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Meldungen des Monats

Schlechte Nachrichten

Im letzten Jahr haben Gewalt und Repression gegen Journalisten weltweit weiter zugenommen. Nach der Jahresbilanz 2009 von RoG wurden mindestens 76 Journalisten getötet, 16 mehr als 2008. Auch die registrierten 1 456 physischen Attacken auf Medienmitarbeiter bedeuten eine Zunahme um fast 60 Prozent. Die hohe Zahl der Toten ist vor allem Folge der Ermordung von 30 Journalisten auf der philippinischen Insel Mindanao. Weitere gefährliche Länder waren Somalia (9 Tote), Pakistan und Russland (je 5 Tote).

Am 6. Januar wurde in Honduras die Radiostation Faluma Firretu in Triunfo de la Cruz überfallen. Die unbekannten Täter entwendeten die Computer, bevor sie das Studio in Brand setzten. Falume Firretu ist der lokale Sender für die afrokaribische Community an der Atlantikküste. Er wurde schon mehrfach bedroht, weil er den Staatsstreich vom Juni 2008, aber auch fragwürdige Verkäufe von Gemeindeland an auswärtige Investoren kritisiert hatte.

Im Jemen eröffnete die Polizei am 4. Januar in Aden im Süden des Landes das Feuer gegen Demonstranten, die gegen das Verbot der Zeitung al-Ayyam protestierten. Seit das Blatt im Mai 2009 wegen angeblich „separatistischer“ Tendenzen geschlossen wurde, kam es mehrfach zu Zusammenstößen zwischen dessen Anhängern und Polizeikräften. Seitdem versucht die Regierung in Sanaa auch, die Berichterstattung über Militäroperationen im Norden des Landes und Unabhängigkeitsbestrebungen im Süden zu unterbinden.

Die Einschüchterungen gegen Journalisten in Usbekistan gehen weiter. Am 7. Januar wurden fünf Mitarbeiter ausländischer Medien von der Staatsanwaltschaft in Taschkent vorgeladen und über „die Umstände ihrer beruflichen Aktivitäten“ befragt. Die drei Journalisten, die der Aufforderung nachkamen, wurden mit Informationen aus Geheimdienstquellen konfrontiert und einer „einseitigen und tendenziösen“ Berichterstattung beschuldigt. Alle Mitarbeiter ausländischer Medien benötigen eine Akkreditierung beim usbekischen Außenministerium, die als Mittel der Disziplinierung genutzt wird.

Gute Nachrichten

Am 6. Januar hat ein Gericht in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, ein Urteil gegen die Wochenzeitung Le Voix nicht bestätigt. Damit wurde auch die Beschlagnahmung aller Exemplare der Ausgabe vom 3. Dezember aufgehoben, die ein erstinstanzliches Gericht am 3. Dezember angeordnet hatte. Die Schließung des Blatts war von den Richtern damit begründet worden, dass es keinen Herausgeber habe. Sechs Wochen zuvor war der Herausgeber von La Voix, der Kameruner Innocent Ebodé, ohne Begründung aus dem Tschad ausgewiesen worden. Er will jetzt nach N’Djamena zurückkehren, um seine Ausweisung gerichtlich anzufechten.

In Afghanistan haben einheimische Journalistenorganisationen an die Entführer einer Crew des Fernsehsenders France 3 appelliert, sämtliche Kollegen freizulassen. Die beiden französischen Journalisten und ihre zwei afghanischen Mitarbeiter waren am 29. Dezember in der Provinz Kapisa gekidnappt worden. Die afghanischen Journalisten betonten allerdings, es dürfe keine Wiederholung von tragischen Fällen geben, in denen westliche Medien nur ihre eigenen Journalisten freikauften, nicht aber deren afghanische Mitarbeiter.

Le Monde diplomatique vom 15.01.2010,