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Gestern in LMd, heute in den Nachrichten

gestern in LMd heute in den Nachrichten Putins Nachtwölfe

Nach einer Meldung in der Zeitung The Guardian sind auf der Krim nicht nur russische Soldaten in „anonymen“ Uniformen aufgetaucht. Am 28. Februar landete ein Flugzeug aus Moskau, das eine Gruppe der russischen Biker-Organisation „Nachtwölfe“ (Notschnyje Wolki) absetzte. Das russische Pendant zu den Hell Angels genießt die Protektion von Präsident Putin, der die Biker auch finanziell großzügig unterstützt. Schon vor der Verstärkung aus Moskau hatte die Krim-Sektion der Nachtwölfe sich der neuen russischen Administration angedient, indem sie rund um Sewastopol fünf Straßensperren errichtete.

Über diese Sektion der russischen „Zivilgesellschaft“, ihre krude christlich-patriotische Ideologie und ihre Rolle als mobile Propagandatruppe Putins kann man Genaueres in Le Monde diplomatique vom Januar 2014 nachlesen. Unter dem Titel „Die Nachtwölfe des Kreml“ porträtiert Peter Pomerantsev die Biker, die sich zu „Stalin, Gott und Stanislawski“ bekennen, als eine von vielen religiös gefärbten Gruppen, auf die sich Putin mehr und mehr stützt. Das ist gewiss nur eine Facette des zunehmend autoritären Herrschaftssystems, mit dem der Kreml auf die wirtschaftliche Stagnation des Landes reagiert. Ein umfassenderes Bild der komplexen russischen Wirklichkeit bietet das Themenheft, das als Nummer 13 in der Edition Le Monde diplomatique vor einem knappen Jahr unter dem Titel „Russland – in Putins Reich“ erschienen ist. Es enthält ausführliche Analysen über Wirtschaft und Gesellschaft, Staat und Religion, außenpolitische Ambitionen, die deutsch-russischen Beziehungen und den militärisch-industriellen Komplex der postsowjetischen Ära. Ein pessimistisches Bild von der Zukunft der Demokratie in „Putins Reich“ zeichnet Lilja Schewzowa, die darauf hinweist, dass auch die „liberalen Kräfte“ innerhalb der russischen Eliten sich an den Interessen einer „monopolistischen Händlerbourgeoisie“ orientieren.

Le Monde diplomatique vom 14.03.2014,