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Yinka Shonibare, MBE

Voller Stolz, so scheint es, hat der nigerianische Künstler Yinka Shonibare (Jahrgang 1962) den Titel MBE – Member of the British Empire –, den ihm das britische Königshaus letztes Jahr verlieh, seinem Namen hinzugefügt. Längst ist er wer. 2002 war seine Installation „Gallantery and Criminal Conversations“ (siehe S. 10/11) auf der documenta zu sehen. 2004 stand er auf der Shortlist des Turner-Preises.

Shonibares Installationen mit Kutsche, Parkbank, Sessel oder Einrad erinnern an Darstellungen des britischen Kultur- und Koloniallebens, in denen sich die Weißen ihres Abstands zu den „Primitiven“ durch viktorianisch stilisierte Pseudonoblesse versichern.

Die Kleiderstoffe dieser kopf- und identitätslosen Figuren sind jedoch keineswegs dezent, sondern zeugen von „genuiner“ Farb- und Lebensfreude und gelten als das Sinnbild afrikanischen Könnens und afrikanischen Geschmacks. Tatsächlich wurden die Stoffe, die Shonibare auf einem afrikanischen Markt in London kauft, in Holland designed und mit indonesischem Know-how in England produziert. Was ist am Ende authentisch afrikanisch, was eine Ausgeburt europäischer Projektionen? Was authentisch europäisch und was eine Ausgeburt afrikanischer Projektionen auf Europa?

Yinka Shonibare wurde in London geboren und verbrachte seine Jugend in Lagos. Zum Studium kehrte er nach London zurück. Von hier aus durchstreift er in seinen Werken die mentalen Landschaften des britischen Empires und treibt sein virtuoses und provokantes Spiel mit den stereotypen Vorstellungen von Rasse, Klasse und Kultur. M-L. K.

© alle Bilder: Yinka Shonibare, MBE. Courtesy of Stephen Friedman Gallery, London, and James Cohan Gallery, New York

Le Monde diplomatique vom 07.07.2006,