskalation in Syrien bewiesen: Im Oktober 2014 beschrieb Alain Gresh in Le Monde diplomatique diese Ausgangslage unter dem Titel: „Unwahrscheinliche Allianzen gegen den Terror. Die Gegner des Islamischen Staats verfolgen ihre jeweils eigenen Interessen“.

Und Nabil Mouline untersuchte den Konfessionskonflikt und den damit verbundenen Kampf um Einflusssphären im April 2015 in seinem Artikel „Traditionalismus und Herrschaft. Der Kampf um den rechten Glauben und die staatliche Macht in der arabischen Welt“. Wie fatal dieser Wettstreit für den Jemen ist, analysierte Akram Belkaïd für Le Monde diplomatique im Mai 2015. Dazu zeigt eine detaillierte Karte Verbreitungsgebiete der religiösen Bekenntnisse und Konfliktlinien im Nahen Osten.

Ibrahim Warde erläuterte im Dezember 2015, warum das saudische Herrscherhaus seine Macht durch forsches Auftreten zu sichern versucht: „Saudische Zustände. Der Ölpreis im freien Fall, Stellvertreterkrieg im Jemen und Zwist im Königshaus“.

Le Monde diplomatique vom 07.01.2016