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Meldungen des Monats

Schlechte Nachrichten

Am 29. April wurde in Sri Lanka ein tamilischer Reporter ermordet. Selvarajah Rajivarnam arbeitete für die Tageszeitung Uthayan, die in Jaffa erscheint, also in dem von der Regierung kontrollierten Gebiet, aber in tamilischer Sprache. Der 25-jährige Reporter wurde auf dem Fahrrad in der Nähe seiner Redaktion von einem überholenden Motorrad aus erschossen. Am 16. April war schon sein Kollege Chandrabose Suthaharan in seinem Haus ermordet worden. Auch er hatte für tamilische Publikationen gearbeitet, die von der regierungsfreundlichen EPDP kritisiert wird. Diese tamilische Miliz verfolgt Landsleute, denen sie vorwirft, mit den separatistischen Tamil Tigers zu kooperieren. Bereits 2006 waren drei Mitarbeiter von Uthayan ermordet worden, der Tatverdacht fiel auch hier auf EDPD-Kämpfer.

Am Rande einer 1.-Mai-Demonstration in Akure im Südwesten Nigerias wurde der Journalist Dare Folorunso von Polizisten zusammengeschlagen. Der Mitarbeiter der staatlichen Ondo State Radiovision Corporation (OSCR) wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Um den Wahltermin vom 14. April herum häuften sich die körperlichen Angriffe auf Journalisten in Nigeria. Drei Tage vor den Wahlen hatte die Regierung den Radiosender Link FM und den Fernsehsender GTV in Lagos verboten, nachdem sie die Medien gewarnt hatte, der Kritik der Oppositionsparteien an der Wahl und ihren womöglich manipulierten Resultaten Raum zu geben. Link FM darf seit dem 25. April wieder senden, doch der staatliche Geheimdienst SSS drohte, die Station eneut zu schließen, falls sie die Politik der Regierungspartei PDP kritisieren sollte.

Gute Nachrichten

Ein Militärgericht in der Schweiz hat am 18. April drei Journalisten der Züricher Zeitung SonntagsBlick freigesprochen. Die Zeitung war wegen Verletzung von Militärgeheimnissen angeklagt worden, weil sie ein geheimes Fax veröffentlich hatte, das Informationen über CIA-Gefängnisse für mutmaßliche Terroristen auf europäischem Boden enthielt. Das Gericht sprach Chefredakteur Christoph Grenacher und die Redakteure Sandro Brotz und Beat Jost von der Anklage frei und sprach ihnen sogar eine Entschädigung zu. Bei dem Fall ging um den Bericht des SonntagsBlicks vom 8. Januar 2006, in dem Details aus einem Fax des ägyptischen Außenministeriums an die eigene Botschaft in London zitiert wurden. Das Schreiben war vom Schweizer Militärgeheimdienst abgefangen worden und von dort an die Redaktion gelangt. In der Schweiz wird jetzt gefordert, dass Journalisten erst gar nicht vor ein Militärgericht zitiert werden können.

Nach 23 Tagen Haft wurde in Syrien der Menschenrechtsaktivist Ibrahim Zoro aus dem Gefängnis freigelassen. Der staatliche Geheimdienst hatte Soro am 5. April verhaftet, ohne dass seine Familie wusste, wo er festgehalten wurde. Zoro wurde beschuldigt, über Internet ein „illegales Seminar“ mit dem Titel „Die Philosophie des Lügens“ organisiert zu haben. Der Autor kurdischer Abstammung publiziert häufig kritische Artikel auf arabischen Websites. Als Mitglied der syrischen kommunistischen Partei saß Zoro bereits von 1987 bis 1994 im Gefängnis. Auch nach seiner Freilassung bleiben der Journalist Muhened Abdulrahman und der Schriftsteller Habib Salhe weiter in Haft, weil sie kritische Texte via Internet verschickt haben.

Le Monde diplomatique vom 11.05.2007,