Artikel

Artikel drucken zurück

Multis im Regenwald

Hinter dem Palmölboom stecken indonesische Konzerne, die für ihre Zusammenarbeit mit der Diktatur unter General Mohamed Suharto (1965 bis 1998) berüchtigt sind. Die Firma Raja Garuda Mas gehört Sukanto Tanoto, dem reichsten Mann des Landes. Greenpeace kritisiert deren Tochterunternehmen Asian Agri für die Vernichtung des Lebensraums der Orang-Utan auf Borneo. Das Konkurrenzunternehmen Sinar Mas leitet ein weiterer Suharto-Schützling: Eka Tjipta Widjaja, der drittreichste Mann Indonesiens. Nachdem deren Tochterfirma Asia Pulp & Paper (APP) wegen illegaler Abholzungen in Indonesien, China und Kambodscha auf den Index kam, entschieden sich die US-amerikanischen Schreibwarenketten Office Depot und Staples, den Lieferanten zu wechseln.

Lapindo Brantas, ein Tochterunternehmen von Bakrie & Brothers, ist für die Bohrarbeiten verantwortlich, die im Mai 2006 den Ausbruch des Schlammvulkans Lusi in Porong auf Java auslösten; mit 125 000 Kubikmetern stinkendem Auswurf pro Tag hat er seitdem hunderte Hektar Land zerstört. Tausende Dorfbewohner haben alles verloren. Bakrie verkaufte daraufhin seine Tochterfirma an ein Offshore-Unternehmen, und Lapindo Brantas stellte die Hilfszahlungen an die Betroffenen ohne jede Erklärung ein. Pikantes Detail: Konzernchef Aburizal Bakrie ist zugleich Sozialminister.

Ganz groß im Geschäft sind auch der Malaysier William Kuok Khoon Hong und der Indonesier Martua Sitorus. Die beiden haben Wilmar International gegründet, einen der größten Agrarkonzerne Asiens. Wilmar wird beschuldigt, zur billigeren Ausdehnung seiner Flächen eine rabiate Methode anzuwenden: Brandrodung (siehe den Bericht von Friends of the Earth Europe: www.foeeurope.org/publications/2007/Wilmar_Palm_Oil_Environmental_Social_Impact.pdf).

Um ihr Image aufzubessern, nehmen all diese Konzerne am 2004 gegründeten Runden Tisch zur nachhaltigen Palmölerzeugung (Round-Table on Sustainable Palm Oil, RSPO) teil. Unter den 300 Mitgliedern des RSPO sind Produzenten, Banken, Kunden und verschiedene Nichtregierungsorganisationen. Seinem Namen nach soll er sich für „nachhaltige Entwicklung“ einsetzen.

Unilever, Nestlé, Cargill sowie die Biospritproduzenten Greenergy (Großbritannien) und BioX Group BV (Niederlande) rechtfertigen sich damit, dass sie ihre Rohstoffe nur von RSPO-Mitgliedern beziehen. Die Deutsche Bank, BNP Paribas und die Royal Bank of Scotland erklärten auf Nachfrage, ihre indonesischen Kunden würden „auf die Umwelt Rücksicht nehmen“. Credit Suisse lehnt jeden Kommentar ab. Rabo Bank und ABN Amro aus den Niederlanden weigerten sich, unsere Fragen zu beantworten. HSBC kündigte immerhin an, die Bank wolle nach einer Untersuchung im Jahr 2009 bestimmten indonesischen Kunden kündigen.

Le Monde diplomatique vom 11.12.2009,