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Mansudea TV

Mansudae TV, Fenster zur Welt

Das Fernsehen läuft immer und überall, in den Wohnungen der Nordkoreaner und draußen auf den Plätzen; und immer läuft dasselbe wie im Theater (ideologische Volksstücke) oder im Konzert (Militärmusik). Und wie im Kino, so werden auch hier immer nur die gleichen alten Schinken wiederholt. Die einzigen aktuellen Beiträge über das Leben in Nordkorea sind politische Propagandafilme, die den Alltag in wunderbar rosaroten Tönen malen.

Das nationale Fernsehen sendet zwölf Stunden am Tag. Und so sieht ein typisches Sonntagsprogramm aus: Nachrichten, Volkslieder, eine chinesische Serie über den Krieg gegen Japan, wieder Volkslieder („O geliebter Führer“, „O mein Heimatland“ und Ähnliches mehr), Richtfest mit Diktator für 5 000 Wohnungen für Wissenschaftler und Professoren der Kim-Il-Sung-Universität, Militärkonzert zum Nationalfeiertag, Sport, Lieder, Kindermärchen, Tierfilm, Propaganda-Spot mit Ereignissen der letzten Tage (Paraden und Shows).

Später folgen in Endlosschleife die Feierlichkeiten zum 9. September, dem Gründungstag der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), eine Reportage zur „Volksbildung“, Ringermeisterschaften der Junioren, Wiederholung der Nachrichten, danach Theater und Militärchöre (dieselben wie am Morgen), am Abend schließlich ein alter Film. Neuerdings sollen Kinoregisseure für ihr Budget und ihr Drehbuch selbst verantwortlich sein – vorausgesetzt, sie drehen endlich spannende Filme. Das wäre dann wirklich mal etwas Neues.

Unter der Woche sieht das Programm nicht viel anders aus – mit langen Sendezeiten für Technik- und Naturfilme. „Alles für die Wissenschaft“ ist schließlich die politische Devise. Und die implizite Botschaft bei der Übertragung von Einweihungsfeiern lautet: Werdet Wissenschaftler, und ihr kommt in den Genuss von Privilegien.

Die Moderatorinnen und die wenigen Moderatoren tragen Landestracht. In den Nachrichten preisen sie pathetisch den großen Führer und dessen Errungenschaften – alles wird stärker, teurer, größer. Atemlos beschreiben sie, wie das Land ist und wie das Land sein sollte. Negative Informationen sind undenkbar. Ein Freund antwortete auf meine Frage, ob man als Mitglied der Arbeiterpartei an Versammlungen teilnehmen müsse, nur erstaunt: „Wozu denn? Das Fernsehen gibt doch die Richtung vor.“

In Debattensendungen – die sich in einer ängstlichen Erprobungsphase befinden – tragen die Teilnehmer ihre auswendig gelernten Texte eher mühsam vor. Abgesehen von dieser Neuerung ist kaum vorstellbar, wie sich das nordkoreanische Staatsfernsehen, das seine Zuschauer mit monotonen Ansprachen langweilt und keinerlei Livesendungen im Programm hat, jemals ändern könnte. Selbst die Karaoke-Clips, die jede Sendung unterbrechen, sind die gleichen wie früher, mit dem einzigen Unterschied, dass Sohn Kim und nicht mehr Vater Kim besungen wird.

Seit 2013 können die Fernsehzuschauer freitags, samstags und sonntags auf einen zweiten Kanal umschalten: Mansudae TV zeigt in seinem zehnstündigen Programm hauptsächlich Filme aus ehemaligen Ostblockstaaten und Sport. Es gibt keine Moderatorinnen, keine Nachrichten, keine Übertragungen von staatlichen Eröffnungsfeiern. Mansudae TV ist der Hit.

Am Montagmorgen ist das Gesprächsthema Nummer eins die Sonntagabendsendung auf Mansudae TV – Auslandsnachrichten, die aus Reportagen von verschiedenen ausländischen Sendern zusammengestellt sind. Im letzten Oktober ging es in den Berichten unter anderem um die Wahlen in Deutschland, die Waffenbegeisterung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Zerrissenheit der Ukraine zwischen Europa und Russland, den Terrorismus in Kenia, die Anschläge im Irak, die Folgen des Schiffbruchs der „Costa Concordia“ in Italien und die Internationale Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt. Das Weltgeschehen kommt neuerdings also auch in Nordkorea vor.

Patrick Maurus

Le Monde diplomatique vom 14.02.2014,