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Edito

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von Philippe Descamps

Intelligenz 

von Philippe Descamps

Für die Klimakonferenz im kommenden November stehen die Vorzeichen schlecht. Seit dem Erdgipfel von Rio 1992 ist die Produktion fossiler Energieträger stetig angestiegen. Die Subventionen für Brennstoffe, die den Treibhaus­effekt erzeugen, beliefen sich 2013 weltweit auf 400 Milliarden Euro.

Die Pariser Konferenz soll ein internationales Abkommen zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zustande bringen. Das wird nicht gelingen, so­lange die Regierungen auf ein Wirtschaftssystem setzen, das auf Akkumulation, Ausbeutung und Verschwendung beruht.

Ohne Bürgerbeteiligung lässt sich die Herausforderung, die der Klimawandel darstellt, nicht bewältigen; umgekehrt können individuelle oder lokale Initiativen nicht funktionieren, wenn der politische Willen zur Veränderung auf globaler Ebene fehlt. Wenn wir eine bescheidenere Gesellschaft mit weniger Energiekonsum wollen, für die wir viele lieb gewordene Gewohnheiten aufgeben sollen, brauchen wir eine Zukunftsperspektive, die eine bessere Lebensqualität verspricht. Eine echte Energiewende ist nicht zu haben ohne wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel – und ohne massive Umverteilung der Einkommen.

Um unsere CO2-Emissionen zu reduzieren, brauchen wir umfassende Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, in klimagerechte Wohnungen und in erneuerbare Energien. Und zwar in der Dimension der Summen, die 2008 zur Rettung der Banken aufgebracht wurden. Damit ließen sich zugleich drei Ziele erreichen: mehr Arbeitsplätze, geringere Umweltbelastung und beträchtliche Spareffekte für die Privathaushalte.

Es wäre eine Neudefinition des guten Lebens: weniger Rohstoffe, mehr Arbeitskräfte; weniger Maschinen, mehr Intelligenz. Man könnte Kerosin besteuern, um die Vielfliegerei einzudämmen, den Seetransport verteuern, um kleinformatige Handelsketten zu begünstigen, und auf die Ausbeutung mancher Bodenschätze verzichten.

Die Industrieländer stellen lediglich ein Viertel der Weltbevölkerung, haben aber die Erd­atmosphäre bis heute erheblich belastet. Dennoch verweigern sie verbindliche Klimaziele, die auch ihre früheren Emissionen berücksichtigen, ihre unabdingbare Kooperation wird damit zum reinen Lippenbekenntnis.

Dabei wäre es höchste Zeit, dem globalen Süden Gelder und Technologien zur Verfügung zu stellen, damit sie den Sprung in eine ressourcenschonende Wirtschaft schaffen können. In der es nicht um „immer mehr“ geht, sondern um die beste Lösung.

Philippe Descamps

Le Monde diplomatique vom 09.07.2015, von Philippe Descamps

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