10.07.1998

David Nash

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David Nash

Die geometrischen Formen haben eine inhärente Klarheit und Autorität, die, auch wenn man sie sich aneignet, nichts von ihrer Integrität einbüßen. Frühere Kulturen verehrten die Geometrie als eine Lebenskraft, die in allen Dingen am Werk war. Unser Materialismus hat die Geometrie in eine zweidimensionale, statische Abstraktion verwandelt – in eine Art formgebendes Werkzeug. Aufgrund meiner Erfurcht vor diesen Formen war es schwierig, mit ihnen zu arbeiten. Ich machte Anfang der siebziger Jahre einige Versuche, aber erst 1978 fand ich einen direkten Zugang zu ihnen, als der „Baumbrocken“ im Fluß angekommen war.

Der in Esher, Surrey, lebende Engländer David Nash, geboren 1945, befaßt sich in seinen Skulpturen mit dem Dialog zwischen Mensch, Kultur und Natur. Er überläßt bzw. unterwirft die von ihm behauenen Materialien der Gewalt der Grundelemente: Erde, Feuer, Wasser und Luft. Dabei benutzt er die Natur nicht, um menschliche Formen zu evozieren, sondern befragt vielmehr die Natur mittels seiner Bearbeitungen nach ihr selbst.

Foto aus: David Nash, The Language of Wood

Le Monde diplomatique vom 10.07.1998