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Von G 8 bis G 110

Seit auf dem Gipfel von Evian im Juni 2003 die G-8-Länder USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Russland in einen „erweiterten Dialog“ mit China, Indien, Malaysia, Algerien, Saudi-Arabien, Ägypten, Südafrika, Nigeria, Senegal, Brasilien und Mexiko eintraten, wurden die zwischenstaatlichen Beratungen zur Reform der Global Governance zunehmend komplexer und stärker institutionalisiert. In der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise suchen die G-8-Staaten und die Entwicklungsländer wieder einmal nach einem geeigneten Rahmen für die Erörterung der globalen Probleme.

Die G 8 weitete den Dialog im ersten Schritt auf die „entstehenden Großmächte“ aus: Im Sommer 2007 kamen im „Heiligendamm-Prozess“ Südafrika, Brasilien, China, Indien und Mexiko dazu, auf dem Gipfel von Aquila im Juli 2009 erfolgte die Erweiterung um Ägypten zur heutigen G 14.

Den Entwicklungsländern geht es vor allem darum, gegenüber den USA, der EU und Japan geschlossen aufzutreten. Bemühungen um eine gemeinsame Strategie und mehr Süd-Süd-Kooperationen gab es immer wieder: So entstand nach der ursprünglichen Bewegung der Blockfreien, die sich 1961 auf der Konferenz von Bandung (1955) formiert hatte, 1964 die Gruppe der 77, 1989 eine G 15 und 1999 (nach den internationalen Wirtschaftsverhandlungen der Uruguay-Runde) eine G 20. Solche Bestrebungen bekamen neuen Auftrieb durch die Verhandlungsrunden zur Liberalisierung der Handelsbeziehungen im Rahmen der WTO und im Doha-Prozess (man denke an die G 33 und die G 90 von 2003 oder die G 110 von 2005).

Nach 2003 führte das Scheitern der Welthandelskonferenz von Cancún (Mexiko), bei der die Entwicklungsländer den Verhandlungstisch verließen, bei den Ländern des Südens zu einer Politik wechselnder Bündnisformen. Während die Medien und manche NGOs davon ausgingen, dass sich eine feste neue Koalition dieser Länder formiert habe, wurde schnell deutlich, dass die G 20+ nur eine Gelegenheitsallianz zu einem bestimmten Anlass – der Liberalisierung des Agrarhandels – sein würde.

Die ursprüngliche G 20 war eine Reaktion auf die Vorschläge der EU und der USA auf der 5. WTO-Ministerkonferenz von Cancún im August 2003. Die Gruppe erweiterte sich in der Folge zunächst zur G 21, dann zur G 22. Seit 2008 hat die G 20+ 23 Mitglieder: Ägypten, Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, China, Ecuador, Guatemala, Indien, Indonesien, Kuba, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Paraguay, Peru, Philippinen, Simbabwe, Südafrika, Tansania, Thailand, Uruguay, Venezuela.

Jenseits der G 20+ sind inzwischen neue Allianzen wie die IBSA (Indien, Brasilien, Südafrika) und die BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) entstanden.

Le Monde diplomatique vom 11.02.2011,