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gestern in LMd - heute in den Nachrichten

Afrika und Biosprit

Die Umweltschutzorganisation FoE (Friends of the Earth) hat die EU-Länder kritisiert, die mit ihrer Subventionierung von Biosprit zu einer neuen Hungerkatastrophe in Afrika beitragen. Seit Jahren kaufen europäische Biospritunternehmen weite Landstriche vor allem in Westafrika auf, um Zuckerrohr, Jatropha oder Palmöl für die Produktion von „Ökodiesel“ anzubauen. Damit gehen diese Anbauflächen für die Produktion von Nahrungsmitteln verloren, was für die lokale Bevölkerung angesichts der steigenden Getreidepreise katastrophale Folgen hat.

FoE fordern deshalb die EU auf, die Richtlinie zu annullieren, nach der bis 2020 in allen EU-Ländern Biosprit 10 Prozent des Treibstoffs für Fahrzeuge ausmachen soll.

Über das „land grabbing“ internationaler Agrarkonzerne und die Rolle der Biospritproduktion hat Le Monde diplomatique schon mehrfach berichtet. Zuletzt erschien im Januar 2010 eine Analyse von Joan Baxter: „Wie Gold, nur besser – Fette Dividenden aus Afrikas Böden“. Berichte über den Anbau von Biosprit in Indonesien und in Brasilien sind in den Ausgaben vom Dezember (Cédric Gouverneur) und April 2009 (Philippe Revelli) nachzulesen. Eine grundsätzliche Kritik an dem angeblich alternativen Energieträger formulierte Eric Holt-Giménez bereits in Le Monde diplomatique vom Juni 2007: „Sprit vom Acker – Fünf Mythen vom Übergang zu Biokraftstoffen“.

Ruanda und Kongo

Der Hochkommissar für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen hat ein brisantes Papier verfasst. Der Report über schwerste Verbrechen, die während der Kämpfe im Osten des Kongo zwischen 1993 und 2003 begangen wurden, nennt als Täter auch ruandische Soldaten, die damals auf kongolesischem Gebiet operierten. Die Regierung von Ruanda hat gegen den Bericht heftig protestiert und erreicht, dass seine Publikation aufgeschoben wurde. Präsident Kagame und seine von den Tutsi dominierte Regierung fürchten, dass ihr Nimbus als Opfer des versuchten Genozids von 1994 beschädigt oder relativiert wird.

Neutrale Beobachter haben allerdings schon früher über die Gewalttaten der ruandischen Armee auf kongolesischem Territorium geschrieben. Auch in Le Monde diplomatique kam die Rolle Ruandas in zwei Texten zur Sprache: „Kein Staat, viele Feinde – Der Ostkongo blutet aus“ von Mwayila Tshiyembé im Dezember 2008, sowie: „Täter, Opfer, Kolonialisten – Ruanda und Frankreich streiten sich vor dem Völkermordtribunal“ von André-Michel Essoungou im Januar 2009.

Le Monde diplomatique vom 10.09.2010,