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Schlechte Nachrichten

Am 5. Dezember wurde in Kalar in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak der Journalist Kawa Germyani von Auftragsmördern erschossen. Der Herausgeber des Magazins Rayal war ein bekannter investigativer Reporter, der viele Fälle von Korruption und Nepotismus innerhalb des Staatsapparats der Kurdenregion aufgedeckt hatte. Germyani war schon seit Jahren bedroht worden und hatte deshalb um Personenschutz ersucht, der ihm verweigert wurde. Zwei Tage vor dem Mord hatte eine Versammlung von Journalisten und Vertretern der Zivilgesellschaft in Sulaimaniyyah die staatlichen Behörden aufgefordert, die Presse- und Medienfreiheit gesetzlich zu schützen. Germyani ist der dritte Journalist, der in den letzten fünf Jahren wegen kritischer Berichte umgebracht wurde. In den ersten beiden Mordfällen haben die Behörden niemals eine ernsthafte Untersuchung in die Wege geleitet.

In der Ukraine wurden bei den Pro-EU-Demonstrationen in Kiew seit dem 29. November mindestens 45 Journalisten verletzt, darunter Fotografen der Nachrichtenagenturen Reuters und AFP und ein Tontechniker der ARD. Die meisten Opfer waren jedoch Korrespondenten ukrainischer und russischer Medien, die unter anderem mit Schlagstöcken, Tränengas und Blendgranaten angegriffen wurden. Die massive Gewalt gegen Journalisten ging meist von Polizisten der Spezialeinheit „Berkut“ aus, in einigen Fällen auch von vermummten Provokateuren unklarer Identität. Die meisten Opfer der Attacken waren eindeutig als Journalisten erkennbar.

In Kolumbien wurden der Journalist Deisy Rodríguez Lagos und der italienische Filmemacher Bruno Federico beschossen. Als sie angegriffen wurden, interviewten die beiden gerade für ihren Dokumentarfilm ein paar Kleinbauern, die kurz zuvor von einem Großgrundbesitzer von ihrem Land in der nördlichen Provinz Cesar vertrieben worden waren. Die Bauern identifizierten die Angreifer als Bodyguards des Großgrundbesitzers Juan Manuel Fernández de Castro, der seine Palmölplantagen systematisch durch Landraub vergrößert.

In Pakistan wurde am 2. Dezember die Zentrale der Express-Media-Gruppe in Karatschi angegriffen. Vier Männer auf Motorrädern warfen improvisierte Brandbomben auf das Gebäude und nahmen es danach fünfzehn Minuten lang unter Beschuss. Bei dem Angriff wurden zwei Wachleute verletzt. Obwohl die Zentrale des Unternehmens, das drei Zeitungen verlegt und einen TV-Sender betreibt, nach Drohungen von islamistischer Seite im August schon einmal attackiert worden war, hatte die Polizei ihre Schutzvorkehrungen zwei Wochen vor dem Anschlag wieder eingestellt.

Le Monde diplomatique vom 13.12.2013

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