Nanne Meyer

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Nanne Meyer

„Zeichnen als ein Innehalten, Anhalten, Verlangsamen, als ein Drehen und Wenden der ständig durch mich hindurchrauschenden Worte und Bilder … Es gibt Linien, die Wege bahnen, es gibt das innere Fernglas, es gibt das Jetzt … Will man eine Zeichnung machen, muss man alles zugleich sein: da und nicht da, Linie und Leere.“ (Nanne Meyer)

Die Zeichnungen von Nanne Meyer drehen und wenden, lüften und verdichten Vorgefundenes dergestalt, dass aus einem Gegenstand ein anderer wird – aus einem Regenschirm vielleicht eine Teekanne und dann ein Känguru. Oder: Aus einem Wort ergibt sich ein Bild und aus diesem dann wieder ein Wort. Das ist das Ereignis des Zeichnens – ein Drehen und Wenden im Kopf und auf dem Papier. Ausgangsmaterial ihrer „Se(e)hstücke“ etwa (S. 12/13) sind Zeichnungen aus einem DDR-Bastelbuch der 1960er-Jahre, die durch Linien (so der Titel) „zur See gelassen“ und neu gesehen werden. Durch das serielle Arbeiten erlangt Nanne Meyer die Freiheit, Bilder im Kopf nicht fixieren zu müssen, sondern assoziieren zu können. Die Spannung zwischen „Schwerkraft“ und „Schwungkraft“ (dem Niederlegen der Zeichnung auf dem Papier und dem Hinausschicken des Bildes in die Welt) ist Grundanliegen ihres Schaffens.

Nanne Meyer, geboren 1953 in Hamburg, lebt als freie Zeichnerin in Berlin. Seit 1994 ist sie Professorin an der Kunsthochschule in Weißensee. Ihre ausschweifende Aneignung der Wirklichkeit und ihre große technische Vielfalt begründeten schon früh ihr weltweites Renommee. Zeichnen, das zeigen ihre Arbeiten, ist keine Hilfsdisziplin, sondern eine höchst komplexe Kunst.

M.L.K.

Ausstellungen: bis 8. 7. 2006: „Das neue Universum“, Galerie Marlene Frei, Zwinglistraße 36, 8004 Zürich; vom 1. 10. bis 5. 11. 2006 im Kunstverein Würzburg; Kataloge: Nanne Meyer, „Luftblicke“, Köln (Gimlet Verlag), 2003; ferner: Nanne Meyer, „Himmelszeichnen“, Bremen (Hauschild), 2005, „Die relative Vermessung der Wolke“, Hamburg (Kunsthalle), 2005

Le Monde diplomatique vom 09.06.2006, von M.L.K.

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