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5. Reporter ohne Grenzen: Meldungen des Monats

5.1. Schlechte Nachrichten

5.2. Gute Nachrichten

Meldungen des Monats

REPORTER OHNE GRENZEN - FÜR PRESSEFREIHEIT

Schlechte Nachrichten

In Marokko hat Informationsminister Khalid Naciri die Entlassung von zwei Journalisten des Fernsehsenders Dubai TV erwirkt. Nach einer Intervention des Ministers bei der Botschaft von Dubai wurde der Chefredakteur des Senders, Omar Makhfi, ebenso entlassen wie sein Bruder Jalal, Korrespondent des Senders in Rabat. Jalal Makhfi hatte in einem Bericht über die von König Mohammed vorgeschlagene Verfassungsreform erwähnt, dass die „Oppositionsbewegung 20. Februar“ zu Protesten gegen das für den 1. Juli angesetzte Verfassungsreferendum aufgerufen hatte. Obwohl der Minister in derselben Sendung zu Wort kam, beschuldigte er Dubai TV, die Opposition zu unterstützen. Die Kündigung von Omar und Jalal Makhfi wurde nicht von der Leitung des Senders, sondern von der Regierungsbehörde für „Human Resources“ ausgesprochen.

Gute Nachrichten

Nach 547 Tagen Geiselhaft sind in Afghanistan die beiden französischen Journalisten Hervé Ghesquière und Stéphane Taponier freigekommen. Die beiden Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders France 3 waren am 29. Dezember 2009 gemeinsam mit ihren drei einheimischen Begleitern Reza, Hidar and Satar in der nordöstlichen Provinz Kapisa von einer Talibangruppe entführt worden. Die Freilassung erfolgte nach langwierigen Bemühungen der Regierungen in Paris und Kabul. Ob den Kidnappern ein Lösegeld gezahlt werden musste, wurde wie in vergleichbaren Fällen nicht bekannt gegeben. In Afghanistan wurden seit Anfang 2009 mindestens 15 Reporter entführt, und zwar durch aufständische wie durch kriminelle Gruppen. Für Medienarbeiter ist Afghanistan damit eines der gefährlichsten Länder der Welt.

Am 1. Juli hat ein Gericht in Frankreich eine Verleumdungsklage von Lola Karimowa abgewiesen. Die Tochter des usbekischen Präsidenten Islam Karimow hatte gegen die französische Nachrichtenwebsite Rue 89 geklagt. Die hatte am 20. Mai einen Text von Augustin Scalbert veröffentlicht, in dem Frau Karimowa als „Tochter des Diktators“ bezeichnet wurde. Zudem wurde kritisiert, sie habe mit ihrem Engagement für ein Aidshilfe-Event in Cannes versucht, „das Image ihres Landes schönzufärben“. Das Gericht lehnte die Klage mit der Begründung ab, der Inhalt des Artikels entspreche „in vollem Umfang der Realität“. Die Diktatorentochter wollte Schadenersatz in Höhe von 30 000 Euro erstreiten. In Usbekistan sind derzeit elf Journalisten in Haft. Auf der Rangliste der Pressefreiheit liegt das Land auf Platz 163 (unter 178 Ländern).

Le Monde diplomatique vom 08.07.2011,