Meldungen des Monats

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Schlechte Nachrichten

In Bulgarien wurde eine Journalistin bedroht, deren Kritik an Bauvorhaben im Nationalpark Strandza die Geschäfte von Immobilienhaien störte. Maria Nikolajewa hatte am 9. Februar in ihrer Zeitung Politika über die Gefährdung des größten bulgarischen Nationalparks berichtet. Am selben Tag betraten zwei Männer ihr Büro und drohten: „Du weißt, was vorwitzigen Journalisten passiert: Sie bekommen Säure ins Gesicht.“ Eine Woche später schrieb die Journalistin einen zweiten Artikel. Die Ausgabe war jedoch in der Region Burgas, wo der Park liegt, nicht erhältlich, weil ein Unbekannter alle Kopien beim Großhändler aufgekauft hatte.

Am 19. Februar stürmte im Irak eine Einsatzgruppe der US-Army im Verein mit irakischen Soldaten die Zentrale der Journalistenvereinigung. Im Rahmen von Säuberungsoperationen im Bagdader Stadtteil al-Waziriya beschossen die Soldaten das Gebäude, entwaffneten die zehn Wachmänner und beschlagnahmten die Computer in den Büros. Das Wachpersonal wird an unbekanntem Ort festgehalten. Zu dem Vorfall war weder von der US-Army noch von der irakische Regierung ein Kommentar zu bekommen.

Ende Februar haben die Behörden in Kuba zwei ausländischen Korrespondenten die Verlängerung ihres Visums verweigert und die Akkreditierung entzogen. Dem Reporter Gary Marx von der Chicago Tribune wurde erklärt, er sei schon „zu lange“ im Lande und seine Berichte seien „zu negativ“. Cesar Gonzáles-Calero von der mexikanischen El Universal bekam zu hören, seine Berichterstattung sei der kubanischen Regierung „nicht genehm“. Dem BBC-Korrespondenten Stephen Gibbs wurde das Einreisevisum verweigert. 2006 hatte Havanna acht ausländische Journalisten ausgewiesen und sieben weitere nach ihrer Ankunft zurückgeschickt.

Gute Nachrichten

Nach elf Monaten Haft ist in Afghanistan der Journalist Abdul Qudoos wieder auf freiem Fuß. Ende Januar ließ ein Gericht in der östlichen Provinz Parwan die Anklage wegen Mordversuchs gegen Qudoos fallen. Der Mitarbeiter des Radiosenders Sada-e-Sulh (Stimme des Friedens) war im Februar 2006 auf Betreiben einer einflussreichen Politikerin verhaftet worden. Die Parlamentsabgeordnete Samia Sadat hatte den Journalisten ohne jeden Beweis beschuldigt, hinter einem Mordkomplott gegen sie zu stehen. Die Anklage beruhte auf Ressentiments gegen den Leiter des Senders, der bei der letzten Parlamentswahl ihren Gegenkandidaten unterstützt hatte. Deshalb hatte Frau Sadat auch versucht, den Sender zu schließen.

In China hat ein Gericht in der südlichen Metropole Guangzhou die Haftstrafe des Zeitungsdirektors Yu Huafeng um ein Jahr reduziert. Damit wird der frühere Herausgeber der Zeitung Nanfang Dushi Bao wahrscheinlich im Juni dieses Jahres freikommen, wenn er die Hälfte seiner siebenjährigen Strafe absolviert haben wird. Yu Huafeng war im Mai 2004 wegen Korruption verurteilt worden. Die Anklage bezog sich auf die Tatsache, dass er den Angestellten der Zeitung Bonuszahlungen für erhöhtes Anzeigenaufkommen bezahlt hatte. Der wahre Grund der Verfolgung wird in investigativen Reportagen vermutet, die das Blatt unter anderem über die Vogelgrippe in China publiziert hatte. Kurz vor Yu Huafeng war auch der Chefredakteur der Zeitung, Li Ninying, freigekommen, nachdem er die Hälfte seiner sechsjährigen Haftstrafe verbüßt hatte.

Le Monde diplomatique vom 09.03.2007

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