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Meldungen des Monats

Schlechte Nachrichten

Zum Jahresende wurde in China der Journalist Huang Liang-tian zur Strafe für seine gewissenhafte Berufsauffassung versetzt. Der Redakteur der Monatszeitung Bai Xing (Volksmassen), herausgegeben vom chinesischen Landwirtschaftsministerium, wurde von seinen Vorgesetzten zu einer Publikation abkommandiert, in der er keine Berichte mehr über den chinesischen Alltag schreiben kann. Huang Liang-tian hatte seit 2004 insbesondere über die Lebensbedingungen der Bauern und Landarbeiter berichtet und sich für deren Rechte eingesetzt. Dabei hatte er immer wieder Fälle von staatlicher Korruption aufgedeckt und sich so lokale Funktionäre der Kommunistischen Partei zum Feind gemacht. In der letzten Ausgabe von Bai Xing hatte er über die Beschlagnahmung von Bauernland in der Provinz Jiangsu berichtet.

In Nigeria wurde am 22. Dezember 2006 Godwin Agbroko, Chefredakteur der in Lagos erscheinenden Zeitung This Day, kurz nach Verlassen seines Büros in seinem Auto erschossen. Obwohl die Täter ihrem Opfer weder Brieftasche noch Handy oder Uhr abnahmen, spricht die Polizei von einem Raubüberfall. Die Familie und die nigerianische Presse gehen jedoch von einem Auftragsmord aus, weil Agbroko durch einen einzigen Schuss in den Kehlkopf getötet wurde. Der prominente Journalist hat in seiner Zeitung die nigerianische Politik scharf und ironisch aufs Korn genommen. Seine letzte Kolumne vom 19. Dezember war ein satirischer Kommentar zu den Vorwahlen innerhalb der herrschenden Demokratischen Volkspartei. Auf ähnliche Weise wie Agbroko war am 5. Oktober 2006 der Journalist Omololu, Leiter der Organisation Jaaids (Journalisten gegen Aids) erschossen worden.

Gute Nachrichten

Ein Gericht in Burundi hat am 3. Januar 2007 drei Journalisten freigesprochen, die einen Tag später auf freien Fuß kamen. Serge Nibizi, Chefredakteur der privaten Rundfunkstation Radio Publique Africaine (RPA), und der bekannte RPA-Moderator Domitile Kiramvu hatten seit 22. November 2006 im Gefängnis gesessen. Mathias Manirakiza, der Leiter des privaten Radiosenders Isanganiro, war am 29. November verhaftet worden. Allen dreien und einem vierten, im Ausland befindlichen Journalisten war die Verbreitung von Informationen vorgeworfen worden, die dazu geeignet seien, „die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu stören“. Sie hatten im August 2006 berichtet, die burundische Armee plane einen Scheinangriff auf den Präsidentenpalast, um einen Putschversuch vorzutäuschen. Der Staatsanwalt hatte für die vier Journalisten eine dreijährige Haftstrafe beantragt. Das Gericht wies die Anklage als „unbegründet“ zurück.

Die Chancen des Journalisten Freddy Muñoz, der sich vor einem Gericht in Kolumbien wegen „Rebellion und Terrorismus“ verantworten muss, haben sich verbessert. Ein Zeuge der Staatsanwaltschaft widerrief seine Aussage gegen den Kolumbienkorrespondenten des pan-lateinamerikanischen Senders Telesur. Der Fernsehjournalist wurde am 19. November 2006 unter der Anklage verhaftet, er sei 2002 an einem Bombenanschlag der Guerillaorganisation Farc beteiligt gewesen. Einer der drei Belastungszeugen, die als Ex-Farc-Kämpfer im Gefängnis sitzen, hat nun eingeräumt, dass er Muñoz gar nicht kennt.

Le Monde diplomatique vom 12.01.2007,